Österreich und Schweiz gegen transnationale Liga

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Die österreichische Bundesliga und die Schweizer SFL haben sich gegen eine gemeinsame Fußball-Liga ausgesprochen.

Die im letzten Jahr publik gemachte Idee einer "Alps Premier League" wurde geprüft, schlussendlich entschied man sich für eine Absage.

"Die Entscheidung ist in beiden Ländern einstimmig: Eine Umsetzung dieses Formats ist aufgrund einer Vielzahl an Faktoren nicht realistisch und zielführend. Man hat daher beschlossen, eine Umsetzung nicht weiter zu verfolgen", heißt es per Aussendung.



Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, sprach sich ebenso gegen diese Pläne aus.

"Die Swiss Football League ist der Ansicht, dass der aktuelle Modus in der Schweiz mit zehn Klubs die sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch beste Lösung darstellt. Auch weil die Liga derzeit im europäischen Vergleich (Zuschauerzahlen Rang 11, UEFA-Rang 12) sehr gut dasteht, unternimmt sie momentan keine Anstrengungen, über eine gemeinsame Meisterschaft mit einem anderen Land zu diskutieren", wurde Schäfer zitiert.

Statuten lassen Liga nicht zu

Auch die aktuellen Statuten vom Weltverband FIFA und des Europa-Verbandes UEFA würden einen Zusammenschluss zweier Ligen nicht zulassen. So wurden auch der skandinavischen "Royal League", die von 2004 bis 2007 von Clubs aus Dänemark, Schweden und Norwegen ausgetragen worden war, die internationalen Startplätze nicht anerkannt, sondern den nationalen Bewerben.

Probleme sehen die beiden Ligen neben der Vergabe der Europacup-Plätze auch bei der Abstiegsregelung, der Vermarktung und den unterschiedlichen Rechtslagen.

Die wesentlichen Gründe, warum die SFL und die ÖFBL ein derartiges Projekt aktuell nicht weiter vorantreiben, sind laut Aussendung:

FIFA & UEFA Regelungen

Die aktuellen Statuten von FIFA und UEFA lassen einen Zusammenschluss zweier Ligen nicht zu. Von den notwendigen Ausnahmebewilligungen durch den Welt- und Kontinentalverband darf nicht ausgegangen werden, wie auch die Vergangenheit bereits zeigte. Der skandinavischen "Royal League" wurden die internationalen Startplätze nicht anerkannt. Diese wurden weiterhin über die nationalen Bewerbe vergeben, womit die transnationale Liga als Lückenfüller für die langen Spielpausen in Skandinavien fungierte. Diese ablehnende Haltung gegenüber Ligen-Zusammenschlüssen bestätigten FIFA und UEFA erneut im Jahr 2012, als Russland und die Ukraine eine gemeinsame "Sovjet Liga" planten.
 
Die Statuten im Wortlaut:

FIFA: "Jede Konföderation hat folgende Rechten und Pflichten: […] dafür zu sorgen, dass es ohne ihr Einverständnis und die Einwilligung der FIFA nicht zur Bildung von internationalen Ligen oder anderen ähnlichen Zusammenschlüssen von Klubs oder Ligen kommt."
 
UEFA: "Ohne Bewilligung der UEFA dürfen keine Vereinigungen oder Gruppierungen zwischen UEFA-Mitgliedsverbänden bzw. zwischen Ligen oder Klubs, die mittelbar oder unmittelbar verschiedenen UEFA-Mitgliedsverbänden angehören, gebildet werden."
 
UEFA-Fünfjahreswertung

Aufgrund der Zusammenlegung würden internationale Startplätze verloren gehen. Mit Meisterschaft und Pokalwettbewerb hat die Schweiz aktuell fünf internationale Startplätze, Österreich ist mit 2016/17 mit vier Klubs vertreten. Selbst wenn man sich langfristig unter den ersten drei Plätzen der UEFA-Fünfjahreswertung positionieren könnte, würden zwei internationale Starter verloren gehen.
 
Die Annahme, dass jede Nation einen eigenen Cup spielt und diese von der UEFA mit jeweils einem internationalen Startplatz goutiert werden, ist äußerst fraglich. Dies insbesondere unter dem Aspekt, dass die UEFA erst vor kurzem das Reglement dahingehend geändert hat, dass ausschließlich Cupsieger einen Startplatz bekommen und nicht auch Finalisten, sofern der Cupsieger auch über die Meisterschaft international qualifiziert ist.
 
