Fashion-Gate in der ARD und das Braten-Geheimnis

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Der erste Biathlon-Weltcup des Jahres 2016 - und zugleich das erste von zwei Wochenenden in Ruhpolding - ist Geschichte.

Nicht nur aus ÖSV-Sicht hätte das Jahr kaum besser beginnnen können (HIER gehts zum Sieger-Interview mit Simon Eder), auch die Norweger legten einen eindrucksvollen Start hin - und das zunächst ohne Altmeister Ole Einar Björndalen.

Wir aus der Biathlon-Redaktion haben zudem das leise Gefühl, einige Athletinnen und Athleten durch unsere Top- und Flop-Bewertungen zu motivieren.

Kamen etwa Johannes Boe, Tiril Eckhoff und die tschechischen Herren bei uns zuletzt nicht sehr gut weg, wussten sie an diesem Wochenende zu überzeugen. Ob sie es diesmal in die Top-3 geschafft haben? Das erfahrt ihr wie immer in der Schießbude:

 

Auch wenn ich dank Simon Eder ein paar graue Haare bekommen habe, weil er es im Verfolger so spannend gemacht hat, kann nur er meine Nummer eins in dieser Woche sein. Vor Saisonbeginn verriet er mir, unbedingt wieder ganz oben stehen zu wollen. Dieses Gefühl kostete er in Ruhpolding, dem Biathlon-Mekka schlechthin, in vollen Zügen aus. Für das ganze Team war es wichtig, endlich den so heiß ersehnten Stockerlplatz eingefahren zu haben, der ganzen Mannschaft gibt ein solcher Erfolg Auftrieb. Insofern hätte ich nichts dagegen, wenn noch ein paar graue Haare hinzukämen.

 Ganz, ganz bitter verliefen die letzten Tage und Wochen für die Veranstalter in Oberhof. Frau Holle und/oder der Wettergott hatten kein Einsehen, der Weltcup musste aus Schneemangel abgesagt werden. Dass der Thüringer Weltcuport ausgerechnet mit Beginn der Bewerbe im Ersatzort plötzlich in Weiß erstrahlte, ist doppelt bitter. Das wichtigste Wintersport-Event der Region bringt dieser rund 20 Millionen Euro pro Jahr ein. Geld, das nun fehlt.

 

Wir bleiben in Saalfelden, neben Hochfilzen "Home of Austrian Biathlon". Es hat richtig Spaß gemacht, Sven Grossegger im Sprint zu beobachten. Er hatte es in den letzten Jahren nicht immer einfach, doch der Wunsch, es irgendwann an die Spitze zu schaffen, hat ihn stets angetrieben. "Endlich ist mir die Doppel-Null gelungen", freute er sich im Gespräch mit LAOLA1. "Die Richtung stimmt bei uns. Und ich hatte wieder super Ski", lobte er das Service-Team. Mit Rang fünf schaffte er es erstmals zur Flower Ceremony, bei mir geht's noch ein paar Schritte höher - Platz zwei für den 28-Jährigen, der längst eine feste Größe im ÖSV-Team darstellt.

 "Bei mir kommt keine richtige Vorfreude auf", erklärte Weltmeister Erik Lesser vor dem ersten Abstecher nach Bayern. Und: "Die WM-Norm ist mir sowas von egal." Kein Wunder, ist der 27-Jährige doch völlig außer Form. Während der Massenstart am Sonntag vonstatten ging, begab er sich auf den Weg nach Oberhof, um dort einen vereinbarten Termin wahrzunehmen. Zeit genug hatte er ja, die Quali für den Bewerb verpasste er deutlich. Für den Deutschen bleibt nur zu hoffen, dass er nicht auch während der WM Zeit für andere Verpflichtungen hat.

