"Valdix hat Dynamik einer Seniorenturnrunde"

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Niemand ist an der EBEL näher dran als Bernd Freimüller.

Der LAOLA1-Scout hat im Jänner den Eishockey-Cracks ganz genau auf die Hände geschaut und weiß, wer aktuell in Top-Form und wer reif für die Seniorenturnrunde ist. Seine schonungslosen Erkenntnisse aus den letzten Runden:

 

Black Wings Linz – Sapa Fehervar (5.1., 3:4 n. V.)

Ein verdienter Sieg der Ungarn, die einen sehr guten Auswärtsauftritt hinlegten und sich mehr Chancen als die Linzer herausarbeiteten. Hauptverantwortlich dafür: Andrew Sarauer, der nach einer Schulteroperation im Sommer und deren Nachwirkungen bis dahin gar nicht in die Gänge kam und die Hauptverkehrszonen mied. Nicht nur aufgrund seiner beiden Treffer (zuvor zwei in 20 Spielen) erinnerte er erstmals wieder an den Andrew Sarauer, der in den letzten Jahren zu den Top-Centern der Liga gehörte.

Die Verletzungen von ihm, Frank Banham (sollte bald zurückkehren), Istvan Bartalis und einer Reihe von weiteren Schlüsselspielern waren sicher der Hauptgrund dafür, dass Fehervar nicht in den Kampf um die Top-6 eingreifen konnte. Leuchtet auch jedem ein, nur nicht Manager Gabor Ocskay, der nach mehreren Wochen Anlauf Coach Rob Pallin nach diesem Sieg an die Luft setzte und ihn durch Ex-VSV-Coach Hannu Järvenpää ersetzte. Järvenpää ist nun der zehnte Sapa-Coach in neun EBEL-Jahren, Ocskay dürfte offenbar Hellmuth Reichel und den KAC als Vorbild vor Augen haben.

Fehervars Andrew Sarauer

Doch Fehervar hat durchaus gute Chancen, über den zweiten Bildungsweg in die Playoffs zu kommen, vorausgesetzt die Mannschaft bleibt endlich fit. Das Team ist nämlich tief besetzt, verfügt sowohl über Offensive (Sarauer, Bartalis, Kovacs, Bodo) und vollbärtige Abschreckungskraft (Martinelli, Manavian). Wenn auch noch Frank Banham, der am Wochenende als Interimstrainer agierte, noch ein bisschen was aus seinem 40-jährigen Körper herauspressen kann, könnten die Ungarn noch zum Schreckgespenst der Zwischenrunde werden.

Nicht alltäglich: Wie im Vorjahr mit Jeff LoVecchio musste auch heuer mit Brendan Connolly der Fehervar-Topscorer vorzeitig gehen. Der Kanadier machte sich mit einer Reihe von Undiszipliniertheiten nicht nur die Mitspieler, sondern auch die Schiedsrichterriege zum Feind.

Kuriosum der Punkteregel: Andrew Sarauer (vier Punkte) und Christopher Bodo (0.5) bilden nicht nur die beiden Enden der Punktewertung, sondern sind auch die einzigen (inländischen) Spieler in der Liga, die diese Extremwerte einnehmen.

Vienna Capitals – HC Innsbruck (8.1., 4:2)

Florian Iberer brachte die Innsbrucker nach einem 0:3-Startdrittel mit einem horriblen Fehler zurück ins Spiel, doch die Caps waren im Schlussdrittel wieder obenauf. Bei Innsbruck fehlt an beiden Endes des Rinks nicht so viel, gesamt aber dann doch einiges: Goalie Andy Chiodo rutscht neben guten Paraden doch der eine oder andere Puck durch, in der Defensive fehlt es in Druckphasen an der Zuteilung, selbst der sonst so aktive Nick Schaus fährt dann den Gegenspielern oft blind hinterher.

