Zidane geht auf das Unmögliche los

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Wer, wenn nicht er?

Nach nur sechs Monaten als Coach einer Profi-Mannschaft durfte sich Zinedine Zidane schon über den größten Titel im Klubfußball freuen. Viele trauen ihm deswegen nun auch das Unmögliche zu - die Titelverteidigung in der Champions League.

Mit dem Auftakspiel gegen Sporting beginnt diese Mission. "Er macht einen hervorragenden Job. Kein anderer wäre besser dafür geeignet", lobt Luis Figo, der für beide Klubs aktiv war, seinen ehemaligen Teamkollegen.

Erst am Wochenende gelang es dem Franzosen, einen 55 Jahre alten Vereinsrekord einzustellen. 15 Liga-Siege in Folge gelangen den "Königlichen" zuletzt unter Miguel Munoz in der Saison 1960/61.

Die Art und Weise, wie souverän der Sieg gegen Osasuna eingefahren wurde, war ein Statement - nicht zuletzt, weil gleich drei von vier Verteidigern ein Tor erzielten. Die Highlights des Spiels siehst du hier:

(Artikel wird darunter fortgesetzt)

 

Zidane vertraut auf die neue Generation

Es ist einer der größten Verdienste Zidanes, die Abhängigkeit der Mannschaft vom "BBC"-Sturm reduziert zu haben. Neun verschiedene Spieler haben in den letzten 15 Spielen getroffen. Selbst der verletzungsbedingte Ausfall Cristiano Ronaldos, der erst im letzten Spiel sein Comeback gab, konnte kompensiert werden.

Der Schlüssel dazu: Zidane setzt auf die neue Generation. Eigengewächs Alvaro Morata scheint nun endlich jene Chance bei Real zu bekommen, die er sich schon so lange verdient hat. Dazu vertraut "Zizou" im zentralen Mittelfeld immer öfter auf Mateo Kovacic und Marco Asensio, der nach seiner Leihstation bei Espanyol heuer schon zwei Tore und einen Assist verbuchte.

Gleichzeitig gelingt es dem ehemaligen Weltklasse-Fußballer, all die großen Egos der Real-Stars unter Kontrolle zu halten - selbst, wenn sie nicht regelmäßig zum Einsatz kommen, sowie dies zueltzt oft bei James Rodriguez der Fall war.

Das ist die besondere Stärke Zidanes

"Er ist ein toller Profi und ein toller Mensch. Seine größte Stärke ist meiner Meinung nach, dass er es versteht, den Spielern Ruhe einzuimpfen", meint Ronaldo nicht umsonst über Zidane.

Der Franzose mag zwar nicht der genialste Taktik-Fuchs sein, doch durch seine natürliche Autorität und den richtigen Riecher für Situationen gelingt es ihm, das Beste aus diesem Kader herauszuholen.

Wie die Spieler über ihn denken, darüber gibt ein Vergleich mit Ex-Real-Coach Jose Mourinho Aufschluss. "Mou und Zidane sind unterschiedlich. Ja, sie sind sogar gegenteilig. Aber nicht im Sinne, dass der eine gut und der andere schlecht ist", meint Innenverteidiger Pepe.

Champions-League-Sieger, Welt- und Europameister sowie dreifacher Weltfußballer. Das war Zinedine Zidanes Spieler-Karriere:

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Zinedine Yazid Zidane wurde am 23. Juni 1972 als Sohn algerischer Einwanderer in Marseille geboren. Als 14-Jähriger verließ er seine Heimatstadt, um in der Fußball-Akademie von Cannes seine Karriere zu starten.

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Nachdem er Cannes zum ersten internationalen Startplatz seit 1949 führte, wechselte er 1992 zu Bordeaux.

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1996 drang Zidane mit Bordeaux bis ins UEFA-Cup-Finale vor, wo er und seine Kollegen den Bayern mit einem Gesamtscore von 1:5 unterlagen. Danach war er für Frankreich bei der EM im Einsatz.

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Juventus schnappte sich daraufhin den besten Spieler der vergangenen Ligue-1-Saison. Nach anfänglichen Schwierigkeiten trumpfte er in der CL bei einem 5:0 gegen Rapid mit drei Assists erstmals auf.

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Mit der „Alten Dame“ erreichte er 1997 und 1998 das CL-Finale. Beide Male, zunächst gegen Dortmund, dann gegen Real, verpasste er jedoch den Titel.

