"Der Respekt war unbegründet"

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Heimo Pfeifenberger kam, sah und siegte als Neo-Trainer des Wolfsberger AC.

Nachdem der 49-Jährige seinen früheren Nationalteamkollegen Didi Kühbauer bei den Wölfen als Trainer ablöste, feierte der Salzburger mit seinem neuen Team zwei Siege und ein Remis bei RBS.

Nach einer 0:1-Niederlage in Ried überwinterte der WAC zwar als Schlusslicht, doch der „Sunnyboy“ aus früheren Tagen ist im Kampf gegen den Abstieg guter Dinge.

Im Gespräch mit LAOLA1 spricht Pfeifenberger über das Frühjahr und frühere Jahre.

LAOLA1: In der Wintertransferzeit hat sich der WAC vornehm zurückgehalten. Spricht das für die Qualität innerhalb der Mannschaft?

Heimo Pfeifenberger: Die Qualität und der Charakter der Mannschaft sind gut. Wir können mit der Mannschaft absolut bestehen. Dafür brauchen wir neben Top-Leistungen auch eine Top-Mentalität. Wir wollten das Team nicht großartig verändern, weil wir das Vertrauen haben. Das trichtern wir den Spielern auch so ein, das sind keine leeren Phrasen. Didi Kühbauer hat mir ein Team hinterlassen, das funktioniert, sonst hätten wir im Herbst nicht sieben Zähler holen können. Die ersten drei Partien haben wir überzeugend gespielt uns nun auf 16 Endspiele vorbereitet, da bin ich sehr positiv.

LAOLA1: Was erwarten Sie sich von Ibrahim Bingöl?

Pfeifenberger: Wir haben ihn geholt, weil er ein kreativer Spieler ist und er uns gut tun kann. Natürlich muss er hart um einen Platz kämpfen. Der Konkurrenzkampf in der Mannschaft ist groß, es gibt nur ein paar Eckpfeiler, die gesetzt sind. Alles andere wird stets neu gemischt. Ich erwarte mir von Ibrahim spielerische Impulse, er ist läuferisch sehr stark. Defensivverhalten gehört sowieso dazu.

LAOLA1: Der WAC hat kurioserweise als Schlusslicht die zweitbeste Defensive der Liga. Geht es einzig und allein nun um die Offensive im Kampf gegen den Abstieg?

Pfeifenberger: Wir haben eine sehr gute Basis, weil wir eine sehr gute Defensive haben. Dennoch müssen wir natürlich unser Offensivspiel verbessern. In erster Linie geht es darum, effizienter zu agieren und druckvoll den gegnerischen Strafraum zu attackieren. Das sind die Schwerpunkte.

LAOLA1: Alle Vereine, die unten verwickelt sind, scheinen recht zuversichtlich.

Pfeifenberger: Jeder will seine Mannschaft pushen, das gehört dazu, das sind immer dieselben Spielchen. Aber es ist sicher entscheidend, wie ruhig es bleibt. Wenn das Umfeld, die Trainer ruhig bleiben und die Mannschaft das Vertrauen in sich hat, dann kann man das auch als großen Pluspunkt mitnehmen. Es sind eben nur noch 16 Partien zu spielen, du musst von Anfang an funktionieren.

Für mich ist das Umfeld entscheidend, nicht unbedingt, was den Verein betrifft, sondern vor allem das private. Welche Leute hat er um sich? Wer beeinflusst ihn? Für mich ist wichtig, dass der Spieler von einem positiven Umfeld beeinflusst wird. Das einem aber auch kritisch gegenüber ist. Es soll nicht nur Streicheleinheiten geben

LAOLA1: Der junge Christoph Rabitsch hat sich zum Stammspieler gemausert. Was ist nun wichtig?

Pfeifenberger: Solchen Spielern muss man natürlich in gewissen Phasen die Zeit geben. Aber er ist ein bodenständiger Bursch und bescheiden, weiß aber auch, was er will. Er wird nicht abheben, das ist schon einmal eine gute Voraussetzung. Sollte es schwierige Phasen geben, werde ich der Erste sein, der ihn total unterstützt. Ich schätze ihn aber als stabil sein und als gierig und hungrig, als jemanden, der unbedingt dazulernen will. Im Herbst hat er super gespielt, er hat das Level gehalten, das ist nicht selbstverständlich, weil es schnell gegangen ist. Das spricht für Qualität und Mentalität.

LAOLA1: Sie trainieren die älteste Mannschaft der Bundesliga. Ist es Ihnen wichtig, auch auf junge Spieler setzen zu können?

Pfeifenberger: Mir geht es nicht nur um die Jungen. Wenn ein Junger gut ist, spielt er bei einem Trainer sowieso. Ich freue mich sehr, wenn junge Spieler den Sprung schaffen und du ihnen die Chance geben kannst. Jeder Trainer will junge Spieler forcieren, aber wenn die Routinierteren besser sind, spielen die. Die Jungen müssen sich da reinkämpfen und noch mehr tun, damit sie in die Mannschaft reinkommen. Da zerbrechen aber viele.