Des Weiteren besteht die Gefahr, dass international nur oder fast ausschließlich Klubs einer Nation vertreten sind, was nicht im Interesse aller Beteiligten wie bspw. Klubs, Fans und Sponsoren ist.
 
Abstiegsregelung

Es gibt keine Abstiegsregelung, die unter sportlichen Kriterien gewährleistet, dass die transnationale Liga früher oder später eine nationale Liga wird. Steigen, wie üblich, immer die Letztplatzierten der Liga ab, kann nicht verhindert werden, dass nach einigen Jahren ausschließlich Klubs aus einem einzigen Land an der Meisterschaft teilnehmen.
 
Ermittelt man die Absteiger anhand klar definierter Quotenregelungen, verzichtet man bei der Ab- und Aufstiegsfrage bewusst auf den sportlichen Grundgedanken. Selbst eine Mischform dieser Varianten reduziert zwar die Wahrscheinlichkeit, löst aber nicht die Grundproblematik einer nationalen Meisterschaft in der internationalen Liga. Gesamt betrachtet gehen alle Varianten zu Lasten der sportlichen Qualifikation.
 
Vermarktungspotenzial – Sponsoren & TV

Im ersten Moment scheint die einfache Rechnung logisch: legt man zwei Ligen mit zwei eigenen Märkten zusammen, erhöhen sich die Sponsoreneinnahmen aufgrund der erhöhten Reichweite.
Analysiert man beide Fußball-Märkte und die dort aktiven Unternehmen, wird jedoch erkenntlich, dass diese beiden Märkte sehr unterschiedlich sind. Die aktuellen Klub-Sponsoren sind in beiden Ländern großteils regional vertreten, die Liste an potentiellen länderübergreifend tätigen Unternehmen ist sehr überschaubar.
 
Banal gesagt: Ein lokaler Autohändler Bern wird kaum Interesse an Werbeflächen in Salzburg haben und noch weniger bereit sein, dafür höhere Preise zu bezahlen. Genauso verhält es sich mit großen national agierenden Unternehmen. Ob bspw. für die Trikotsponsoren der beiden Wiener Großklubs Werbung in der Schweiz strategisch wertvoll ist, darf ebenso bezweifelt werden, wie die Vorstellung, dass ein Unternehmen aufgrund eines Ligen-Zusammenschlusses den Eintritt in einen neuen Markt wagt.
Gleiches gilt auch für die aktuelle TV-Landschaft, die sich hinsichtlich Free- und Pay-TV in beiden Ländern ausschließlich auf den nationalen Markt beschränkt.
 
Zuschauerzahlen & Attraktivität der Liga

Einzelne Spielbegegnungen wie FC Basel gegen SK Rapid Wien haben zweifelsohne ein hohes Fanpotential. Andere Begegnungen allerdings wiederum weniger, die Anfahrtswege für Auswärtsfans wären größer und es würde weniger regionale Derbys geben.
 
Eine Prognose, dass eine Erhöhung der Zuschauerzahlen durch Erhöhung der Klubanzahl in der Liga resultiert, kann nicht generell getroffen werden. Dieser Schluss wird häufig mit dem internationalen Vergleich der Top-Ligen (!) argumentiert, die immer mit mehr als zwölf Mannschaften gespielt werden und dem Ergebnis, dass man nur zweimal gegen jeden Gegner antritt.
 
Eine derart isolierte Betrachtung und der daraus gewonnene Umkehrschluss, dass mit mehr Teams in einer Liga auch die Zuschauerzahl steigt, sind nicht zulässig. Zuschauerzahlen hängen vielmehr von vielen Faktoren ab:
- teilnehmende Klubs
- Infrastruktur/Stadien
- sportliche Situationen der einzelnen Klubs
- Wichtigkeit einer Spielpaarung (sportlich, emotional)
- Einzugsgebiet
 
Unterschiedliche Rechtslage

Wenn man die Unterstützung und den Willen hat, kann man die unterschiedlichen Verbandsbestimmungen aus Österreich und der Schweiz für den Profibereich anpassen. Mit der gesetzlichen Grundlage sieht es etwas schwerer aus. Unterschiedliche Arbeitsbedingungen und –rechte sind schwer zu überwindende Hürden für eine transnationale Meisterschaft.

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