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Bei der WM 1998 lief es besser. Nach einer Roten Karte im zweiten Spiel gegen Saudi Arabien drehte Zidane nach Ablauf seiner Sperre groß auf.

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Mit zwei Kopfball-Toren im WM-Finale führte er die „Equipe Tricolore“ zum WM-Pokal. Zudem wurde er 1998 erstmals Weltfußballer.

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Zwei Jahre später triumphierte er mit Frankreich auch bei der Europameisterschaft. 

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Nach zwei Meistertiteln mit Juventus (1997, 1998) nahm er 2001 Abschied aus Italien.

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Für 150 Milliarden Lire (rund 75 Millionen Euro) wechselte er zu Real Madrid. Dies war zum damaligen Zeitpunkt der Transferrekord.

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Mit den „Königlichen“ feierte er den größten Triumph 2002, als Leverkusen im CL-Finale 2:1 besiegt wurde.

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Zidanes Traumtor von damals kennt wohl jeder Fußball-Fan.

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Ein Jahr später konnte der Franzose mit Real seinen einzigen spanischen Meistertitel erringen. Ansonsten war die Ära der „Galaktischen“ von eher wenigen Titeln gesegnet.

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Sein letztes Spiel für die Madrilenen bestritt er am 7. Mai 2005. Standesgemäß erzielte er beim 3:3 gegen Villarreal selbst ein Tor.

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Nach dem Ende seiner Vereinskarriere sollte mit der WM 2006 jedoch noch ein Highlight folgen. 

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Eigentlich hatte Zidane nach einer enttäuschenden EM 2004 schon seine Nationalteam-Laufbahn beendet. Ein Jahr vor der WM holte ihn Teamchef Raymond Domenech jedoch zurück in den Kader.

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Bei der Endrunde in Deutschland hatte der Spielmacher zunächst Probleme, seine Qualitäten abzurufen. Doch ab der K.o.-Phase startete er durch und führte Frankreich mit zwei Toren und ebensovielen Assists ins Finale.

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Auch dort trug sich Zidane per Elfer als Torschütze ein, ehe seine Karriere in der 110. Minute des Endspiels tragisch endete.

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Der Hitzkopf, der sich in seiner Laufbahn immer wieder Aussetzer leistete, beförderte Marco Materazzi mit einem plötzlichen Kopfstoß zu Boden. 

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Zidane sah Rot, Frankreich verlor das Finale im Elferschießen. Das verhängnisvolle Ende eines echten Virtuosen am Spielfeld.

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"Mourinho hat sehr viel Erfahrung als Trainer und hat mit großen Mannschaften und großen Spielern gearbeitet. Zidane hat erst letzte Saison in der ersten Liga begonnen, aber er ist ein Spieler gewesen und weiß, was wir jeden Moment brauchen, ob auf oder neben dem Platz."

Von Vorteil sei zudem, dass der dreifache Weltfußballer auch bei gegnerischen Fans ein gutes Image hat. Ganz im Gegensatz zu Mourinho, wie Pepe betont: "Wenn wir mit ihm auswärts gespielt haben, haben uns die Leute gehasst. Es waren drei Jahre und ich danke Gott, dass sie schnell vergangen sind."

Bester Punkteschnitt aller Real-Trainer

Momentan schwebt Zidane mit den "Königlichen" auf einer Welle des Erfolges, doch der Druck wird nicht weniger. In dieser Saison soll endlich wieder der Meistertitel her, nachdem Real nun vier Mal in Folge leer ausging. Dazu kommt die Herausforderung in der Champions League.

Mit aktuell 2,61 Zählern pro Spiel ist Zidane gemessen am Punkte-Durchschnitt schon jetzt der erfolgreichste Real-Coach der Geschichte. Die erfolgreiche Titelverteidigung in der Königsklasse würde jedoch alle Grenzen sprengen - so etwas gab es seit der Einführung der Champions League im Jahre 1992 noch nie. 

Die Trauben hängen hoch für "Zizou". Deswegen weiß er, dass alles schnell vorbei sein kann. "Vielleicht nimmt das alles in sechs Monaten ein ende. Deswegen versuche ich, jeden Moment, jede Trainingseinheit, die Atmosphäre und die Arbeit mit meinen Spielern so weit wie möglich zu genießen", erklärt der Coach. "Nur harte Arbeit wird uns Titel bringen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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