 

Exoten sind die Slowaken zwar nicht unbedingt, als Biathlon-Großmacht waren unsere Nachbarn bislang aber auch nicht verschrien. Umso schöner, dass sie sich Schritt für Schritt nach oben arbeiten. Jana Gerekova (31) ist längst eine Größe im Damen-Zirkus, neuerdings sorgt auch Paulina Fialkova (23) für Aufsehen. Die Goldmedaillen-Gewinnerin der Universiade 2015 stürmte im Verfolger auf Platz sechs und damit zum besten Ergebnis ihrer Karriere. Und dann gibt's da ja auch noch ihre Schwester Ivona (21), die sich im IBU-Cup einen Namen macht und als nächste die Weltelite aufmischen will.

  Maren Hammerschmidt, bislang eine der ganz großen Überraschungen der Saison, erlitt einen herben Rückschlag. Ausgerechnet vor Heimpublikum lief herzlich wenig zusammen. In Sprint und Verfolgung blieb sie ohne Punkte, im Massenstart blieb ihr nur der 30. und letzte Platz. Die 25-Jährige nahm es mit Humor: "Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weiter geht's!"

Ja, ich habe Laura Dahlmeier bereits in der letzten Schießbude in meinen Top 3 gehabt, doch die 22-Jährige konnte in dieser Woche noch einmal eins draufsetzen. Verpasste sie im Sprint das Podium beim Sieg ihrer Teamkollegin Franziska Hildebrand noch hauchdünn um 0,5 Sekunden, schlug die Deutsche in Verfolgung und Massenstart zu. War es in der Verfolgung noch einer knapper Sieg, trumpfte sie im Massenstart auf und lieferte mit 20 Treffern ein perfektes Rennen ab. Kaum zu glauben, dass es sich dabei erst um ihre (Einzel-)Weltcup-Siege fünf und sechs handelte! 96 Prozent aller Schüsse gingen ins Schwarze, dazu war sie auch in der Loipe im Durchschnitt die Schnellste. "Es war das beste Wochenende der Saison und das in Ruhpolding", freute sich die nervenstarke Bayerin, die vor der WM noch nicht an den Gesamt-Weltcup denken will. Allerdings liegt sie ebendort bereits auf Rang vier und das, obwohl sie zum Weltcup-Auftakt noch krankheitsbedingt fehlte.

 

Leer ausgegangene Lokalmatadoren: So gut es für die DSV-Damen bisher lief, so durchwachsen verläuft die Saison für die deutsche Herrren. Ohne den erkrankten Simon Schempp enttäuschten sie beim Heim-Weltcup und konnten keinen einzigen Podest-Platz einfahren. Arnd Peiffer gelang es immerhin noch, im Massenstart auf Rang fünf zu laufen. Neben Rang neun von Andreas Birnbacher im Sprint nur eine von zwei Top-Ten-Platzierungen. In der Verfolgung kam mit "Birnei" der beste DSV-Biathlet gar nur auf Rang 15.

Ein perfektes Rennen...mir fehlen die Worte...Vielen Dank an alle die diesen Erfolg möglich machen!!!P.S. Heute Abend live beim #BlickpunktSport

Posted by Laura Dahlmeier on Sonntag, 10. Januar 2016

Alles neu macht 2016: In Pokljuka fiel die halbe ÖSV-Mannschaft noch krankheitsbedingt aus und auch Simon Eder gab vor dem ersten Antreten bei seinem "zweiten Heim-Weltcup" zu Protokoll, er sei noch nicht ganz auf der Höhe. Dem Sprint-Sechsten gelang es dennoch als erstem Österreicher, in Ruhpolding zu triumphieren. "Das war nicht eingeplant", hatte der 32-Jährige selbst nicht mit seinem dritten Weltcup-Sieg gerechnet, da er sich erst bei "98-Prozent" seiner Leistungsfähigkeit wähnt, wie er im LAOLA1-Interview zugab.

 

In Hochfilzen dachte ich noch, es geht aufwärts für Anton Shipulin. Als 28. war er im Ruhpolding-Sprint zwar noch der beste Russe, doch dieser Umstand macht das Resultat auch nicht besser, im Gegenteil. In der Verfolgung konnte sich der 28-Jährige zudem nur um vier Ränge verbessern. Im Massenstart reichte es dann immerhin zu Rang 15, doch vier Schießfehler waren einfach zu viel für den 7-fachen Weltcup-Sieger. Dem Gesamtzweiten der Vorsaison gelingt es bisher einfach nicht, sich dauerhaft in der Spitze festzusetzen.