In der Offensive fehlt es an Muskelkraft und Scoring Punch, ein Spieler wie der im Sommer gegangene Matt Siddall würde dieses Anforderungsprofil eigentlich perfekt erfüllen. Ganz entsetzlich und mit der Dynamik eines Mitglieds einer Seniorenturnrunde agierend: Andreas Valdix.

"Ganz entsetzlich und mit der Dynamik eines Mitglieds einer Seniorenturnrunde agierend: Andreas Valdix."

Bernd Freimüller

Unter Coach Pierre Beaulieu wurde es nach der Ablöse von Christer Olsson (kehrt am Mittwoch nach Schweden zurück) um nichts besser, ein weiterer Trainerwechsel ist aber für heuer nicht vorgesehen. Vordringlichste Fragen für die Planungen zur nächsten Saison: Welcher einheimische Crack hat in den vier Jahren seit dem Aufstieg irgendeinen Leistungsanstieg hingelegt? Und ist der „Tiroler Weg“ nicht ein ausgetretener Pfad ins Nirgendwo?

Spieler wie Daniel Mitterdorfer oder Philipp Lindner würden zwar wieder Lokalkolorit mitbringen, doch ein Quotensprung wäre auch mit ihnen nicht zu erwarten. Klar ist: Wenn die Haie keinen externen Sportdirektor einstellen, muss der neue Coach einen guten Überblick über den internationalen Spielermarkt mitbringen. Die Mittel reichen zwar nicht für Spitzenlegionäre, doch mehr Geld als in Graz ist allemal vorhanden und die heurige Performance entspricht nicht den Möglichkeiten. Schon seit langem auffallend: In Schlüsselspielen um bessere Tabellenpositionen – wie etwa die beiden Heimspiele gegen Graz – ruft das Team nie seine Leistung ab.

In Hochform: Raffi Rotter

Bei den Caps derzeit in Hochform: Raffi Rotter, der an allen Treffern in diesem Spiel beteiligt war. Anstatt das Spiel zu verlangsamen, beschleunigt er es und bringt auch neue Facetten ein: Ein Treffer wie der erste, als er sich vor das Tor powerte, wäre noch vor Wochen, als er ein reiner Perimeter-Spieler war, undenkbar gewesen. Rotter befindet sich derzeit in seiner besten Form seit seinem Kreuzbandriss, muss aber aufpassen, nicht wieder zu einem Pass-only-Spieler zu werden. Sein defensives Coverage wäre dann der nächste Tagesordnungspunkt auf der Agenda.

Irgendwie hatte das Spiel Retro-Charakter: Jim Boni setzte über 60 Minuten nur drei Blöcke ein, Beaulieu tat es ihm nach dem ersten Drittel gleich. Wäre das auch die Zukunft der Liga bei einer möglichen Ausländerreduzierung? Der geplante „Österreicher-Topf“ soll solche Szenarien verhindern…

Orli Znojmo – VSV (10.1., 3:2)

 

Ein von der ersten bis zur letzten Minute hochdramatisches Spiel, in dem ein Kollektivfehler der Villacher knapp vor Schluss die Entscheidung brachte. Znojmo damit wie erwartet in den Playoffs, es würde nicht überraschen, wenn schon am Sonntag beim Rückspiel in Villach einige Schlüsselspieler (Peter Pucher!) eine Pause erhalten.

Wie machte sich Andre Lakos in seinem zweiten Spiel in dieser Saison? Erstaunlich gut, er tat das, was man in seiner Situation tun sollte: Er hielt das Spiel einfach, machte nur die Plays, die aufgehen konnten. Bis auf eine sehr schlecht gelesene 2-2-Situation agierte er fehlerlos und war vor allem bei den ersten beiden Treffern ein wichtiger Faktor. Solange er so weiterspielt und nicht wieder seinen inneren Bobby Orr hervorruft, kann er für die Tschechen ein wichtiger Faktor sein.

