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Präsidenten-Suche: Warum die Caps nach außen blicken müssen

Zwei mögliche interne Kandidaten dementieren, das Amt übernehmen zu wollen. Auch abseits der Präsidenten-Suche gibt es viele offene Fragen.

Präsidenten-Suche: Warum die Caps nach außen blicken müssen Foto: © GEPA

Die Saison der Vienna Capitals geht am Freitag mit dem Heimspiel gegen den VSV (19:15 Uhr im LIVE-Ticker >>>) so früh wie noch nie zu Ende.

Zeit genug, um die Weichen für die kommende Spielzeit zu stellen. Noch wird ein Nachfolger für Präsident Hans Schmid gesucht.

Ein Blick auf die Strukturen einer Organisation, die sich nach außen öffnen muss:

Das Präsidium der Vienna Capitals besteht aus lediglich vier Personen:

Präsident Hans Schmid

Vizepräsident Franz Kalla

Schriftführer Freddy Schmid (der Neffe des Präsidenten)

Kassier Raphael Graf

2x Schmid, dazu mit Kalla ein Mann, der Schmids Vorgaben auf den Punkt erfüllt und dadurch hoch in dessen Gunst steht. Kontroversielle Diskussionen waren aufgrund der Zusammensetzung eher keine zu erwarten und in diesem Gremium wird sich kein Nachfolger für den mittlerweile 83-jährigen Kärntner finden.

Die nächste (ehrenamtliche) Ebene der Capitals wären die beiden Beiräte:

"Wirtschaft, Profisport und Internationalisierung"

An der Spitze mit dem Privatier Josef Oistric ein Mann, der früher lange im Aufsichtsrat von Austria Wien saß, mittlerweile aber völlig dem Eishockey verfallen ist.

Dazu kommen:

Manfred Huber (Euram Bank)

Manfred Hoffmann (Sponsor "Schuller Eh'klar")

Andrea Pichler (Hauptsponsor "Spusu")

Gerhard Schilling ("Almdudler")

Beirat "Nachwuchsarbeit, Infrastruktur und Soziales"

Philipp Felsinger ("Asphalt Felsinger")

Obwohl im Schatten der desaströsen Saison der Ersten, gibt es gerade im Nachwuchs genug zu tun. Nach ambitionierten Jahren unter Peter Schweda und Christian Dolezal wurde dieser in den letzten Jahren wieder auf ein Mindestmaß zurückgefahren, das Farmteam ohnehin schon vor Jahren eingestampft.

Die letzte größere Maßnahme war die Kündigung von Nachwuchsleiter Dieter Werfring, der parallel auch die U17 betreute. Caps-Cracks in Nachwuchsnationalteams sind mittlerweile die Ausnahme, die talentierten Spielern orientierten sich in den letzten Jahre Richtung Ausland oder der Akademie in Salzburg.

Mögliche interne Kandidaten sagen ab

Als Schmid-Nachfolger wären aufgrund der Struktur also Oistric oder Felsinger (sein Name wurde immer wieder genannt) denkbare interne Varianten. Beide dementierten das mir gegenüber, ich sehe keinen Grund, ihnen nicht zu glauben.

Es schaut also danach aus, dass ein neuer Präsident bzw. Mitglieder für ein neues Präsidium von außen kommen müssen. Der Abschied von Schmid - schon länger ventiliert, in der Vorsaison erstmals öffentlich angekündigt, nach einem weiteren Jahr heuer aber sogar per Caps-Presseaussendung veröffentlicht - kann nicht noch einmal verschoben werden.

Kaum verbrannte Erde zu sehen

Die Saison war zweifellos desaströs und die zahlreichen Nachverpflichtungen (insgesamt sechs Spieler kamen nach Saisonbeginn, wobei Adam Ohre und Kilian Zündel nur Kurzgastspiele gaben) mussten mit Geldern bestritten werden, die zu Saisonbeginn noch nicht da waren.

Nicht erfreulich, aber auch kein Grund auf den Selbstvernichtungsknopf zu drücken. Bis auf Salzburg musste jede ICE-Organisation in den letzten Jahren (mindestens) eine ähnlich schlechte Saison hinnehmen.

Die Fans nahmen das oft klägliche Gestöpsle ohnehin gleichmütig hin - Missfallenskundgebungen traten nur kurz auf und verliefen im Sande, am Schluss der Saison war bei durchschnittlichen Zuschauerzahlen von über 4.000 mit einem ausverkauften Haus gegen den KAC ohnehin nur mehr Party angesagt.

Die Lokalmedien gehen mit den Caps auch mit Samthandschuhen um, insgesamt ist also wenig von verbrannter Erde zu sehen.

Geschäftsführung vermehrt im Fokus

Im Aufholrennen um die Playoff-Plätze, das aber nie so recht vom Fleck kam, ging eine weitere interne Änderung fast unter: Die langjährigen Mitarbeiter Lukas Garhofer und Patrick Wondra erhielten nicht nur neue englische Berufs-Definitionen ("Chief Operating Officer" bzw. "Chief Marketing Officer"), Garhofer durfte sich sogar einigen Interviews stellen.

In einer Organisation, in der seit Ewigkeiten nur Schmid, Kalla und der jeweilige Headcoach an die Öffentlichkeit traten, fast eine Revolution. Anzunehmen, dass Garhofer und Wondra auch in Zukunft eine (größere) Rolle spielen werden.

Die sportliche Aufarbeitung der Saison steht noch aus, in Zukunft wird wohl auch klar definiert werden müssen, wer für die Kaderzusammenstellung zuständig ist. Wer immer es auch sein mag - er wird auch die Aufgabe haben, intern und extern das Budget mit den Zielen in Einklang zu bringen.

Die beiden Halbfinaleinzüge waren eh schon unter dem Begriff "Overachievement" abzuhaken. Das drehte sich heuer komplett ins Gegenteil, so krass hätte der Leistungsabfall zwar nicht ausfallen müssen, aber das Wort "Meistertitel" auch nur auszusprechen, war von Beginn an Themaverfehlung.

Viele Fragen, aber noch keine Antworten

Wer folgt Schmid? Ein Name wie in Graz Herbert Jerich, der mit großem persönlichen und finanziellen Elan ebenfalls einen langjährigen Präsidenten ablöst, tauchte noch nicht auf.

Bleibt Schmid vielleicht als Sponsor der Organisation verbunden? Was passiert mit langjährigen Mitarbeitern wie Kalla oder Dolezal, der als Headcoach die nächste Aufgabe aufgebürdet bekam? War die heurige Saison ein einmaliger Ausrutscher oder das "Neue Normal"? Lässt das Budget größere Sprünge zu?

Eine so lange Offseason wie noch nie für die Vienna Capitals, in die aber viele offene Fragen fallen - Spannung, die während der Spielzeit oft ausblieb, ist für die nächsten Wochen angesagt…


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