Dorfambiente, Waffenstillstand und Storch im Salat

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LAOLA1-Scout Bernd Freimüller kehrt von seinen Reisen nach Italien und Deutschland mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen zurück:

In Italiens Liga herrscht zwar Dorfambiente, die Schiedsrichter-Leistungen sind "unter aller Kanone" und die Spieler scheinen einen "Waffenstilstand" beschlossen zu haben, dennoch hat der LAOLA1-Scout einen Spieler für die EBEL im Visier.

Die Kluft zwischen der deutschen DEL und der EBEL wird wieder größer. Beim Betrachten der Nürnberger bleibt Freimüller "die Spucke weg". Ein Ex-NHL-Spieler stakst hingegen "wie ein Storch im Salat" herum und die Gehälter für die deutschen Spieler schnalzen in die Höhe.

 

Sterzing vs. Asiago (4.2. - 2:1)

Mein erster Besuch in Italien seit zwei Jahren. Klar ist - viel habe ich nicht versäumt. Die Liga ist im letzten Jahr von zwölf auf acht Teams geschrumpft und das trotz einer Ausländer-Reduzierung, die ja angeblich immer alle Probleme lösen soll. Mittlerweile sind fünf Legionäre pro Team zugelassen, dazu gehören allerdings auch Italo-Kanadier mit befristeter Transferkarte. Vorjahres-Meister Asiago gehört zu den Teams, die auch Italos mit unbefristeter Transferkarte einsetzen, trotzdem kommen sie heuer nicht so recht in die Gänge.

Das Spiel eigentlich typisch für das, was ich von früher kenne: Das Spielniveau sehr überschaubar, bei den Legionären ist immer die Frage, ob sie nicht schneller können oder sie sich aufgrund der knapp 30 Minuten Eiszeit die Kräfte einteilen müssen. Im Vergleich etwa zur britischen Liga herrscht doch ein weit niedrigeres Tempo vor. Das Ambiente ist überaus beschaulich, die Zuschauerzahlen liegen bis auf Bruneck und manchmal Ritten oft nur im dreistelligen Bereich. Das darf natürlich nicht verwundern, wird Eishockey doch vor allem in Dörfern oder bestenfalls Kleinstädten gespielt.

Natürlich hatte mein Besuch aber einen konkreten Zweck: Sterzings Adam Hughesman ist einer der besten Scorer der Liga und mit 24 Jahren auch noch in einem guten Alter. Ihn könnte ich mir in der EBEL ebenso gut vorstellen wie Rittens Mark van Guilder, einen großen und charakterstarken Zweiweg-Stürmer mit langer AHL-Erfahrung.

"Italienische Verhältnisse und Denkweise haben mit professionellem Eishockey kaum etwas zu tun."

Bernd Freimüller

Italienische Klubs nicht EBEL-tauglich

Apropos Ritten: Ihnen wird von Szenekennern als einzigem der italienischen Aufnahme-Aspiranten professionelle Arbeit zugebilligt. Allerdings ist die Eishalle dort eigentlich nicht EBEL-tauglich, auch wenn die Aufnahme-Kriterien offenbar sehr dehnbar sind – schlechter als Kapfenberg mit deren knapp 100 Sitzen präsentiert sich auch die Halle am Klobenstein nicht. Aber nach dem alljährlichen Bozener Sommertheater – das nach Insiderangaben auch heuer wieder zu erwarten ist – und den Erfahrungen der letzten Jahre (INL-Ausstieg!) und Jahrzehnte sollte die Liga um Italien einen weiten Bogen machen. So sympathisch das Dorfambiente und die Macher dort sein mögen, sind das doch Verhältnisse, die in Österreich vielleicht um die Jahrtausendwende noch möglich waren und auch die Denkweise (vor Juni beschäftigt sich dort kaum jemand mit der neuen Saison) hat mit professionellem Eishockey kaum etwas zu tun.

Spieler und Refs legen gemeinsam Strafen fest!

Es gehört ja zum guten Ton jeder Liga (von der NHL bis zur EBEL), die Schiedsrichterleistungen zu kritisieren. Nur: Was in Italien abläuft, ist unter aller Kanone. Da rutschen völlig unbedarfte Leute übers Eis, fällen Entscheidungen völlig zögerlich und gegen jeden Menschenverstand. Die Spieler wissen das und haben irgendwie auch einen Waffenstillstand geschlossen, tun einander nicht weh und legen öfters mit den Refs gemeinsam fest, welche Strafen eigentlich zu geben wären. Kein Wunder also, dass Italien international eine absolute Schiedsrichter-Diaspora darstellt…

 

Augsburger Panther – Thomas Sabo Ice Tigers (5.2. - 0:3)

Nicht mein erster DEL-Besuch in dieser saison, allerdings der erste in Augsburg, wo die Halle seit der Renovierung zu einem Schmuckkästchen geworden ist. In Österreich wäre sie mit Wien zu vergleichen und damit Ligaspitze, in Deutschland liegen natürlich noch Spielstätten wie jene in Berlin, Köln, Düsseldorf, Mannheim, Nürnberg oder Hamburg vor ihr.

