Samuel Umtiti: Der perfekte Barca-Verteidiger

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Zwei Fehlpässe in 180 Minuten.

Mehr Informationen braucht es eigentlich nicht, um zu verstehen, warum der FC Barcelona 25 Millionen Euro für Samuel Umtiti auf den Tisch legte.

Ganz Fußball-Europa staunt über den Abwehrspieler, dem Nervosität ein Fremdwort sein dürfte.

Kein einziges Länderspiel hatte er vor dieser Europameisterschaft in den Beinen. Erst im letzten Moment rutschte die nominelle Nummer 9 (sic!) der französischen Innenverteidiger-Hierarchie ins EM-Aufgebot.

Als wäre es das Normalste der Welt, legte der 22-Jährige jedoch eine Glanzleistung bei seinem Debüt im EURO-Viertelfinale hin. Auch den zweiten Auftritt im Dress der „Equipe Tricolore“, immerhin das EM-Halbfinale gegen Weltmeister Deutschland, meisterte er mit Bravour.

Kein Wunder also, dass „Big Sam“, wie er von seinen Teamkollegen genannt wird, momentan in aller Munde ist.

Tabelle: Frankreichs Innenverteidiger

Innenverteidiger Verein Status
Raphael Varane Real Madrid Oberschenkelmuskelriss
Laurent Koscielny FC Arsenal Im EURO-Kader
Jeremy Mathieu FC Barcelona Meniskuseinriss
Kurt Zouma FC Chelsea Kreuzbandriss
Mamadou Sakho FC Liverpool Dopingsperre
Aymeric Laporte Athletic Bilbao Kreuzbandriss
Adil Rami FC Sevilla Im EURO-Kader
Equalim Mangala Manchester City Im EURO-Kader
Samuel Umtiti Olympique Lyon/FC Barcelona Im EURO-Kader

Deschamps war zunächst gar nicht begeistert

Dabei war Umtiti vor gar nicht allzu langer Zeit meilenweit von einem Stammplatz in der Nationalmannschaft entfernt. Als Teamchef Didier Deschamps im Oktober 2015 auf eine mögliche Nominierung des Lyon-Profis angesprochen wurde, meinte er nur abwertend: „Sie sehen sich seine Spiele in der Champions League wohl nicht an.“

In der Tat machten Umtiti und Co. in der Königsklasse nicht den besten Eindruck. Als Tabellenletzter musste Olympique Lyon hinter Zenit, Gent und Valencia die Segel streichen. Nach einem schwachen Saisonstart fand „OL“ erst im Laufe der Frühjahrs-Monate zurück zur Normalform.

Dazu trug auch Umtiti bei. Mit starken Leistungen in der Innenverteidigung führte er den ehemaligen Rekordmeister immerhin noch zum Vizemeistertitel. Dabei wurde das Eigengewächs kontinuierlich vom FC Barcelona beobachtet.

Passt perfekt ins Barca-Beuteschema

Die Katalanen merkten schnell, dass der 22-Jährige zu ihrer Vereinsphilosophie passt. Umtiti ist ein Verteidiger moderner Prägung. Durch seine Schnelligkeit eignet er sich perfekt für die hohe Defensivlinie des Teams von Luis Enrique.

Dazu gehört der in Kamerun geborene Franzose zu jener rar gesäten Sorte von Weltklasse-Innenverteidigern, deren starker Fuß das linke Bein ist. Dadurch tun sich die Gegner schwerer, ihn anzupressen. Auch bei Vorstößen in die gegnerische Hälfte kann dies von Vorteil sein.

Wie wichtig den Barca-Verantwortlichen ein starker Linksfuß in der Innenverteidigung ist, zeigen nicht zuletzt die letzten beiden Verpflichtungen für das Abwehrzehntrum. Mit Jeremy Mathieu und Thomas Vermaelen holte man 2014 bereits zwei Defensivspieler, die diesem Profil entsprechen. Beide Routiniers sind aber keine Versprechen für die Zukunft und zeigten sich zuletzt verletzungsanfällig.

VIDEO: EM-Finale? "Das wird kein Spektakel"

 

Sein Handicap

Insofern könnte Umtiti schon in der nächsten Saison eine wichtige Rolle bei Barca spielen. Vor allem, wenn er sich ähnlich passsicher zeigt wie in seinen ersten beiden Spielen für Frankreich.

Gegen Island bestach der Innenverteidiger mit einer Passquote von 100 Prozent. Im Halbfinale gegen Deutschland unterliefen ihm nur zwei Fehlpässe. Auch defensiv beeindruckte der Barca-Neuzugang – beispielsweise, als er in der ersten Hälfte einen Schuss von Müller in höchster Not blockte.

Umtitis größtes Handicap – seine für einen Innenverteidiger geringe Körpergröße von 1,81 m – fiel bisher kaum ins Gewicht. Zwar spielten die Isländer im Viertelfinale hohe Bälle immer wieder gezielt auf den Debütanten, doch letztlich machte er die vermeintliche Schwäche mit seiner Athletik und Sprungkraft weg.

Thuram ist verblüfft

Mittlerweile setzt sogar der anfangs kritische Deschamps auf Umtiti. Gegen das DFB-Team gab er dem jungen U20-Weltmeister von 2013 den Vorzug gegenüber Adil Rami, obwohl dieser nach überstandener Gelb-Sperre wieder einsatzbereit gewesen wäre.  

„Umiti hat alle Qualitäten, die heute von einem Top-Verteidiger gefordert sind“, meint der Teamchef über seinen Schützling.

Frankreichs Defensiv-Ikone Lilian Thuram beglückwünschte den 22-Jährigen nach dem Halbfinal-Erfolg sogar persönlich über das französische Fernsehen. „Gratulation zu dieser Leistung! Mit deiner Abgebrühtheit hast du mich echt verblüfft.“

Nicht nur Thuram ist begeistert, ganz Fußball-Europa staunt über Samuel Umtiti.

 

Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare