Österreichs CHL-Gegner im Check

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Die österreichischen Vertreter an der Champions Hockey League kennen seit der Auslosung am Mittwoch ihre Gegner in der Gruppen-Phase.

Mit wem es die Vienna Capitals, Red Bull Salzburg und der KAC zu tun bekommen, weiß kaum jemand so genau wie LAOLA1-Scout Bernd Freimüller.

Im folgenden Check teilt er sein Wissen:

Gruppe A (Red Bull Salzburg):

 Banska Bystrica

Der regierende slowakische Meister hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt, was vor allem mit dem Zuzug von unzähligen (Übersee)-Legionären zusammenhängt. Zahlreiche EBEL-Manager, Scouts und Coaches fanden sich auch während der Saison in der kleinen Halle (3200) ein, um Verstärkungen zu finden. Defender Jonathan Carlsson und Center Brock Higgs heuerten in Graz, Flügel Jordan Hickmott in Villach an. Defender-Star Matthew Maione dagegen lehnte wie im Vorjahr EBEL-Angebote ab und heuerte stattdessen in Finnland bei Kalpa Kuopio an.

Als inoffizielles Farmteam von Slovan Bratislava verfügte Coach Vladi Orszagh über einen tiefen und mit beachtlichen Körpermaßen (z. B. Teamspieler Tomas Matousek) ausgestatteten Kader, zu dem Ex-NHLer Michal Handzus immer während der Saison zombiemäßig aus dem Ruhestand zurückkehrte. Ich erwarte ihn aber im CHL-Team ebenso wenig wie Ex-Cap-Goalie Nathan Lawson, dessen körperliche Verfassung nicht mehr als eine Backup-Rolle zuließ. Trotz 35 Jahren ist Center Tomas Surovy immer noch der offensive Go-to-guy.

Vom Scouting-Standpunkt gehört das Team zu den reizvollsten CHL-Teams, touristisch lädt der riesige Hauptplatz mit zahlreichen Open-Air-Restaurants ein…

 Grizzlys Wolfsburg

„Wir spielen nicht Eishockey, wir arbeiten Eishockey“, so der Leitspruch des langgedienten Wolfsburg-Coaches Pavel Gross – seine Grizzlys gehören schon seit Jahren zu den am schwersten zu bespielenden DEL-Teams. Durch die Unterstützung von VW gehört man nicht zu den Armenhäuslern der Liga, mit den zwei Finalteilnahmen der letzten beiden Jahre (nach drei Semifinaleinzügen zuvor) ließ man aber sicher besser betuchte Teams hinter sich.

Das Team für die nächste Saison steht fast schon, lediglich ein körperlich starker Center steht noch auf der Wunschliste von Manager Charly Fliegauf. Die Wolfsburger werden zum DEL-Start mit zehn Legionären antreten (einem über dem Limit), dazu gehört auch Ex-Cap Kris Foucault, der in den letzten beiden Saisonen aber oft mit Verletzungen flachlag. Brent Aubin trifft mit Salzburg auf sein altes Team, Defender Jeremy Dehner hingegen wurde vor drei Jahren konzernintern kurzerhand nach München umdirigiert. Stark auch die beiden Center Tyler Haskins und Mark Voakes sowie die deutschen Teamspieler Felix Brückmann und Gerrit Fauser. Im Kern spielen die Wolfsburger schon seit längerem zusammen, eine lange Eingewöhnungsphase auf die CHL wird daher nicht notwendig sein…

 Tappara Tampere

DAS Powerhouse im finnischen Eishockey – fünf Finaleinzüge en suite, davon zwei Meistertitel in den letzten beiden Jahren. Erfolgscoach Jussi Tapola zog sich jetzt auf den Posten des Sportdirektors zurück, mit Jukka Rautokorpi steht ein Routinier hinter der Bande, der allerdings während der letzten U20-WM als Auswahlcoach entlassen wurde!

Mit Center Jani Lajunen verabschiedete sich ein Schlüsselspieler bereits nach Lugano, dafür konnte der wieselflinke Kristian Kuusela aus Khabarovsk zurückgeholt werden. Eigenprodukt Henrik Haakola entwickelte sich in der letzten Saison zum Teamtopscorer, der den Winnipeg-Superrookie Patrik Laine gut ersetzte. Ebenfalls noch für die nächste Saison gebunden: Der im Powerplay so wertvolle Defender Otso Rantakari.