 

In unserer letzten Schießbude berichteten wir noch von der Krise des "Rockstars" Johannes Thingnes Boe. Bruder Tarjei Boe sollte mit seiner Ankündigung "Er wird schneller zurückkommen, als alle glauben" Recht behalten: Im Sprint gab es einen eindrucksvollen Dreifachsieg der Norweger (dem ersten seit der WM 2009, damals gab es sogar einen Fünffach-Sieg, angeführt von Ole Einar Björndalen): Johannes siegte vor Tarjei und Emil Hegle Svendsen. Da lag die Familie Boe zu Weihnachten wohl nicht auf der faulen Haut...

 

Quentin Fillon Maillet startete eindrucksvoll in die Saison, holte gleich zum Auftakt in Östersund den zweiten Podestplatz seiner Karriere und lief seither beständig in die Weltspitze, belegte zwischendrin gar den dritten Rang des Gesamt-Weltcups. Nun scheint dem Franzosen ein wenig die Luft auszugehen, in Ruhpolding musste er sich mit den Rängen 32, 19 und acht zufrieden geben. Mit Ausnahme des Massenstarts schaffte es der 23-Jährige damit nicht in die Top Ten.

Gabriela Soukolova machte ihrem Ruf, etwas schusselig zu sein, einmal mehr alle Ehre, als sie im Sprint am Schießstand ihren Stock liegen ließ und somit den Sieg leichtfertig vergab. Im Ziel hatte sie lächerliche 0,3 Sekunden Rücktand auf Siegerin Hildebrand.

 Tarjei Boe trauerte dem verpassten Sprint-Sieg nicht lange nach, sondern freute sich mit Brüderchen Johannes Thingnes. Er wusste schließlich sofort, woran es lag. "Er durfte über Weihnachten den leckeren Braten unserer Mutter essen", scherzte der Gesamtweltcupsieger von 2011. Während der "kleine" Boe "Hotel Mama" genoss, legte der große einen Trainingsblock fernab der Heimat ein und musste sich selbst versorgen.

 Nein, Simon Eder feierte seinen Sieg nicht zu ausgelassen, weil es am Sonntag nicht mehr nach Wunsch lief. Er hatte viel mehr Pech. Beim ersten Schießen musste er unfreiwillig nachladen, weil sich ein Schuss rausrepetierte. Beim zweiten lag er bereits auf der Matte, als der Kollege nebenan sich eine Matte weiter nach rechts robbte. Der Salzburger ging auf Nummer sicher, stoppte seinen Ablauf und wählte ebenfalls kurzerhand einen Platz weiter rechts. Dabei verlor er rund zehn Sekunden. Hintergrund: Sportler werden von einem Einweiser einem Stand zugeordnet, jenem in Ruhpolding dürfte ein Rechenfehler unterlaufen sein. Da Eder und sein Nebenmann keine Strafe riskieren wollten, wechselten sie. Der ÖSV dachte kurz an einen Protest, nahm davon aber wieder Abstand.

Diese Hose erhitzt die Gemüter

 "Wer berät eigentlich Kati Wilhelm bei der ARD?", fragte die "Welt" und kritisierte das äußere Erscheinungsbild der TV-Expertin. "Irgendeiner in der Maske, der Regie oder hinter der Kamera hätte ihr sagen müssen, dass sie so keine vorteilhafte Erscheinung abgibt", hieß es weiter. Vor allem ihre Hose rückte in den Mittelpunkt der Kritik und sorgte auch bei Moderator Michael Antwerpes für Erstaunen. "Die gehört zu der Jacke, das ist einfach super, heute am Sonntag hat Kati noch mal alles aus dem Kleiderschrank geholt", erklärte er in der Live-Übertragung. Macht euch selbst ein Bild:

 Der erste Saisonsieg, insgesamt vier Top-10-Plätze - Österreichs Biathlon-Herren starteten exzellent ins neue Jahr. Die Staffel kommendes Wochenende in Ruhpolding kann daher kommen. "Wir sind vier gute Leute und sollten eine starke Staffel haben", freut sich Sven Grossegger darauf. An ihm, Simon Eder, Dominik Landertinger und Julian Eberhard gibt es aktuell kein Vorbeikommen.