LAOLA1: Woran liegt es, dass es junge Spieler nicht schaffen?

Pfeifenberger: Für mich ist das Umfeld entscheidend, nicht unbedingt, was den Verein betrifft, sondern vor allem das private. Welche Leute hat er um sich? Wer beeinflusst ihn? Für mich ist wichtig, dass der Spieler von einem positiven Umfeld beeinflusst wird. Das einem aber auch kritisch gegenüber ist. Es soll nicht nur Streicheleinheiten geben. Der muss sich auch durchbeißen. Es ist ein beinhartes Geschäft und da geht es um Arbeit im körperlichen wie mentalen Bereich. Die Routiniers helfen auch den Jungen, wenn sie das annehmen wollen. Das war früher auch nicht anders.

LAOLA1: Apropos: Wie war es bei Ihnen?

Pfeifenberger: Nicht anders. Ich war ein Bauernbub aus einem kleinen Ort und bin in die zweite Liga zu Salzburg gekommen. Ich habe mich am Anfang überhaupt nicht ausgekannt, nach einer gewissen Zeit wusste ich aber, worum es geht. Es hat dann auch nicht lange gedauert und ich bin zu Rapid gekommen. Dort habe ich mit Größen a la Heribert Weber gespielt. Der hat uns auch erzogen, was uns gut getan hat und deswegen sind wir relativ weit gekommen.

LAOLA1: Hätte der Trainer Heimo Pfeifenberger einen Spieler Heimo Pfeifenberger gerne bei sich?

Pfeifenberger: Das ist immer schwierig zu sagen. Ich schätze auch andere Charaktere, aber du brauchst Spiele mit gewisser Mentalität. Das taugt mir schon, wenn andere Spieler auch so ticken.

LAOLA1: Sprechen wir von der berühmten Sieger-Mentalität?

Pfeifenberger: Das ist das Um und Auf. Du musst rausgehen und dir etwas zutrauen. Als kleiner Bub fängst du mit dem Fußballspielen an, weil du Spaß daran hast. So soll es auch im Profi-Geschäft sein, aber es geht um konsequente Arbeit. Wenn dir eine Niederlage wurscht ist, bist du fehl am Platz!

Du musst rausgehen und dir etwas zutrauen. Als kleiner Bub fängst du mit dem Fußballspielen an, weil du Spaß daran hast. So soll es auch im Profi-Geschäft sein, aber es geht um konsequente Arbeit. Wenn dir eine Niederlage wurscht ist, bist du fehl am Platz!

LAOLA1: Sieger-Mentalität wird weniger den Österreichern , mehr den Deutschen zugeschrieben.

Pfeifenberger: So schlecht können wir in Österreich nicht sein. Es gibt genügend, die die mitbringen. Deutschland ist weit größer und der Konkurrenzkampf dementsprechend härter. Wir Österreicher haben auch eine gute Mentalität, um die uns die Deutschen teilweise beneiden. Weil du zum Fußballspielen auch eine gewisse Lockerheit brauchst. Wenn du das mit der Konsequenz mischen kannst, dann ist das ideal. Wir haben aktuell so viele Legionäre, der österreichische Fußball ist mittlerweile sehr begehrt. Das sind die Vorbilder für unsere Spieler, die in die Bundesliga wollen. Man darf es ihnen aber nicht zu leicht machen.

LAOLA1: Österreich hat viele Deutschland-Legionäre: Vor 20 Jahren, als Sie zu Werder Bremen wechselten, war das noch ganz anders.

Pfeifenberger: Absolut. Ich glaube, wir waren insgesamt sieben. Auch bei der WM 1998. Damals war der Respekt vor der deutschen Bundesliga bei mir auch sehr groß, obwohl ich fast 30 Jahre alt war. Als ich dann dort war, bin ich draufgekommen, dass dieser Respekt unbegründet war. Es ist heute wie damals etwas Besonderes und wenn man sich dann in Ländern wie Deutschland oder England durchsetzt, dann ist man schon ein Guter.

LAOLA1: Sie waren zu dieser Zeit, vor allem in Salzburg, absoluter Publikumsliebling und Mädchenschwarm: Werden Sie heute noch auf diese Zeit angesprochen?

Pfeifenberger: Die 94er Salzburg-Mannschaft ist noch immer sehr präsent, vor allem in Salzburg sehnen sie sich immer wieder nach so einer Mannschaft. Es war eine wunderschöne Zeit, aber es ist vorbei. Wir haben es miterleben dürfen, aber das ist Schnee von gestern. Natürlich ist es aber schön, wenn man immer wieder einmal darauf angesprochen wird.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler



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