Casemiro: Reals unterschätzter Schlüsselspieler

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Seitdem er wieder mit von der Partie ist, hat Real sechs Siege in Folge gefeiert.

Mittelfeld-Abräumer Casemiro sorgt mit seinen Leistungen für Aufsehen. Zinedine Zidane war nach dem 2:1-Erfolg im „Clasico“ gegen Barca begeistert: „Er spielte eine fundamentale Rolle“, lobte der Coach den Brasilianer, der die Räume von Andres Iniesta und Lionel Messi einschränkte.

Auch im Champions-League-Viertelfinale gegen Wolfsburg soll Casemiro nun zum Matchwinner avancieren.


Benitez förderte ihn

Dabei ließ Zidane den 24-Jährigen anfangs kaum zum Zug kommen. Unter Vorgänger Rafa Benitez hatte er ein höheres Standing.

Letzte Spielzeit an Porto verliehen, erwischte der brasilianische Nationalspieler zurück bei seinem Stammklub einen hervorragenden Saisonstart.

Benitez setzte auf den Mittelfeldspieler. Der Nachfolger von Carlo Ancelotti erkannte, wie wertvoll Casemiro für Real sein kann. Denn der Mann, der 2013 um sechs Millionen Euro vom FC Sao Paulo zu Reals zweiter Mannschaft wechselte, ist der einzige klassische Sechser im Kader der „Königlichen“.

Mit ihm haben Kroos und Modric mehr Freiheiten

Kommt der Brasilianer zum Einsatz, haben die vor ihm spielenden Luka Modric und Toni Kroos mehr Freiheiten in der Offensive. Dazu tun sich mit ihm als Schutzschirm auch die Abwehrspieler leichter.

Genau deswegen meinten viele Experten schon in der letzte Saison, dass Casemiro das fehlende Puzzleteil im Real-Konzept sein könnte. Bei seiner Leih-Station in Porto sorgte er für genau jene defensive Stabiltiät, die dem „Weißen Ballett“ oft fehlte.

„Ich wurde letztes Jahr nach Porto verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. In dieser Saison wollte ich in Madrid natürlich mehr spielen. Meine Mitspieler und der komplette Stab des Vereins wissen, dass sie sich auf mich verlassen können“, so der neunfache Internationale.


Makeleles Nachfolger

Casemiro ist kein Mann, der sich in den Vordergrund drängt, sondern ein Kämpfer, der den Künstlern rund um Cristiano Ronaldo den Rücken freihält – sowie das einst Claude Makelele für den jetzigen Coach Zidane tat.

Genauso wie Makelele erfährt jedoch auch Casemiro häufig zu wenig Wertschätzung für seinen Job. Sein Problem: Er verkörpert die Antithese zu jenem glamourösen Image, das der Klub nach den Vorstellungen von Präsident Florentino Perez verkörpern soll.

Kritik an Benitez wegen Casemiro

Aus genau diesem Grund tut sich der 24-Jährige so schwer bei jenem Verein, zu dem er vor drei Jahren gestoßen ist. Förderer Benitez wurde zu Saisonbeginn aufgrund Casemiros Startelf-Nominierungen immer wieder kritisiert. Er würde zu defensiv spielen, warf man ihm vor.

Vor dem ersten „Clasico“ der Saison knickte der Coach vor den Kritikern ein. Erstmals nach acht Spielen setzte Benitez seinen einzigen echten Sechser wieder auf die Bank. Stattdessen durfte mit James Rodriguez ein zusätzlicher Offensiv-Künstler ran. Der Kolumbianer hatte sich erst Tage davor öffentlich über seinen fehlenden Stammplatz beschwert.

Was folgte, war eine mittlere Katastrophe. Die defensive Ordnung ging komplett verloren. Barca schoss Real im eigenen Stadion 4:0 ab.

Im „Clasico“ entscheidend

Ein halbes Jahr später zeigte sich im „Clasico“ mit Casemiro ein komplett anderes Bild. Die Katalanen bissen sich an der dicht gestaffelten Real-Defensive die Zähne aus. Dank einer starken Schlussoffensive gewannen die „Königlichen“ 2:1. Einige Medien kürten Casemiro zum "Man of the Match".


Auch Zidane wusste, welcher seiner Spieler in der Partie eine Schlüsselrolle einnahm. Der Franzose wurde mit dem Brasilianer zunächst überhaupt nicht warm, doch seitdem er auf den bescheidenen Mann aus Sao Paulo vertraut, zahlt es ihm dieser mit starken Leistungen zurück.

Gegen Las Palmas erzielte Casemiro zuletzt sogar seinen Debüt-Treffer für Real. Es war das 2:1-Siegestor in der 89. Minute.

Umgang mit Casemiro zeigt Unterschied zwischen Benitez und Zidane

Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet das Benitez-Liebkind, dem Zidane zu Beginn seiner Amtszeit den Stammplatz verwehrte, sorgt nun für die längste Siegesserie unter dem dreifachen Weltfußballer.

Gleichzeitig zeigt sich dadurch jedoch der große Unterschied zwischen den beiden Trainern: Zidane wird für seine Entscheidungen respektiert, sein Vorgänger bekam von allen Seiten Ratschläge um die Ohren geworfen. Vor allem Präsident Florentino Perez soll Benitez zu der ein oder anderen Sache gedrängt haben.

Unter dem ehemaligen Offensiv-Künstler Zidane könnte der Kämpfer Casemiro nun also endlich jene Wertschätzung bekommen, die Spielertypen wie ihm bei Real oft verwehrt wurde.

 

Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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