LAOLA1 zu Gast bei den Denver Broncos

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D-E-N-V-E-R B-R-O-N-C-O-S! D-E-N-V-E-R B-R-O-N-C-O-S!

Soeben hatten die Denver Nuggets am Donnerstagabend mit 101:102 gegen die Memphis Grizzlies verloren. Beim Verlassen des Pepsi Centers stimmten die leidgeprüften Fans der NBA-Franchise lautstarke Schlachtrufe für ihr NFL-Team an.

Eine Szene, die stellvertretend verdeutlicht: Eine ganze Sport-Stadt lebt den großen Super-Bowl-Traum.

17 Jahre ist es inzwischen her, dass John Elway die zweite Vince-Lombardi-Trophy in Folge in die Hauptstadt Colorados holte - kurioserweise in der Rookie-Saison eines gewissen Peyton Manning.

Nun soll sich der Kreis schließen. Griff Elway 2 vor 12 seiner glorreichen Karriere nach den NFL-Sternen, möchte es Manning seinem heutigen Chef gleich tun und im Winter seiner Laufbahn seinen zweiten Super-Bowl-Triumph feiern.

Die letzte Hürde auf dem Weg ins "Big Game" in Santa Clara ist eine altbekannte, eine logische, eine geradezu kitschige: Tom Brady - Mannings sportlicher Intimfeind einer von diesen beiden lebenden Quarterback-Legenden geprägten NFL-Ära.

Diese neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Kapitel 17 dieses Klassikers für die Ewigkeit könnte gleichzeitig das letzte sein. Gibt es einen passenderen Anlass als den Showdown um den Einzug in die Super Bowl?

Vermutlich nein.

LAOLA1 ist beim AFC Championship Game im Sports Authority Field at Mile High vor Ort und hat sich im Vorfeld dieses Duells im Lager der Broncos umgesehen:

Aus Denver berichtet Peter Altmann

DENVER BRONCOS (1) - NEW ENGLAND PATRIOTS (2)

Trainings von Sport-Teams gehören zum beruflichen Alltag - so weit, so unspektakulär.

Die Gelegenheit, einem NFL-Team bei seiner Übungseinheit auf Hände und Beine zu schauen, bot sich mir jedoch auch noch nicht, also fiel der freitägliche Ausflug ins Headquarter der Denver Broncos definitiv unter die Kategorie besonders.

Knapp eine halbe Stunde fährt man mit dem Auto aus Downtown Denver zum UCHealth Training Center in Dove Valley. Der Parkplatz am East Broncos Parkway ist prall gefüllt, schließlich ist es der letzte Medientermin der Broncos vor dem Kickoff am Sonntag.

Blauer Himmel und frühlingshafte Temperaturen um die 15 Grad lassen nicht erahnen, dass für den Spieltag selbst eher bescheidendes Wetter vorhergesagt ist. Während sich die Ostküste der USA für einen schweren Schneesturm rüstet, lacht im Schatten der Rocky Mountains (noch) die Sonne.

Manning in Wurfreichweite

Zunächst heißt es: Bitte warten! Vom ans Headquarter angrenzenden Trainingsfeld schallt lautstarke Musik, der Lärm des Publikums will schließlich simuliert werden. Zutritt für Unbefugte, und das sind Medienvertreter im konkreten Fall selbstverständlich, ist vorerst nicht gestattet.

Ein Blick in den gut gefüllten Trophäenraum verkürzt die Wartezeit, die beiden Lombardi-Trophys und diverse Lamar-Hunt-Trophys für den Gewinn der AFC wollen schließlich bewundert werden.

Um 11:20 Uhr öffnen sich die Tore doch. Mitten in der Trainingseinheit dürfen Kamerateams und Journalisten für rund zehn bis 15 Minuten auf das Gelände. Peyton Manning selbst für meine Nudelarme in theoretischer Wurfreichweite? Nicht so schlecht!

Zu sehen bekommt man das Einstudieren diverser Laufrouten der Receiver beziehungsweise anschließend Pässe aus kurzer Distanz in die Endzone - selbstredend höchstinteressant. Manning strotzt vor guter Laune, lacht immer wieder, macht einen gelösten Eindruck.

Manning vs. Brady hier, Brady vs. Manning da

Seine nicht zu knappen Medienauftritte für diese Woche hatte er leider schon hinter sich, diesmal sind bei der an das Training anschließenden Frage-und-Antwort-Stunde neben Head Coach Gary Kubiak andere Spieler dran.

Das Hauptthema der Woche liegt aber ohnehin auf der Hand. Manning vs. Brady hier, Brady vs. Manning da.

"Zwei Hall-of-Fame-Spieler", charaktersisiert Kubiak die beiden Hauptdarsteller des anstehenden Kräftemessens - eine auf der Hand liegende Einschätzung, die man immer wieder zu hören bekommt.

