Segler geschockt: "Nur schauen, dass man überlebt"

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Die 470er-Segler bleiben am Montag ohne Wettfahrten. Erst herrschte Flaute, dann brach eine Sturmfront über die Olympiasegler vor Rio de Janeiro herein.

Die Segler zeigen sich danach erleichtert, wieder heil am Ufer zu sein. "Die Organisation hat einen Riesenfehler gemacht, weil jeder einzelne Wetterbericht das vorhergesagt hat", kritisiert Lara Vadlau. "Die können echt froh sein, wenn alle Segler heil herinnen sind, das war nicht lustig da draußen."

"Keine Chance, dass du noch segeln kannst. Nur noch schauen, dass man überlebt. Furchtbar da draußen", schildert Matthias Schmid.

"Es war fliegendes Wasser"

"Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Wind gesehen, es war fliegendes Wasser", ergänzt Vadlau. "Wir können froh sein, dass wir jetzt da stehen und dass das Boot heil herinnen ist."

Man müsse noch alles checken. "Das sind Naturgewalten, das kann kein Material standhalten." Als sie die Segel runternehmen wollten, seien sie in dem starken Wind gekentert.

"Der Mast, alles war ohne Spannung, es kann sein, dass alles verbogen ist und nicht mehr so gut läuft. Pech gehabt, so lange er nicht abreißt, dürfen wir nichts austauschen."

In Rio müsse man auf alles vorbereitet sein, aber dass die Woche so wild wird, habe sich keiner gedacht. "Wir müssen damit leben und wir müssen damit umgehen", weiß die Kärntnerin.

Neues Programm für Dienstag

Vadlau/Ogar liegen drei Wettfahrten sowie das Medal Race vor Schluss auf Rang drei, Schmid/Reichstädter sind bei der gleichen Anzahl an Rennen im Zwischenklassement Fünfte.

Die Wettfahrten wurden nun für Dienstag neu angesetzt, ebenso wie die Medaillenentscheidungen im Laser (Herren) und Laser Radial (Damen), die am Montag abgesagt wurden.

Anschließend werden laut Programm die Entscheidungen in Finn und Nacra 17 gefahren, im Mehrrumpfboot haben die Österreicher Thomas Zajac/Tanja Frank eine Medaillenchance.

"Das ist komplett abartig"

Schmid erzählt, wie man auf die Sturmböen reagiert hatte: "Segel runterreißen und schauen, dass man nicht umfällt und dass man irgendwie nach Hause kommt. Das ist komplett abartig. Ich segle schon lange, aber ich bin froh an so einem Tag, dass ich überlebt habe, dass ich gut nach Hause gekommen bin. Ich hoffe, dass das alle anderen auch schaffen."

Die Front sei innerhalb von Sekunden gekommen, berichtete Vorschoter Reichstädter. "Wir konnten das Segel nicht mehr bergen, haben versucht unter der Insel Schutz zu suchen."

Ausnahmeregel für Material?

Das Material habe einiges abbekommen, die Segel seien sehr ausgeleiert. "Die Segel sind so, als wären sie schon alt, die haben gelitten. Der erste Eindruck ist nicht sehr positiv. Solche Bedingungen hast alle drei, vier Jahre einmal. Wir können nur hoffen, dass alle nach Hause kommen. Da kann echt viel passieren", hoffte Schmid.

Österreichs Verbands-Sportdirektor Georg Fundak erklärte, dass die 470er-Segler sich zusammengetan haben, er hoffte auf eine faire Lösung der Jury, die sein könnte, dass alle ihre Segel tauschen dürfen.

Bedenkliches berichteten auch die Fotografen von den Medienbooten, es seien keine Rettungswesten vorhanden gewesen und nur mit Hilfe eines Kollegen, der früher selbst Segler war und das Kommando übernommen hatte, habe man es in den Hafen zurück geschafft.

"Schlechteste Regatta"

Delle Karth/Resch trugen ihre Wettfahrten aus, nach einem guten dritten Rang folgte ein 14. Platz und eine Kenterung, da waren die Bedingungen allerdings schon sehr schwierig. Drei Wettfahrten vor Schluss sind sie nur 14. und müssen um die Teilnahme am Medal Race bangen.

"Das Schlimmste heute war die Wende zur Luv-Tonne in der zweiten Wettfahrt mit den Folgen. Das ist die mit Abstand schlechteste Regatta, an die ich mich je erinnern kann", musste Delle Karth eingestehen.

"In der dritten sind wir als 17. zum Ziel gekommen, dann kam die Front rein, genau zwanzig Meter vor dem Ziel. Wenn wir es brutal probiert hätten, wären wir schon noch ins Ziel gekommen. Aber der Chilene ist vor uns gekentert, wir sind auf ihn draufgetrieben und auf das Zielschiff, da haben wir lieber geschaut, dass unser Boot noch in einem Stück ist."

Ratlosigkeit und Frust

Man werde am letzten Tag wieder Gas geben, wie immer, Motivationsproblem gäbe es keines, versicherte Resch dennoch. "Wir haben falsche Entscheidungen getroffen, falsche Entscheidungen trifft man."

Delle Karth und Resch fanden keine Erklärung dafür, warum es nach jahrelanger Vorbereitung ausgerechnet bei Olympia nicht funktioniert. "Es sind Fehler drinnen, die sind so bitter und so böse. Die dürfen nicht passieren, schon gar nicht, wenn man um Medaillen mitsegeln will. Ich weiß es nicht", war der Tiroler Delle Karth ratlos.

"Kompletter Frust. Das Problem ist nicht, dass wir keine Starts können oder technisch nicht gut drauf sind, oder langsam sind. Es sind einfach Situationen, wo wir die falschen Entscheidungen treffen, und dann kommt Pech dazu, das wird brutal bestraft", sagte Resch.

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