 Höchst erfreulich verlief auch der IBU-Cup in Nove Mesto na Morave. Im WM-Ort von 2013 sorgten Fritz Pinter, Felix Leitner, Tobias Eberhard und Daniel Mesotitsch für insgesamt vier Top-10-Plätze. Vor allem jener von Junioren-Weltmeister Leitner ist ein Versprechen für die Zukunft.

 Für die Damen lief es dagegen - Ausnahme Lisa Hauser - neuerlich ernüchternd. Nur die Tirolerin schaffte die Quali für den Verfolger, sodass der ÖSV die Reißleine zog. Neben Hauser wird mit Susanne Hoffmann nur ein zweiter Startplatz im Einzel am Donnerstag besetzt. Für den Rest der Truppe gilt es, beim IBU-Cup in Ridnaun Selbstvertrauen zu tanken. Hauser resümierte indes positiv: "Es war wieder ein super Wochenende für mich." Am Sonntag kam sogar ein Bus mit 40 Leuten aus ihrer Heimatgemeinde Reith. "Es ist echt cool, so viel Unterstützung zu spüren."

 

#2 Mal gelang den Boe-Brüdern bereits der gemeinsame Sprung aufs Treppchen: Vor dem Sprint in Ruhpolding (Johannes 1, Tarjei 2) war dies ebenfalls im Sprint bei der WM in Kontiolahti in der letzten Saison der Fall, als Johannes gewann und Tarjei Dritter wurde.

#6 Rang sechs bedeutete für Susan Dunklee einen neuen persönlichen Rekord für einen Weltcup-Massenstart. Die US-Amerikanerin macht beste Werbung für ihren Heimweltcup in Presque Isle im Februar.

#18,5 Sekunden benötigte Simon Eder im Sprint durchschnittlich am Schießstand und wurde damit nicht nur seinem Ruf als Schnellschütze mehr als gerecht, sondern stellte damit einen neuen Rekord auf!

 

Der Japanerin Fuyuko Tachizaki gelang im Massenstart erstmals der Sprung in die Top-10, sie wurde Zehnte.

 Ruhpolding erwies sich für so manches Sorgenkind als gutes Pflaster. Michal Slesingr, sein tschechischer Teamkollege Ondrej Moravec und die Norwegerin Tiril Eckhoff blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. In Bayern gelang allen dreien erstmals in diesem Winter der Sprung aufs Stockerl.

 Martin Fourcade plagten vor den Wettkämpfen nahe der österreichischen Grenze starke Magenprobleme. Er erwägte einen Startverzicht im Sprint, hörte dann aber von der Absage von Simon Schempp (bis dahin Weltcup-2.) und Ole Einar Björndalen (3.). "Daher wollte ich ein paar Punkte rausholen", verriet er. Es hat sich ausgezahlt, mittlerweile liegt er 119 Punkte vor seinem neuen schärfsten Verfolger, Emil Hegle Svendsen. Zugleich wusste er: "Ich weiß, dass es nicht gut für meinen Körper war."

 Fragt man die Fans nach ihrem Lieblings-Biathleten, so gehen die Meinungen weit auseinander. Doch wie verhält es sich mit den Stars selbst? Die IBU hat sie gefragt und bekam zum Teil überraschende Antworten. Zwei absolute Superstars lieferten sich im Kampf um den "Titel" ein heißes Duell, das letztendlich unentschieden endete:

"Es war ganz schön hart, auf der letzten Runde war es ein brutaler Fight. Ich hätte mir gewünscht, dass ich auf der Couch sitze und mir das im Fernsehen hätte anschauen können." - Zum Glück tat sie es nicht, sonst hätte Laura Dahlmeier die Verfolgung nicht gewonnen.

 

Christoph Nister / Henriette Werner

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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