Stoffel Vandoorne - der fliegende Belgier

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Als Nachwuchspilot hatte man es bei McLaren in den letzten Jahren nicht leicht.

Wie schnell man seinen Platz in einem Cockpit der Königsklasse wieder verlieren kann, hat man bei Kevin Magnussen gesehen. Der Däne fuhr in seinem allerersten Formel-1-Rennen auf Platz zwei, holte elf weitere Male Punkte und musste am Jahresende dennoch für Fernando Alonso Platz machen.

Solange das Oldie-Duo Alonso und Jenson Button nicht genug von der Formel 1 hat, heißt es für hoffnungsvolle Piloten: Bitte warten. Das gilt auch für Stoffel Vandoorne - trotz eines fantastischen Jahres 2015.

Erste Ausrufezeichen setzte der "Junge aus Flandern" 2011, als er im Formel Renault 2.0 Eurocup erste Rennen gewann und sich gesamt gegen seinen Teamkollegen Daniil Kvyat - heute bei Red Bull Racing - mit 244 zu 234 Punkten durchsetzte.

Besser als Hamilton

Über die Formel Renault 3.5 ging es 2014 in die GP2, wo er sein erstes Rennen auf Anhieb gewinnen konnte. Es fand ausgerechnet in Bahrain statt, wo er an diesem Wochenende für den aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Alonso einspringen darf.

Im gleichen Jahr folgte die Chance als Ersatzfahrer bei McLaren, wo der 24-Jährige schon zuvor einen Fördervertrag hatte.

Auch 2015 siegte er beim Auftakt in der Wüste - so wie bei sechs weiteren Saisonläufen. Überhaupt drückte Vandoorne der Nachwuchsserie der Formel 1 seinen Stempel auf wie kein anderer Pilot zuvor. 

Mit den sieben Saisonsiegen übertrumpfte er unter anderem Lewis Hamilton, der in seiner GP2-Saison 2006 fünf Mal gewann. Die Bestmarken sind beeindruckend: Vandoorne hält aktuell den Rekord an Siegen (11), Pole Positions (8), Punkten (570,5) und Podestplätzen (26) in der GP2.

In der Luft zuhause

Weil man als Champion der GP2 abtreten muss und kein Cockpit in der Formel 1 verfügbar war, hieß die Lösung für 2016 Super Formula. Der Rennkalender der früheren Formula Nippon besteht ausschließlich aus japanischen Strecken und ist somit eine besondere Herausforderung. 

"Ich gehe ins Ungewisse und weiß nicht, was ich erwarten soll", gab Vandoorne gegenüber "Motorsport-Magazin.com" zu. Klar war ihm nur, dass ein strapaziöses Jahr auf ihn warten würde: "Ich bin gerade erst nach Großbritannien gezogen, werde aber wahrscheinlich mehr im Flugzeug leben."

Bis jetzt ging es nur hin und her. Vom Simulator in Woking zu den Tests in Japan. Bis infolge des medizinischen Checks bei Alonso der Anruf aus Bahrain kam. Mitten während den Testfahren in Suzuka hieß es: Koffer packen - die Formel 1 wartet.

Button schon genervt

Beindrucken ließ er sich vom plötzlichen Debüt in der Königsklasse nicht. Im Gegenteil. Am Freitag schon auf Augenhöhe mit Button, schlug er als Zwölfter den Weltmeister von 2009 (14.) in Q2 sogar.

Dieser wirkte von der Niederlage getroffen. "Ich hatte immer schon starke Teamkollegen. Der Junge hat einen guten Job gemacht. Er hat es hinbekommen, ich nicht. So läuft's manchmal."

Die Hochachtung seitens der Verantwortlichen ist Vandoorne indes sicher.

Großes Lob

"Wir wussten schon, dass er schnel list, aber was an diesen zwei Tagen so beeindruckend ist, ist seine akribische Hingabe für die komplexen Prozeduren, die notwendig sind, um das Maximum aus diesen modernen Formel-1-Autos herauszuholen. Da hat er nicht einen einzigen Fehler gemacht. Chapeau!", hielt Rennleiter Eric Boullier eine regelrechte Jubelarie über den Debütanten.

Auch Motorenpartner Honda war beeindruckt: "Stoffel ist brillant gefahren. Er darf wirklich stolz auf sich sein", so Projektleiter Yusuke Hasegawa.

Für Vandoorne besteht kein Zweifel, wohin sein Weg im kommenden Jahr führen wird: "Im Laufe der Saison muss ich mich natürlich schon auf 2017 fokussieren, denn dann will ich in der Formel 1 sein - hoffentlich mit McLaren."

 

Andreas Terler

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