Die Infrastruktur in der DEL liegt natürlich um Welten vor jener der EBEL, kein Wunder, sind dort doch auch die Aufnahmekriterien um einiges höher und auch klarer ausformuliert. Zwar drückt auch dort die Liga ab und an ein Auge zu – Düsseldorf war nach dem Ausstieg von Hauptsponsor Metro vor Jahren eigentlich ausschlussreif -, aber Fälle wie die stets maroden Südtiroler aus Bozen oder das Team Laibach sind hier natürlich nicht vorstellbar.

Auf dem Eis ist der Spalt zwischen den beiden Ligen heuer wieder größer geworden. Die DEL hat sich nicht unbedingt verbessert, aber die EBEL ist heuer sicher einen kleinen Schritt zurück gegangen. Bezeichnend, dass in Österreich einige altgediente DEL-Cracks Unterschlupf fanden und mithalten können, während umgekehrt der die EBEL dominierende Brian Lebler in Ingolstadt kaum auffällt.

Bei Nürnberg bleibt die Spucke weg

Beim Betrachten von Nürnberg blieb mir anfänglich die Spucke weg: Eine derart körperlich starke Mannschaft habe ich in Europa noch kaum wo gesehen, vielleicht in der KHL ab und zu. Ein riesengroßer Crack reiht sich an den anderen, kein Wunder, dass Augsburg die Zone ums Tor herum kaum penetrieren konnte.

Doch nicht nur die Größe macht den Unterschied: Mike Stewart musste in Augsburg im Sommer halt einige Legionäre verpflichten, die keine guten Saison hinter sich hatten. Nürnburg umgekehrt – gesponsort vom Schmuckhersteller Thomas Sabo – kann aus dem Vollen schöpfen, Ex-NHLer wie Kurtis Foster (408 Spiele), Steven Reinprecht (713) und der hünenhafte David Steckel (456) kosten gutes Geld.

Das gilt natürlich noch im erhöhten Maße für Dany Heatley, der noch dazu mit einem deutschen Pass agiert. Doch der ehemalige NHL-Sniper setzt auch hier seine Talfahrt aus den letzten Jahren fort, er stakst herum wie der Storch im Salat. Doch angesichts der durchaus titeltauglichen Tiefe im Kader können die Nürnberger auf Heatleys Schusstechnik in engen Spielen hoffen und über seine katastrophale Beinarbeit hinwegsehen. Das geht allerdings nicht immer gut, Nürnberg verlor zwei Tage später gegen das Tabellen-Schlusslicht Krefeld auf eigenem Eis.



EHC Red Bull München – Düsseldorfer EG (7.2. - 1:2)

Tolle Stimmung auch in München, die EHC-Fans hatten mit der Übernahme von Red Bull von Beginn an kaum Probleme, noch dazu wo die Marke "EHC" weiter hochgehalten wird. In den letzten Wochen entsprachen die Roten Bullen auch erstmals ihrer Rolle als budgetmäßiger Titelfavorit, die ersatzgeschwächte DEG hielt aber mit einem ausgezeichneten Defensivkonzept – die eigene blaue Linie wurde mit vier Mann wagenburgartig verteidigt – dagegen.

Auch wenn die Deutschen in den letzten Jahren im Nachwuchs immer weiter absanken, produzieren sie eines weiterhin: Ausgezeichnete Goalies. Düsseldorfs Mathias Niederberger gehört zu einer Reihe von talentierten deutschen Torhütern, die alle über gutes A-Gruppen-Niveau verfügen. Der 23-Jährige sollte in den nächsten Jahren ein solider DEL-Goalie sein, zu mehr fehlt es ihm wohl an der notwendigen Körpergröße.

Interessant sind zwei Legionäre bei den Düsseldorfern: Chris Minard stand im Sommer knapp vor einer Vertragsunterzeichnung in Linz, wo ihn Rob Daum aus gemeinsamen Zeiten in Nordamerika kennt. Minard war zwei Jahre lang in Köln eine dominante Erscheinung in der Liga. Seine schwache Beinarbeit wird mit zunehmendem Alter aber immer mehr zu einem Problem, er kommt so nur schwer in die Zone vor dem Tor, wo er eigentlich seine Stärken hat.

Der nachverpflichtete Drayson Bowman hätte vor Wochen auch in Wien unterschrieben, dort war er aber zu teuer. Bowman ist wie in der AHL ein körperlich starker, arbeitsamer Flügel, der seinen Körper vor dem Tor gut einsetzt.

Gehälter schnalzen in die Höhe

In der Diskussion um eine eventuelle Ausländer-Reduzierung und die Schwemme an Deutsch-Kanadiern wird vor allem von deutscher Seite eines stets populistisch verschwiegen: Die Gehälter für gute einheimische Spieler liegen auf einem Niveau, das die Öffentlichkeit nicht für möglich halten würde. Kein Wunder, ein verknappter Markt treibt die Preise weiter in die Höhe, schon die Reduzierung von zehn auf neun Legionäre – gekoppelt mit dem Ligaeinstieg von Red Bull und neuen Mäzenen - wie etwa in Köln– ließ die Gehälter bereits weiter nach oben schnalzen.

Was immer mehr in Mode kommt: Langfristige Verträge: Krefelds Daniel Pietta ist mit seinem Kontrakt bis 2025 natürlich das Extrembeispiel, aber immer öfters werden mehrjährige Verträge gefordert und auch gegeben, zu sehr herrscht die Angst vor den nächsten schwachen Nachwuchs-Jahrgängen vor. Frag nach beim KAC, ob diese Methode zum Erfolg führt…



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Bernd Freimüller

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