Vier Eishockey-Spiele unter der Experten-Lupe

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Keiner ist am österreichischen Eishockey näher dran als Bernd Freimüller.

Der LAOLA1-Scout nahm in den vergangenen Tagen drei EBEL-Spiele genauer unter die Lupe und machte einen interessanten Abstecher in die EBYSL.

Die Expertise und Einschätzung von Teams und Spieler.

 

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Vienna Capitals – Olimpija Ljubljana (EBEL, 24.11., 2:0)

Ein träges und langsames Spiel mit vielen Powerplays, die Caps konnten wenigstens zwei davon verwerten. Doch wie will man die Leistungen von Olimpija überhaupt korrekt bewerten?

Wie in den letzten Jahren schlägt man sich mit monatelangen Gehaltsverzögerungen herum und das in einer Saison, wo nach einem sommerlichen Ausgleichsverfahren endlich Ruhe und Korrektheit einkehren hätten sollen. Weit davon entfernt, die Spieler sahen einzig ihr Augustgehalt (und das mit einmonatiger Verspätung), seitdem herrscht Funkstille. Die beiden Kanadier Guillaume Desbiens und Stefan Chaput verabschiedeten sich bereits, der Rest des Teams hält noch die Stellung und schlägt sich tapfer.

Coach Fabian Dahlem, der sich wie ein Animateur auf der Andrea Doria vorkommen muss, hat seinem Team in den letzten beiden Jahren ein gutes taktisches Konzept mitgegeben, es ist nicht leicht, das Mitteldrittel gegen die Slowenen mit Tempo zu überbrücken.

Wenn dann Goalie Oliver Roy einen guten Tag erwischt, sind Heimsiege wie zuletzt gegen Dornbirn und Bozen möglich. Dahlem versteht es auch, aus aussortierten EBEL-Österreichern gute Leistungen herauszupressen, Kris Reinthaler etwa spielt einen soliden Part in der Defensive, Roland Kaspitz versprüht Spiellaune, Fabian Scholz hat einen Fixplatz im Powerplay, agiert dort aber zu statisch.

Der Trainerposten in Laibach verlangt schon seit Jahren nach immensen Fähigkeiten im Krisenmanagement, Dahlem bringt diese sicher mit und hält seine Truppe bei Laune. Es wäre interessant, was er aus „normalen“ Möglichkeiten bei anderen EBEL-Teams herausholen könnte.

Für Leute, die die EBEL immer noch mit der DEL vergleichen: Glaubt irgendjemand, dass in Deutschland ein lebender Leichnam wie Olimpija von Jahr zur Jahr durchgewunken würde?

 

Black Wings Linz U20 – Red Bull Salzburg U20 (EBYSL, 25.11., 2:5)

Ein interessanter Abstecher in die Juniorenliga, beide Teams haben eine Reihe von Auswahlspielern aufzuweisen. Bei Linz überzeugte Erik Kirchschläger – dank guter Mobilität und Übersicht hat er die Fähigkeit, Outlets zu finden und die Scheibe auch unter Druck an den Mann zu bringen. Seine Größe wird ihn immer etwas limitieren, er hat aber körperlich zugelegt und verfügt etwa im Vergleich zu Bernhard Fechtig über größere Spielintelligenz.

Ebenfalls aus der EBEL bekannt: Stefan Gaffal. Seine Hände sind ausgezeichnet, vor allem im Powerplay ist er eine Waffe. Aber seine Körpersprache ist alles andere als optimal und zu mangelnder Physis kommt ein sehr steifbeiniger Eislaufstil hinzu, der ihm gegenüber großen Spielern keinen Abstand in Laufduellen verschafft. Es wäre schade um seine Anlagen, aber er muss gewaltig an seinen Schwächen arbeiten. Sowohl Kirchschläger als auch Gaffal sind natürlich Fixpunkte im U20-Nationalteam.

Weniger bekannt, aber ebenso interessant: Defender Fabian Nußbaumer von den Roten Bullen. Mobil und beweglich, dazu brauchbare Puckskills – auch er sollte dem Junioren-Nationalteam helfen.

Ein ganz anderer Verteidigertyp dagegen: Jonas Kofler. Der 98er ist ein „Rough-and-Tumble-Defender“, wie er im Buche steht. Groß, körperlich stark, dazu noch mit einem Mean Streak ausgestattet und immer für Checks und Faustkämpfe parat. Ein jüngerer Phil Lakos eben. Eher rätselhaft, warum gerade ein physisch spielender Crack wie er für die Reise des U18-Teams nach Kanada nur auf Abruf nominiert wurde. Klar, die Entwicklung im nationalen und internationalen Eishockey spricht gegen Spieler wie ihn, feine Hände hat er sicher nicht. Doch in einem Land wie unserem, das fast nur kleinwüchsige Defender hervorbringt, muss Platz für einen Spieler wie ihn sein und die Möglichkeiten der Red Bull Akademie sollten ihm über die nächsten Jahre helfen, an seinen Schwächen zu feilen.

 

Orli Znojmo – VSV (EBEL, 26. 11., 4:2)

Die Tschechen entschieden die Partie mit einem Zwischenspurt für sich, der VSV verkaufte sich aber ohne sechs Stammspieler (Lamoureux, Unterluggauer, Mühlstein, Santorelli, Pance, Petrik) sehr gut. Wie trat die junge Villacher Garde auf?

