Zum letzten Mal Klassenunterschied beim „Old Firm“

Aufmacherbild Foto: © getty

Man hatte es in den letzten Jahren nicht leicht, wenn man es mit dem Rangers F.C. aus Glasgow hält.

Über die vergangenen Wochen wird sich jedoch kaum jemand im Umfeld des 54-fachen schottischen Meisters beschweren hören.

Die Feierlichkeiten mit dem Verein wollen zurzeit einfach nicht enden. Am 5. April fixierten die Rangers den Aufstieg in die höchste schottische Spielklasse – nach vier Jahren Abstinenz.

Kaum war die Aufstiegsfeier beendet, folgte das nächste Erfolgserlebnis. „The Gers“, wie ein Spitzname des Klubs lautet, gewannen das Finale des „Challenge Cup“.

Doch beide Erfolge stehen im Schatten eines anderen Highlights. Nach über einem Jahr Pause gibt es endlich wieder ein „Old Firm“ – das Derby gegen den verhassten Stadt-Rivalen Celtic.

Ein Titel, auf den man verzichten kann

Mit dem Cup-Gewinn und dem vorzeitigen Aufstieg hat man in den letzten Wochen viel Selbstvertrauen für das Spiel gegen den Erzrivalen getankt. Zumal es in der ruhmreichen Geschichte der erste Erfolg in besagtem „Challenge Cup“ war.

Die Rangers bejubeln den Cup-Erfolg
Foto: © getty

Dazu sei erwähnt, dass nur unterklassige Klubs daran teilnehmen dürfen. Es hätte sich wohl niemand bei den Rangers beschwert, wenn man ihn aufgrund fehlender Antritte nie gewonnen hätte. Doch der dramatische Zwangsabstieg im Jahr 2012 ermöglichte den Triumph.

„Es ist toll, eine Trophäe zu halten. Auch der Support war großartig“, jubelte Mittelfeldspieler Jason Holt nach dem Cup-Sieg. „Ich hoffe, dass das nur die erste Trophäe war, wir auf den Geschmack gekommen sind und noch mehr davon gewinnen.“

Revanche für letztes Jahr?

Noch mehr davon gewinnen – es ist eine klare Ansage Richtung Celtic. Man möchte den schottischen Serienmeister im Halbfinale des „SFA Cup“ besiegen und auch diesen Pokal in die Höhe stemmen. Vor dem Klassenunterschied schrecken die Spieler von Rangers-Coach Mark Warburton nicht zurück.

„Wen auch immer wir ziehen, er steht uns nur im Weg zu unserem Ziel. Und das ist, den schottischen Cup zu gewinnen“, so Kenny Miller. Der 36-jährige Sturm-Routinier spielte auch schon ein Jahr bei Celtic, mit 13 Toren in der Liga ist er maßgeblich am Aufstieg beteiligt.

„Ich habe es immer gesagt: Wenn wir den Cup gewinnen wollen, müssen wir an Celtic vorbei“, so Miller weiter. Im letzten Jahr war die Hürde noch zu groß, im „Scottish League Cup“ verlor man im Halbfinale recht deutlich mit 0:2.

Seitdem hat sich aber einiges getan, viele neue Spieler wechselten ans Ibrox Stadium, zudem ersetzte Warburton den damaligen Coach, Kenny McDowall.

Auch Celtic heiß auf den Sieg

Dass sich das Team mit den grün-weiß gestreiften Jerseys natürlich nicht kampflos geschlagen gibt, liegt auf der Hand. Viel zu groß wäre die Blamage, gegen den zweitklassigen Rivalen die Segel zu streichen.

"Der Begriff Old Firm ist mit der Liquidierung der Rangers vor drei Jahren gestorben"

Die "Bhoys" vor dem letzten Derby

Dies bestätigt auch Rechtsverteidiger Mikael Lustig: „Sie haben ein neues Team und auch wir haben ein paar neue Spieler, es ist also ein anderes Spiel als letztes Jahr. Trotzdem werden wir uns ein paar Bilder von damals anschauen, um ein Gefühl zu bekommen, wie es ist, dieses Spiel zu gewinnen.“

Die Emotionen waren beim letzten Aufeinandertreffen der Teams groß. Es war das erste Spiel gegeneinander seit dem Zwangsabstieg, 51.000 Fans stürmten den Hampden Park.

Vor allem die Anhänger Celtics provozierten im Vorhinein. „Der Begriff Old Firm ist mit der Liquidierung der Rangers vor drei Jahren gestorben“, schrieben einige Anhänger der „Bhoys“ den Rangers-Fans in einer riesigen 3.000-Pfund-Anzeige im Sunday Herald, „und wir sehen das Spiel als erstes Duell mit diesem unterklassigen Klub an, der im Ibrox Park spielt.“ Davon war während dem Spiel allerdings wenig zu sehen.

Schon beim letzten „Old Firm“ vor dem Abstieg stichelten die Celtic-Fans. „Verrottet in der Hölle“ und „Eure Enkel werden Celtic-Fans sein“ war zu lesen und zu hören.

Wieder finanzielle Probleme

Provokationen beim letzten Old Firm
Foto: © getty

Durch den Aufstieg der Rangers kommt es in der kommenden Saison wieder zu mindestens vier Kräftemessen der beiden Teams, am Rasen wie auch auf der Tribüne. Der Brisanz dieses Spiels wird das regelmäßige Duellieren keinen Abbruch machen.

Man kann nur hoffen, dass „The Gers“ aus den Fehlern gelernt haben, auch wenn es momentan nicht so wirkt. Die letzte Geschäftsbilanz wies ein Minus bei den Personalkosten von 9,4 Millionen Euro aus, investiert wurde dennoch weiterhin fleißig. Es wurde mit dem Aufstieg und den damit verbundenen TV-Geldern spekuliert – letztlich mit Erfolg.

Diese riskanten wirtschaftlichen Tätigkeiten werden in Schottland allerdings nur selten kritisch beäugt.  Zu groß ist die Sehnsucht, wieder beide Großklubs in der höchsten Spielklasse zu haben.

Zu groß ist die Sehnsucht nach regelmäßigen „Old Firms“.


Julian Saxer

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare