DEC und Znojmo: Gründe für verpatzten Start

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Während einige Teams noch ihren Platz in der Tabelle suchen, haben sich Dornbirn und Znojmo als Schlusslichter etabliert.

Vier Spiele sind noch nicht viel, doch der Trend bei beiden Teams ist schon seit der Preseason beunruhigend. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller über die Gründe für den Fehlstart der beiden letztjährigen Playoff-Teams:

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Dornbirner EC

Der DEC hat in seiner kurzen EBEL-Geschichte schon manche Auf und Abs erlebt, aber der heurige Saisonauftakt lässt kaum Hoffnung auf Besserung erwarten. Sicherlich hat die unrunde Vorbereitung mit vielen Verletzten zum Fehlstart beigetragen, doch derzeit tut sich ein Loch nach dem anderen auf.

Defensive: Wie erwartet ein Riesenproblem. Neuzugang Kevin Schmidt ist mobil und seine Puck-Skills sind okay, von einem Einser-Verteidiger ist er allerdings weit entfernt. Nick Crawford steuert kaum offensive Beiträge bei, bei den beiden Defensivverteidigern Mike Caruso und Oliver Magnan werden Schwächen bei übermäßiger Eiszeit wie jetzt augenfälliger. Durch die Abgänge von Robert Lembacher, Alexander Jeitziner und Christoph Duller wurde auch die Tiefenhierarchie zerstört. Nachverpflichtung Corin Konradsheim ist zwar über die weiteren Zugänge Siutz, Kompajn und Kotinsky zu stellen, aber auch nur in einem funktionierenden Defensivverband einsetzbar. Die völlig unsinnige Rückholaktion von Drew McKenzie endete nach einem Spiel, der etatmäßige Angreifer Cody Sylvester musste schon zu Saisonbeginn nach hinten rücken. Spätestens nach der Verletzung von Olivier Magnan (bis zu sechs Wochen out) artet das Ganze in eine Flickschusterei mit vier Defendern (darunter ein gelernter Stürmer) und zwei Springern (Konradsheim, Siutz) aus. Dass sich hier kein einziger Rechtsschütze findet, ist da schon eher ein kleines Problem. Ob der Markt jetzt einen besseren McKenzie-Ersatz ausspuckt als im Sommer?

Sehenswerte Tore aus der CHL:
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Torhüter: Florian Hardy präsentiert sich jetzt so wie vor zwei Saisonen in München sowie in den letzten Playoffs - und das ist nicht annähernd gut genug. Weitschüsse schlagen sogar mittig ein und selbst gelungene Saves sehen oft abenteuerlich aus.

Angriff: Jamie Arniel und Chris D'Alvise stehen bei 5-5, im PP und PK auf dem Eis – kein Wunder, dass sie in einer schwierigen Phase wie jetzt schon leer wirken. Doch die Paradelinie war schon letzte Saison nur selten überragend, da half aber die Tiefe im Kader. Allerdings kann Neuzugang Charlie Sarault als Zweitlinien-Center kaum Offensive erzeugen, dazu sind Matt Siddall, Dustin Sylvester und James Livingston in ein tiefes Loch gefallen.

Ein Abwärtsstrudel in allen Formationen also - einige personelle Fehlentscheidungen, die Verletzungen der Preseason sowie der Rückfall einiger Cracks auf ihr gewohntes Leistungsniveau, ergeben einen gefährlichen Cocktail. Ein neuer Defender wird über kurz oder lang kommen, doch die Probleme ziehen sich durch das ganze Team.