Ich erwarte noch den Zuzug des einen oder anderen Legionärs, doch auch so gilt Tappara – das sich die altehrwürdige Hakametsä-Halle mit Lokalrivalen Ilves teilt – als Favorit in der sehr starken Gruppe A

Gruppe C (Vienna Capitals)

 Neman Grodno

Drei Meistertitel in den letzten fünf Jahren – Neman Grodno ist das Maß der Dinge der zwölf Teams umfassenden weißrussischen Liga. Wie diese einzuschätzen ist – ich weiß es nicht, doch Team Belarus machte bei der WM nicht gerade Werbung für das heimische Hockey. Zum WM-Kader gehörten nur Dreiergoalie Vitali Trus und Stürmer Mikhail Stefanovich, der als Maple-Leafs-Draftpick aber nie Spuren in Toronto hinterließ und auch in einem zweiten Übersee-Versuch vor zwei Jahren nie über die ECHL hinauskam.

Grodno kann zwar mit einigen Spielern von KHL-Kooperationspartner Dynamo Minsk rechnen, doch weder diese noch einige russische Legionäre weisen große Namen auf. Ob der finnische Topscorer Janne Laakkonen Neman erhalten bleibt, ist auch noch fraglich.

Grodno – unweit der polnischen und litauischen Grenze gelegen – ist ein logistischer Alptraum für die Capitals, sportlich sollten die Weißrussen aber zu biegen sein.

 JYP Jyväskylä

JypHT – vor Jahren schon in der European Trophy zweimal in Wien zu Gast – war zuletzt Stammgast in den Liiga-Spielen um die goldene Ananas: Dort wird noch der dritte Platz extra ausgespielt. In der Studentenstadt entwickelte sich JYP zu einer Vorzeigeorganisation, das Akademieteam spielt schon seit Jahren in der zweiten Spielklasse Mestis mit. Aus diesem entsprang etwa der mobile Defender Sami Niku, der gerade erst bei den Winnipeg Jets unterschrieb. Sein Gegenstück  Nolan Yonkman - ein baumlanger Stay-at-home-Defender - bleibt dem Team dagegen auch in der nächsten Saison erhalten.

Ebenfalls weiter dabei: Die beiden Topscorer Antti Suomela und Kapitän Juha-Pekka Hytönen, zu denen auch Rückkehrer Jarkko Immonen vom Gruppengegner aus Zug stoßen wird.

Ein starkes Team, auch wenn man sich fragen muss, wie der beim KAC so flatterhafte Pekka Tuokkola als Einsergoalie funktionieren konnte.

 EV Zug

Mit der Bossard-Arena dürfen sich die Caps auf eine der schönsten Arenen der Schweiz freuen. Sportlich stellt Zug – wie alle NLA-Teams – natürlich eine harte Nuss da. Die Truppe von Harold Kreis scheiterte erst im Finale am SC Bern und verfügt über einige Stars: Goalie Tobias Stephan gehört zu den besten Goalies der Liga, NHL-Rückkehrer Raphael Diaz ist ein toller Powerplay-Quarterback. Sein Verteidigerkollege Timo Helbling ist dagegen eher für Provokationen und Faustkämpfe zuständig. An vorderster Front ist der zwergenhafte Flügel Lino Martschini ein nur schwer zu haltender Punktegarant.

Von den Legionären kehren Powerflügel John Klingberg, Verteidiger Santeri Alatalo und der in den Playoffs sehr starke David McIntyre zurück. Ebenso noch dabei: Der mittlerweile 39-jährige Center Josh Holden, der genauso für Traumtore wie auch für strunzdumme Strafen gut ist. Mit dem Ex-Salzburger Garrett Roe holte man aus der SHL noch einen starken Center, mit fünf Legionären hat man aber für die NLA – im Gegensatz zur CHL – einen zu viel an Bord.

Gruppe H (KAC)

 Rapaces de Gap

Immer wieder schön, wenn sich Teams aus kaum gescouteten Ligen in Österreich vorstellen: Gap gewann in den letzten drei Jahren zweimal die Ligue Magnus. Im französischen WM finden sich mit den beiden Stürmern Maurin Bouvet und Anthony Rech zwei Cracks wieder. Zu den aus der EBEL bekannten Namen gehörten in der letzten Saison auch Ex-VSVler Sean Ringrose sowie Ex-Znojmo-Crack Branislav Rehus, der aber nächste Saison in Mühlhausen spielen wird. Ebenfalls nicht mehr dabei: Der kanadische Kapitän Marc-Andre Bernier (Bruder von Anaheim-Goalie Jonathan), der seine Karriere beendete.