Broncos-Coach Kubiak steht Rede und Antwort

Für den Broncos-Coach - erst seit dieser Saison im Amt - ist Teil 17 der Manning-Brady-Saga der erste, in dem ihm eine Statistenrolle zukommt: "Das ist sehr speziell. Bislang hatte ich immer nur die Außenansicht. Ich habe viele, viele Male gegen die beiden gespielt, aber nun bin ich erstmals Teil eines direkten Duells."

Manning, der Streber

Dies gilt auch für den im Saisonverlauf per Trade aus San Francisco verpflichteten und bislang enttäuschenden Star-Tight-End Vernon Davis. Im Laufe seiner langen Karriere hat er jedoch schon diverse Spielmacher erlebt und kann daher die Faszination des Peyton M. auf den Punkt bringen. In seinen Augen ist er schlicht und ergreifend der größere Streber im Vergleich zu allen anderen Quarterbacks:

"Peyton ist einfach anders. Wenn wir in Meetings sitzen, schreibt er jedes Wort der Coaches mit. Ich denke mir dann jedes Mal: 'Wow, ich betrachte mich selbst als Leader, aber er ist auf einem anderen Level.' Aber es geht um diese kleinen Sachen, und davon können wir alle lernen. Er ist wahrscheinlich der einzige, der sich Notizen macht, denn das müssen wir nicht, wenn der Coach spricht, aber er tut es und das macht ihn aus. Er ist einfach anders."

Auch für Outside Linebacker DeMarcus Ware ist Manning der Vorzeige-Profi schlechthin, der im Meeting Room bei vermeintlich kleinen Dingen wie Snap Counts oder diversen Signalen auch mal pingelig werden könne: "Aber daran sieht man, wie professionell er ist. Deswegen rufen wir ihn den Sheriff. Er stellt sicher, dass alle ihren Job erledigen."

Die Tore zum Training sind geöffnet

Freilich auch aus Eigennutz, aber auch für den alternden "Sheriff" ist es den Broncos-Spielern daran gelegen, Manning zum möglichen Abschied zum Titel zu verhelfen - so wie es mehr als eine Spieler-Generation zuvor bei Elway gelungen ist.

Manning adelt Belichick/Brady

Auch der heute 55-Jährige war bei seinem Happy End nicht mehr auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, konnte sich aber unter anderem auf ein hervorragendes Laufspiel um Terrell Davis verlassen.

Das Laufspiel und noch viel mehr die starke Defense werden in der Gegenwart gefordert sein, um die New England Patriots, ihren gewieften Head Coach Bill Belichick und dessen kongenialen Vollstrecker Brady zu stoppen.

Ein Duo, zu dem auch Manning selbst im Laufe der Woche einiges einfiel: "Sie spielen nicht grundlos ihr zehntes AFC Championship Game. Sie sind beide herausragend in ihrem Job. Wenn du in der Regular Season gegen sie spielst, denkst du dir schon in den letzten Spielsekunden, dass du wahrscheinlich noch einmal auf sie treffen wirst, wenn du deinen Job gut machst und in die Playoffs kommst. Das war für mich schon einige Male der Fall."

Dies ist bereits das vierte Championship-Game, in dem sich Manning und Brady duellieren, und das fünfte Aufeinandertreffen in den Playoffs, womit die beiden ewigen Rivalen einen neuen NFL-Rekord aufstellen. Bislang teilte sich das Duo diesen mit Brady/Joe Flacco, Steve Young/Brett Favre und Terry Bradshaw/Ken Stabler.

"Ich habe immer die gleiche langweilige Antwort gegeben"

Der Frage, ob sich im Laufe der vielen Jahre eine Freundschaft zu Brady entwickelt hat, weicht Manning geschickt aus, spricht viel mehr von "großem Respekt" und vereinzelten Treffen wie bei der Pro Bowl oder auf diversen Events.

Wer gratuliert diesmal wem?
Foto: © getty

Wer weiß, vielleicht würden die Hände des früheren Helden der Indianapolis Colts mehr Super-Bowl-Ringe zieren, wäre Bradys Karriere nicht parallel derart erfolgreich gewesen.

Sollte Manning, der im März seinen 40. Geburtstag feiern wird, wie erwartet seine Karriere nach dieser für ihn so schwierigen Saison beenden, wäre dies derunwiderruflich der letzte Showdown.

Die historische Bedeutung dieses "Dates" will die Quarterback-Ikone jedoch nicht einschätzen. Denn eigentlich, und hier bleibt sich Manning stets treu, ginge es ja gar nicht um Brady und ihn:

"Ich habe über die Jahre immer die gleiche langweilige Antwort gegeben: 'Hey, es geht um Colts gegen Patriots und jetzt geht es um Broncos gegen Patriots.' In all diesen 16 Spielen haben enorm viele verschiedene Spieler mitgewirkt, aber für mich als Quarterback war es stets eine große Ehre und ein Privileg, mich in den 16, 17 Jahren, die wir gemeinsam in der Liga sind, so oft mit ihm zu messen."

Auch diesmal ist es ohne jeden Zweifel mehr als Broncos gegen Patriots.

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