Kurios auch, dass die Verletzung eines Österreichers den Bulldogs überhaupt erst wieder den Ligahöchststand von 13 Ausländern ermöglichte und vielleicht einem Österreicher den Job kostete. Stefan Häussle fiel letzte Saison verletzungsbedingt längere Zeit aus. Dadurch berechnete sich sein erstmaliger Punktestatus (wie Kevin Macierzynski war er letzte Saison noch ein Nullpunkter) auf 1 statt die fast immer vergebenen 1,5 Punkte. Bei einem Punktestatus von 1,5 für Häussle wäre kein 13. Ausländer drinnen gewesen (Dornbirn hält bei genau 60 Punkten) und ein Spieler wie Lembacher wäre wohl in einem anderen Licht betrachtet worden.

 

Orli Znojmo

Der Vizemeister kam bei der 2:3-Shootout-Niederlage gegen Bozen zwar zum ersten Punkt, doch die Probleme bestehen weiter. Wie in Dornbirn ging eine suboptimale Preseason nahtlos in einen schlechten EBEL-Start über, auch hier sind Fehler bei der Kaderzusammenstellung offensichtlich. Nach der guten letzten Saison konnten einige Stützen (Boruta, Podesva und Topscorer Yellow Horn) nicht gehalten werden, andere (Trivino, Sedivy, Stach) ließ man eher leichtfertig ziehen. Alle diese Cracks fielen in die Kategorie „Skill Player“, worunter von den Ersatzleuten maximal Adam Hughesman und Pavel Wronka zu zählen wären. Beide kamen aus schwächeren Ligen (Italien bzw. Bozen) und haben trotz guter Ansätze noch Anpassungsprobleme.

Die restlichen Neuzugänge sind dagegen biedere Arbeiter, selbst der aus Bozen gekommene Defender Sean McMonagle ist im Powerplay kein Heilsbringer und wurde zuletzt von Coach Jiri Reznar gebencht. Aus dem schnellen und talentierten Team mit Abwehrschwächen wurde eine Mannschaft ohne Identität, Grinder sollen heuer ein Offensivspiel aufziehen.

Dazu kommen altbekannte Schwächen, die die Offensive eben nicht mehr übertünchen kann: Die Torhüterposition ist weiter ein Riesen-Defizit, der neuverpflichtete Marek Schwarz weist mehr Löcher auf als Bonnie und Clydes letzter Fluchtwagen. Das defensive Coverage bricht weiter öfters in sich zusammen, unter Druck wird im eigenen Drittel zu oft die falsche Seite des Pucks gesucht.

Toller Save in der CHL:
(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)


Aufgrund des Mangels an offensiver Klasse bleibt heuer viel zu sehr am Top-Duo um Peter Pucher und Roman Tomas hängen und Puchers bisherige Vorstellungen – trotz seines ersten Saisontreffers – lassen befürchten, dass dies die berühmte Saison zu viel für den 42-Jährigen sein könnte.

Im Gegensatz zu Dornbirn sind in Znojmo erst einmal Abgänge zu erwarten, von den 16 bisher eingesetzten Angreifern wird der eine oder andere bald gehen. Erst danach können die Adler, die mit 59,5 Punkten an die Obergrenze stoßen, an Neuzugänge denken.

Was sonst noch auffällt

Eine Rundreise durch die Liga mit vier Spielen in vier Tagen beweist, wie unterschiedlich die Coaches ihr Personal verwenden. Ivo Jan bot gegen Innsbruck lediglich drei Grazer Angriffsformationen auf, die Paradeformation um Oliver Setzinger und Kyle Beach stand am Ende fast durchgehend auf dem Eis. Das tat ihm auch Jiri Reznar bei Znojmo gegen Bozen nach, in Fußball-Manier tauschte er aber nach zwei Dritteln zwei neue Angreifer (Vodny und Spacek für Beroun und Cip) ein.

Tom Pokel wiederum spielt fast durchgehend mit vier Angriffslinien, ein limitierter Spieler wie Daniel Frank kommt dadurch zu Eiszeit, die ihm aufgrund seines Talentlevels eher nicht zustehen würde. Kurios auch Pokels Handling von Defender Alex Gellert: Er durfte als Spezialkraft fast nur im Powerplay ran.

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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