Ich erwarte noch einige größtenteils unbekannte Übersee-Legionäre aus der CIS oder ECHL als Neuzugänge, Gap gilt natürlich als der große Außenseiter in der Gruppe…

 Frölunda HC

Mit Frölunda stellt sich eine von Europas Vorzeigeorganisationen in Klagenfurt vor: Die Arbeit ihres Hockeygymnasiums lockt seit jeher Spieler aus ganz Schweden an und produzierte NHL-Stars wie Henrik Lundqvist, Erik Karlsson, Loui Eriksson und Alexander Steen.

SHL-Meistertitel hingegen waren nicht die logische Konsequenz, einzig vor zwei Jahren gelang der große Coup. Nach dem Ausscheiden im Semifinale in der Vorsaison gab es bisher ein ziemlich großes Kommen und Gehen: Offensivdefender Henrik Tommernäs tendiert in die Schweiz, der CHL-Siegestorschütze Nicklas Lasu ging nach Oulu. Mit Carl Grundström (Toronto) und Christoffer Ehn (Detroit) folgten auch die jährlichen NHL-Signings, beide könnten aber noch eine Saison in Göteborg bleiben.

Neu dagegen: Heimkehrer Ryan Lasch, einer der gefährlichsten Powerplay-Produzenten in Europa. Flügel Max Friberg konnte sich weder in Anaheim noch bei Montreal einen NHL-Stammplatz erobern. Der kleine Adam Almqvist soll als Puckmover an der blauen Linie Tommernäs ersetzen.

Dazu bleiben noch attraktive Cracks wie Defender Matt Donovan, Ex-Slovan-Crack Jonathan Sigalet, der flotte finnische Flügel Sean Bergenheim sowie Joel Lundqvist, gerade Kapitän des schwedischen WM-Teams.

Am interessantesten aber: Der 16-jährige Defender Rasmus Dahlin, der große Chancen hat, im Draft 2018 als Nr. 1 gezogen zu werden. Alleine für ihn zahlt sich das Kommen aus, egal ob in der Messehalle oder in Frölundaborg, das meistens als CHL-Heimstätte statt des zentral gelegenen Scandinaviums herhält…

 ZSC Lions

Wie Frölunda gelten auch die ZSC Lions als eine Organisation mit vorzüglicher Nachwuchsarbeit, die aber bei den Senioren nicht ganz den Erwartungen statthalten kann. Zwei Viertelfinalniederlagen en suite, sicher nicht das, was man sich im Hallenstadion vorstellt. Klar, dass das im letzten Sommer aus Skelleftea gekommene Trainerduo Hans Wallson und Lars Johansson in der kommenden Saison liefern muss.

Der Schweizer Kern des Teams bleibt zusammen, einzig Defender Jonas Siegenthaler sollte endgültig in die Washington-Organisation übersiedeln. Im Tor hat zuletzt Niklas Schlegel Lukas Flueler überflügelt und es sogar in den WM-Kader geschafft. Dort finden sich auch Cracks wie Reto Schäppi, Pius Sutter oder Fabrice Herzog, der gerade Kanada im Alleingang gekillt hat, wieder. Dazu kommen noch Spitzencracks wie Defender Severin Blindenbacher, Robert Nilsson (belegt als Eishockey-Schweizer keine Ausländerlizenz) oder Roman Wick.

Auf den Ausländerpositionen steht dagegen ein größerer Turnover an – Ryan Shannon trat zurück, der erratische Defender David Rundblad ging nach St. Petersburg und auch Goalgetter Patrick Thoresen erhielt keinen neuen Vertrag. Ich gehe davon aus, dass die neuen Legionäre eher nicht aus der ECHL kommen werden...

Wie in Göteborg könnte der KAC bei seinem Auswärtsspiel auch wieder in einer Ausweichhalle landen, die Lions spielen ihre CHL-Spiele meist in Küsnacht statt im Hallenstadion.


Textquelle: © LAOLA1.at

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