Hat viel richtig gemacht: Andre Lakos

Für mich war es das zweite Spiel in der Ära Greg Holst, das erste damals auch in Znaim war aufgrund vieler Verletzungen relativ wertlos. Das Team agiert unter ihm weit zielstrebiger und aggressiver als zuvor, auch bedingt durch ein breiteres Personalkostüm In diesem Spiel verwendete Holst sechs Defender und elf Forwards, einzig David Kreuter blieb ohne Eiszeit. Adis Alagic kam als nominell zehnter Stürmer sogar in der Schlussminute zum Einsatz, hätte in einem Ausbruch aus seiner sonstigen Lethargie fast noch eine Keilerei nach der Schlusssirene inszeniert.

Was in entscheidenden Phasen fehlte, war Kaltblütigkeit (und wohl auch etwas Klasse) im Abschluss. Defensiv gilt weiterhin: Ein Team, das JP Lamoureux im Kasten hat, sollte in jedem Spiel konkurrenzfähig sein.

Holst, bei dem vor Jahren die Grenze zwischen Energie und Hektik auf der Bank oft ineinander verschwamm, agiert jetzt soigniert und im Stile eines „Elder Statesman“, große Gefühlsausbrüche waren von ihm nicht zu sehen.

Rick Schofield ist für den VSV nicht nur ein guter Aushilfsverteidiger, sondern auch absolut ein guter Defender: Stabil auf den Beinen, gutes Stellungsspiel, offensiv findet er Löcher und verfügt über einen nicht harten, aber genauen Schuss. Zumindest ein weiteres Team in der Liga ist an ihm interessiert, da stellt sich bald die Frage: Ob als Center oder Verteidiger?

Agiert mit mehr Ruhe: Greg Holst

Der interessanteste Aspekt des Spiels: Heimkehrer Christof Kromp an der Seite von Eric Hunter und Marc Santorelli. Ihn erwischte es ja leider in der Vorbereitung bei Windsor (OHL) ziemlich schwer – Seitenbandeinriss, Knorpelverletzung und ein Ödem. Die Verletzung hielt ihn auch in Muskegon (USHL) vom Spielen ab, eine Entzündung verhinderte ein vorzeitiges Comeback bei der Junioren-WM.

Jetzt muss Spielpraxis her und er schlägt sich (nicht unerwartet) sehr gut. Kromp tut einmal das, was von einem jungen Spieler zu erwarten ist, bringt die Scheibe unter Druck aus dem Drittel und behauptet sich so gut es geht im Zweikampf. Sein Potential sieht man aber in der offensiven Zone, wo er Spielzüge am Leben erhalten kann und das Spiel sehr gut und schnell liest. Er ist zwar nicht der größte Spieler, hat aber physisch mit dem Erwachsenenhockey keine großen Probleme. Seine Beinarbeit sollte mit zunehmender Spielpraxis noch besser werden.

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Bernd Freimüller

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Als 97er kann er heuer leider für kein Nationalteam mehr antreten, interessant wird seine Entscheidung im Sommer: Windsor, ein anderes OHL-Team via Trade, Schweden oder die EBEL? Die USHL (Muskegon oder ein anderes Team) gilt eigentlich als College-Zubringer, eine Route, die er aufgrund seiner Einsätze in Villach ohnehin nicht mehr gehen kann.

Mit Benjamin Lanzinger ist auch ein weiterer Sohn einer VSV-Legende ein Name, den man sich für die Zukunft merken sollte. Geburtsjahrgang 2000, ein Flügel mit sehr guten Abschlussqualitäten. Derzeit geht es ihm aber leider aufgrund von Gesundheitsproblemen nicht gut: Immer wieder aufkommende Schwindelgefühle, für die die Ärzte bis jetzt noch keinen definitiven Grund fanden. Seine letzten Spiele absolvierte er im Oktober. Hoffentlich kommt er bald wieder auf die Beine…

 

Bernd Freimüller

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