Der Aufstieg des Philipp Lienhart

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Vor eineinhalb Jahren war Philipp Lienhart noch Lehrling. Bürokaufmann wollte er werden.

Ob das mit dem Profi-Fußball klappen würde, war damals noch alles andere als klar. Retz, Amstetten, Neuberg und Sollenau – das war der Alltag des Lilienfelders.

Mit 16 Jahren hatte er für die Amateure des SK Rapid debütiert, der Sprung zu den Profis war ihm von den Hütteldorfern zwar schon zugesagt, aber noch nicht vollzogen gewesen. Immerhin durfte er schon mit Steffen Hofmann und Co. trainieren.

Doch dann kam alles ganz anders. Als der damalige U19-Teamchef Andreas Heraf einen Innenverteidiger für die EM in Ungarn suchte, stieß er auf Lienhart. Der im Juli 1996 geborene Abwehrspieler war zu diesem Zeitpunkt auch noch für die U18 spielberechtigt. Rapid-Coach Zoran Barisic und U18-Teamchef Hermann Stadler legten Heraf den Youngster ans Herz.

Der Schock nach dem Anruf

„Ich war vom ersten Training an schwer begeistert von ihm. Ich hatte überhaupt keine Bedenken, ihn spielen zu lassen. Für mich war er aus österreichischer Sicht die Entdeckung des Turniers. Es hat jede Sekunde, die er am Platz gestanden ist, gepasst“, erinnert sich Heraf.

Das hat auch Real Madrid bemerkt. Ende August 2014 schnappten sich die „Königlichen“ den Youngster – ein Jahr auf Leihbasis mit Kaufoption. Im Sommer wurde die Kaufoption gezogen.

„Ich war daheim, als mich mein Berater darüber informiert hat, dass es Interesse von Real Madrid gibt. Ich war geschockt. Ich konnte es nicht glauben. Es war eine Riesenüberraschung. Am Anfang hat mir das kaum jemand geglaubt, als ich es erzählt habe“, berichtete Lienhart LAOLA1 im Oktober 2014.

Interviews sind verboten

Es war das bisher einzige längere Gespräch, das der 19-Jährige mit einem Medium geführt hat. Mit der Unterschrift bei den Madrilenen hat Lienhart seine Persönlichkeitsrechte an den Verein abgetreten.

Interviews über Real Madrid müssen mit dem Klub abgestimmt werden. Und der Klub lehnt bisher jede Anfrage strikt ab. Die „Krone“ versuchte unlängst erfolglos über den österreichischen Botschafter vor Ort zu intervenieren. Ein Kollege der mittlerweile eingestellten „SportWoche“ reiste in die spanische Hauptstadt, durfte aber auch nicht mit Lienhart sprechen.

Umso mehr Lärm macht Lienhart am Platz. Im übertragenen Sinne. Denn Lautsprecher ist der Blondschopf keiner. Der Teenager ist höflich, freundlich und introvertiert, kein Sprücheklopfer. Seine bodenständige Art manifestiert sich in seinem Aussehen. Die Frisur 08/15, die Unterarme frei von Tattoos – der Junge von nebenan.

Er bringt alles mit

Nur eben mit den Anlagen, ein Großer zu werden. Lienhart ist ein schnörkelloser Innenverteidiger mit einer guten Antizipationsgabe, einem sicheren Spielaufbau, der notwendigen Kopfball- und Zweikampfstärke und einer Schnelligkeit, die ihm keine Grenzen setzt. In den vergangenen Monaten war in der U21-Nationalmannschaft außerdem zu bemerken, dass er mehr und mehr Anweisungen auf dem Feld gibt.

Hinzu kommt eine körperliche Eigenschaft, die in weiterer Folge seiner Karriere ein großer Vorteil sein wird – seine Fähigkeit zur schnellen Regeneration. „Seine Daten waren überragend. Der hatte Werte, als ob er gar nicht gespielt hätte“, war Heraf nach der U19-EM verblüfft.

Ein Leben mit den Stars

In der schönen, neuen Welt eines der schillerndsten Klubs des Planeten hat sich der Österreicher schnell zurechtgefunden. Im Internat direkt am Trainingsgelände teilt er sich ein Zimmer mit dem Chilenen Benjamin Kuscevic.

Einen der großen Stars, die ihm tagtäglich über den Weg liefen, anzusprechen, habe er sich noch nicht getraut, sagte er vor etwas mehr als einem Jahr. Das hat sich längst geändert. Auf Lienharts Instagram-Account findet sich ein Foto, das ihn mit der brasilianischen Legende Ronaldo zeigt.

Und die aktuellen Real-Stars trifft Lienhart seit geraumer Zeit sowieso jeden Tag in der Kabine. Seit diesem Sommer ist der 19-Jährige nämlich nicht nur fixer Bestandteil der zweiten Mannschaft, die von Zinedine Zidane trainiert wird, sondern nimmt auch regelmäßig am Profi-Training teil. Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, Karim Benzema, James Rodriguez und Co. duellieren sich mit dem jungen Mann.

Das erste Mal

Am 2. Dezember 2015 haben sie zum ersten Mal mit ihm ein Profi-Spiel bestritten. Beim 3:1 in der Copa del Rey gegen Cadiz wurde Lienhart als erster Österreicher in der 113-jährigen Klub-Geschichte von Real Madrid eingewechselt.

In der 78. Minute klatschte der ÖFB-Youngster mit James ab, bekam noch eine kleine Umarmung mit auf den Weg und betrat erstmals als Real-Profi das Feld. Dass das Spiel wegen des unerlaubten Einsatzes von Denis Cheryshev noch annulliert werden könnte, ist eine andere – aus österreichischer Sicht nebensächlich – Geschichte.

Fakt ist, dass Lienhart im Geschäft der Großen angekommen ist. Freilich hat er noch einen weiten Weg vor sich, um sich dort auch durchzusetzen. Die Anlagen dafür sind aber zweifellos vorhanden. Und die Bürokaufmann-Lehre scheint ganz weit weg zu sein. Nach 16 Lehr-Monaten in der Schule der „Königlichen“ hat Lienhart seine Gesellen-Prüfung abgelegt!

Harald Prantl

LAOLA Meins

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