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Der Showdown vor dem Premier-League-Start

Schon einen Tag vor dem Premier-League-Start macht das Transferfenster zu.

Der Showdown vor dem Premier-League-Start Foto: © getty

Mit dem Duell zwischen Manchester United und Leicester City von Christian Fuchs startet die englische Premier League am Freitag in ihre 28. Saison.

Bis Donnerstagabend richten sich aber die Blicke zum auf der Insel erstmals früher schließenden Transferfenster. Bisher war das Wechseltreiben im WM-Sommer ein ruhiges, das könnte sich in den letzten Stunden noch ändern.

Die Deadline lautet Donnerstag, 18:00 Uhr MEZ. Bis dahin erwartet Fußball-England noch einmal Wechsel-Schnellschüsse, Speed-Medizintests und viel Geld, das dank TV-Millionen-Einnahmen und offener Milliardärs-Schatullen hin und her geschoben wird.

"Es ist das komischste Transferfenster überhaupt", sagt Nick Cassidy von DRN, der Agentur, die die Spielertransfers im englischen Oberhaus abwickelt. "Wir hatten erwartet, dass sich die Dinge nach der WM beschleunigen würden, aber das haben sie nicht. Viele Klubs warten bis zur letzten Minute."

Liverpool fühlt sich bereit

Die Top-Klubs haben ihre Hausaufgaben teilweise früher als üblich erledigt. Liverpool etwa, das seinen Kader mit dem brasilianischen Team-Keeper Alisson Becker (75 Mio. Euro), Landsmann Fabinho, Ex-Salzburger Naby Keita sowie dem Schweizer Xherdan Shaqiri verstärkt hat und nun endlich genug Qualität mitbringen will, um auch Endspiele zu gewinnen.

Seit der deutsche Star-Coach Jürgen Klopp an der Anfield Road werkelt, standen die "Reds" in der Champions League, Europa League und im Liga-Cup jeweils im Finale - verloren aber jedes einzelne. "Das muss sich ändern", fordert der englische Teamspieler Adam Lallana. "Wir haben alle Zutaten, die es braucht: die Erfahrungen, die wir mit den Jahren mitgenommen haben und den passenden Kader. Die Zeichen stehen wirklich gut, dass wir den nächsten Schritt machen."

Liverpool zählt wie Manchester United, oder die Londoner Großklubs Tottenham, Chelsea und Arsenal zum Kreis jener Top-Mannschaften, die Titelverteidiger Manchester City herausfordern wollen. Für einige dürfte es einzig darum gehen, den Rückstand auf die in der Vorsaison mit 100 Punkten in 38 Spielen überragende Elf von Pep Guardiola zu verkürzen.

Oder wie es Liverpools Lallana formulierte: "Hoffentlich gelingt es uns und den anderen vier Top-Teams heuer, ein wenig mehr Punkte aus City herauszuquetschen. Nur dann wird es spannend werden." Lokalrivale United hatte als Vizemeister am Ende der vergangenen Saison 19 Punkte Rückstand.

Erstes Erfolgserlebnis für City

Wie berechtigt diese Hoffnungen sind, dürfte sich bereits beim ersten Liga-Kracher der Saison zeigen, wenn Arsenal am Sonntag den Titelträger empfängt. Bei den "Gunners" läutete der Abgang von Arsene Wenger nach 22 Jahren als Trainer eine neue Ära ein. Der baskische Nachfolger Unai Emery holte mit dem deutschen Goalie Bernd Leno, Verteidiger Sokratis oder dem Schweizer Stephan Lichtsteiner jede Menge Erfahrung dazu.

Auch wenn es seit Manchester United 2008/09 keinem Team mehr gelang, den Premier-League-Titel zu verteidigen, so ist und bleibt City der große Favorit. Die "Sky Blues" hielten alle Schlüsselspieler und verfügen über einen Kader, der ein weiteres Mal nach "Peps" Wünschen adaptiert wurde. Prominentester Neuzugang ist "Edelzangler" Riyad Mahrez, der von Fuchs-Club Leicester City für knapp 70 Millionen Euro kam.

Wohin die Reise geht, zeigte die Guardiola-Truppe bereits am Sonntag, als sie mit dem Community Shield den ersten möglichen Titel der Saison holte. Chelsea samt Neo-Trainer Maurizio Sarri, der seinen italienischen Landsmann Antonio Conte nach der verpassten Champions-League-Qualifikation beerbte, wurden souverän 2:0 besiegt. "Wir müssen mit der gleichen Einstellung in der Liga spielen", forderte Guardiola danach.

Beim Stadtrivalen United ist man alarmiert: "Wenn wir unser Team nicht noch besser machen, wird es eine schwierige Saison für uns", warnt Trainer Jose Mourinho bereits. "Die anderen Klubs sind wirklich stark und haben fantastische Teams. Oder sie investieren massiv, wie Liverpool, die alles und jeden kaufen." Der Portugiese soll Englands Teamverteidiger Harry Maguire (Leicester) ganz oben auf der Wunschliste stehen haben.

Österreicher-Quartett wieder dabei

Gekauft wurde Österreichs teuerster ÖFB-Kicker, Marko Arnautovic, trotz Wechselgerüchten - auch rund um Manchester United - bis jetzt nicht. Aus österreichischer Sicht richtet sich der Blick vor allem auf ihn, der mithelfen soll, West Ham United nach einer durchwachsenen Saison mit Rang 13 näher an die europäischen Startplätze zu bringen. Die Einstandssaison des 25-Millionen-Manns aus Wien verlief mit elf Toren und acht Vorlagen nach Startschwierigkeiten durchaus ansprechend.

Neben Arnautovic, der gleich zum Auftakt am Sonntag an der Anfield Road von Liverpool gastiert, sind vier weitere Österreicher in Englands Top-Liga engagiert. Innenverteidiger-Routinier Sebastian Prödl geht in seine vierte Spielzeit bei Watford. Unter Trainer Javi Garcia war der 1,94-m-Mann bis zu einer Lebensmittelvergiftung am Saisonende gesetzt.

Landsmann und Teamkollege Daniel Bachmann bekam im Tor mit Ben Foster (35) einen Routinier vor die Nase gesetzt, auch der inzwischen 37-jährige Stammtorhüter Heurelho Gomes ist noch da.

Fuchs zum Start gesetzt?

Zum Auftakt fordern die "Hornets" am Samstag Brighton and Hove Albion mit Ex-ÖFB-Teamspieler Markus Suttner. Der Linksverteidiger wird sich mit seinem Verein auf den Kampf um den Klassenerhalt einstellen müssen.

Christian Fuchs peilt in seiner Abschiedssaison in England mit Leicester, dem Meister von 2016, einen Top-Ten-Platz an.

Die "Foxes" läuteten bereits im Vorjahr die Saison ein: Damals gab es ein spektakuläres 3:4 gegen Arsenal. Heuer gegen die "Red Devils" von Mourinho dürfte Leicester ohne die nicht fitten WM-Starter Maguire und Jamie Vardy auflaufen, dafür aber mit Fuchs: Mit Ben Chilwell fehlt sein größter Konkurrent links hinten wegen einer Knöchelverletzung.

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