Lukas Herzog: Zuerst nicht viel getestet, bei einigen Abfälschern aber aufmerksam. Beim zweiten Gegentreffer entglitt ihm ein Sulak-Weitschuss aus dem Handschuh, Pech, dass der Puck genau zu Sedivy kam. Der vierte Gegentreffer nach einem Sulak-Solo und einem Schuss auf die lange Ecke war vielleicht nicht leicht zu berechnen, da Sulak mit großem Speed von seinem Off-Wing kam, trotzdem sah das Stellungsspiel nicht optimal aus.

David Kreuter: Gehört mittlerweile zu den Stammspielern, agiert auch ohne Hektik. Hat mit schnellen Richtungsänderungen aber große Probleme, muss an seiner Mobilität und Agilität arbeiten.

Valentin Leiler: Mittlerweile mit Powerplayzeit und wieder einem Treffer. Der größte Unterschied zur letzten Saison: Er hat (endlich) körperlich zugelegt, muss darauf im nächsten Sommer aufbauen. Kann sich bei entsprechender Arbeitseinstellung im österreichischen Eishockey sicher nach oben arbeiten, hat ausgezeichnete offensive Anlagen und einen harten, kontrollierten Schuss.

Christian Jennes: Ein aufsässiger Forechecker mit gutem Motor und Beinen, aber vertikal arg limitiert.

Ruslan Gelfanov: Viel kommt von ihm nicht, es fehlt an Antritt und Dynamik.

 

Vienna Capitals – Black Wings Linz (28. 11., 3:4)

Eines der besseren Spiele dieser Saison. Die Wiener präsentierten sich zu Beginn verbessert und brachten die Linzer mit mehreren Checks aus dem Konzept. Nach dem Anschlusstreffer und einem vergebenen 5:3 war das schlechte Ende jedoch vorprogrammiert, die Körpersprache der Caps ging rapide nach unten.

Nathan Lawson ist normalerweise ein sicherer Wert bei Schüssen von vorne, überraschend und nicht typisch, dass ihn Dan DaSilvas Schuss so einfach bezwang. Sonst gibt er durch seine Größe kaum Löcher frei. Bei Pässen quer vors Tor hat er aber Probleme, in der Lateralbewegung gehört er nicht zur Spitze der Liga. Er wirkte auch über das ganze Spiel gesehen nicht fit, kam vor allem im letzten Drittel nur sehr schwer von den Knien wieder hoch.

Klemen Pretnars Abgang war schon seit Wochen vorgezeichnet, die Frage war nur, wann Tyler Cuma oder Sven Klimbacher wieder fit würden. Pretnar präsentierte sich wie in Villach: Durch seinen übersichtlichen Preis immer interessant, auf dem Eis halt ein In-Betweener: Offensiv ist er kaum ein Faktor (kann nicht schießen), defensiv kann er physisch übermannt werden. Allerdings spielt er seinen Part auch ohne größere Fehler mit der Scheibe runter. Sein Engagement im Frühjahr brachte die Hackordnung der Caps von Haus aus durcheinander: Mehr als ein Vierer-Defender ist er bei einem guten EBEL-Team nicht, diese Rolle hätte aber auch der geschasste Markus Schlacher ohne Probleme einnehmen können. Mit Milam, Fraser und Iberer standen immer drei Mann vor ihm, hinter ihm mit Peter, Lakos, Klimbacher und jetzt Cuma lauter Defensivverteidiger. Ein guter Legionär hätte die Top-Vier veredelt, so war das Engagement von Haus aus wenig überlegt und Pretnars Schicksal nicht nur aufgrund des Punkteüberschusses bald besiegelt.

Jetzt muss Jim Boni, der Pretnar vor seinem Engagement nicht kannte, seine Defender neu aufteilen, nach Klimbacher sollte auch Dominic Hackl noch im Dezember zurückkehren, Mario Fischer wird angesichts der dann acht Verteidiger wohl wieder in den Angriff rücken. Patrick Peter, bisher mit einer sehr unebenen Saison, durfte nach dem Pretnar-Abgang gegen Linz sogar im Powerplay ran, anzunehmen, dass sich im Second Unit neben Flo Iberer noch weitere Kandidaten versuchen dürfen.  

Wenn wir schon von Verteidigern sprechen: Grant Lewis präsentiert sich wie erwartet als große Verstärkung für die Linzer. Von seiner Schulterverletzung ist nichts mehr zu spüren, im Gegenteil, er erscheint mir muskelbepackter als zuvor, da kann mich aber auch meine Erinnerung täuschen. Er verfügt über große Wasserverdrängung im Zweikampf, nimmt viel Platz weg, blockt Schüsse und bringt die Scheibe unter Druck zum eigenen Mann. Im Powerplay veredelt er das zweite Unit, vor allem weil Jason Ulmer mit der Rolle an seiner Seite bis jetzt gut zurechtkommt. Sein Engagement hilft auch Mario Altmann an seiner Seite, dazu kann sich Brett Palin auf sein Kerngeschäft als physischer Defensivverteidiger konzentrieren, was er zuletzt auch sehr gut machte.

Aus der Abteilung „Entweder-Oder“: Jim Boni verlangte nach Kozeks kuriosem Treffer zum 3:2 eine „Coach’s Challenge“, die Entscheidung blieb aber bestehen. Damit verwirkte er sein Recht auf das Minuten später verlangte Timeout, die Refs würgten dieses Ansinnen auch umgehend ab …

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