Ferrari: Krampf statt Titelkampf

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Die Hoffnungen vor der Saison waren groß.

Ferrari wollte Mercedes ähnlich wie im vergangenen Jahr ärgern und sogar ein Wörtchen um den WM-Titel mitreden. Davon ist die Scuderia aktuell weit entfernt.

Nachdem man 2015 noch Mercedes-Konkurrent Nummer eins war, ist Ferrari in diesem Jahr zurückgefallen und hinter Red Bull derzeit nur die dritte Kraft. Für Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen ist der Zug in der Fahrer-WM längst abgefahren.

"Was uns fehlt, ist natürlich ein Sieg"

Insgesamt neun Podestplätze hat das Duo 2016 bis dato eingefahren, für einen Sieg hat es jedoch nicht gereicht. Im Vorjahr durften die Roten immerhin drei Erfolge bejubeln.

"Im vergangenen Jahr lief es ganz gut für uns. Es stimmt, dass wir 2015 mehr Siege hatten, aber man darf nicht immer nur an die oberste Stufe des Treppchens denken. In diesem Jahr haben wir im Vergleich zur vergangenen Saison mehr Podestplätze geholt. Was uns fehlt, ist natürlich ein Sieg. Es gab durchaus Rennen, die wir hätten gewinnen können“, relativierte Teamchef Maurizio Arrivabene gegenüber "Motorsport-Total.com".

Den Italienern macht vor allem der fehlende Antrieb beim SF16-H zu schaffen. Laut Arrivabene gab es seit dem Europa-Auftakt in Barcelona keine großen Verbesserungen mehr.

Die Weiterentwicklung des Autos stockte bereits, nachdem Technikdirektor James Allison das Team nach dem plötzlichen Tod seiner Frau im März verließ. Ferrari befindet sich seither in einem Umstrukturierungs-Prozess, der eigentlich schon längst hätte abgeschlossen sein sollen.

Schritt nach vorne in Spa

"Es ist ein harter Weg, wenn man nicht so konkurrenzfähig ist, wie gewünscht, aber wir wissen, was zu tun ist" meinte der vierfache Weltmeister Vettel vor der Sommerpause.

Beim Comeback nach der Sommerpause in Spa wollte die Scuderia nach der verkorksten ersten Saisonhälfte wieder in die Erfolgsspur zurück. Mit den Plätzen sechs (Vettel) und neun (Räikkönen) ist ihnen das nicht ganz gelungen.

Nach der Kollision der beiden Roten mit Max Verstappen in Kurve eins war nur noch Schadensbegrenzung möglich. Bei Ferrari war man damit dennoch nicht unzufrieden.

Vettel: „Wir konnten einen Schritt nach vorne machen. Wir hätten hier direkt hinter Mercedes einlaufen können. In Anbetracht der letzten Rennen war das schon ein sehr gutes Rennen, der Speed war da, also schauen wir nach vorne."

In Monza zählt nur ein Sieg

Nach vorne heißt konkret Monza. Beim Heimrennen erwarten sich Ferrari und vor allem die Tifosi natürlich mehr. Eigentlich kann die Scuderia in Monza nur mit einem Sieg zufrieden sein, angesichts der derzeitigen Situation wäre ein Podiums-Platz jedoch schon ein Erfolg.  

Zum letzten Mal stand ein Ferrari-Pilot nämlich in Spielberg am Podest, Räikkönen wurde in der Steiermark Dritter. Vettels letzter Besuch auf dem Treppchen liegt bereits fünf Rennen (Baku/Platz zwei) zurück. Das erhöht den Druck in Monza zusätzlich.

"Die Punkte sind überall gleich, egal wo du bist", sagte Chefingenieur Jock Clear. "Aber wir wissen alle, dass das nicht für Monza gilt. Die Motivation ist natürlich groß. Dort ist Ferrari immer stark - nicht nur, weil es das Heimrennen ist, sondern weil die Autos hier besonders gut funktionieren."

Mit der Geduld am Ende?

Trotz allem (Zweck-)Optimismus: Präsident Sergio Marchionne scheint mit seiner Geduld langsam am Ende zu sein, duldet keine weiteren Misserfolge mehr. "Jeder, der keine Resultate abliefert, sollte gehen. Diese Regel gilt für alle - auch für mich", stellte Marchionne in Spa klar. "Wir wollen die Ziele erreichen, die wir uns gesetzt haben."

"Jeder, der keine Resultate abliefert, sollte gehen."

Ferrari-Präsident Sergio Marchionne

Apropos Ziele: Vettel ist 2015 nach vier Titeln mit Red Bull zu Ferrari gewechselt, um auch mit den Italienern die WM zu gewinnen. Auf die Frage eines Reporters, wie viel Geduld er noch habe, um das hinzukriegen, antwortete der Deutsche: "Ich bin ja noch nicht so alt, also habe ich noch Zeit. Ich bin aber kein besonders geduldiger Typ, ganz im Gegenteil.“

Vettel weiter: „Wir waren bislang einfach nicht schnell genug. Es ist ja klar: Wenn man schneller ist, bist du in einer besseren Position Rennen zu gewinnen, holst mehr Punkte und bekommst auch nettere Fragen. An der Frage ist ja nichts falsch, aber es ist ein wenig langweilig sie jedes Wochenende gestellt zu bekommen." 

Sollte sich auch in Monza der erhoffte  - und erwartete – Erfolg nicht einstellen, wird sich Vettel wohl an derartige Fragen gewöhnen müssen. Insgesamt stehen nach dem GP von Italien noch sieben Rennen in dieser Saison auf dem Programm.

"Sie sind stärker, als wir erwartet hätten"

"Es ist noch ein bisschen zu früh, Rückschlüsse auf das gesamte Jahr zu ziehen. Ich bin guter Dinge, dass wir zum Ende der Saison in einer anderen Position sein werden", ist Marchionne zuversichtlich.

Das Maximum wird wohl sein, Platz zwei in der WM von Red Bull wieder zurückzuerobern. Die Lücke zu Mercedes ist in diesem Jahr jedenfalls größer, anstatt kleiner geworden.

"Mercedes ist wirklich ziemlich stark. Sie sind stärker, als wir erwartet hätten, das muss ich ehrlich zugeben. Ich bin seit 35 Jahren in der Szene unterwegs, in den zurückliegenden zehn Jahren gab es kein solch starkes Team wie Mercedes es jetzt ist", sagte Arrivabene und nimmt damit etwas Druck von seinem Team.

Am Sonntag in Monza erwarten zigtausende Fans trotzdem einen Ferrari-Sieg.

 



Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare