"Dann sehe ich die Bundesliga gefährdet"

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Stefan Reiter gilt als einer der treibenden Kräfte der aktuellen Ligareform-Pläne.

Der Bundesliga-Aufsichtsrat weiß, dass es fünf vor zwölf geschlagen hat. „Wir haben Lösungen aufgezeigt. Wenn diese nicht angenommen werden, wird es wahrscheinlich einen kleinen Super-GAU geben“, warnt der Ried-Manager im LAOLA1-Interview.

Aufgrund des Wartungserlasses des Finanzministeriums kommen zusätzliche Belastungen auf die Profi-Vereine zu. Im nächsten Jahr könnte deswegen ein Lizenz-Fiasko drohen.

„Was machen wir, wenn plötzlich nur 15 Lizenzen für zwei Profiligen zur Verfügung stehen?“, erläutert Reiter das mögliche Szenario bei einem Scheitern der Reform.

Über die genauen Inhalte der möglichen Liga-Varianten wollte sich Reiter zum aktuellen Zeiptunkt nicht äußern. Darüber würden jetzt einmal die Vereine selbst informiert werden.

Trotzdem hat das Mastermind der SV Ried etwas zu sagen. Im LAOLA1-Interview erklärt Reiter, warum die Ligareform unverzichtbar ist:

 

LAOLA1: Am Sonntag wurde bei „Sky“ über die geplante Ligareform diskutiert. Unter anderem waren Bundesliga-Präsident Hans Rinner, Sturms Geschäftsführer Sport Günter Kreissl und ihr Aufsichtsrat-Kollege sowie Austria-Lustenau-Präsident Hubert Nagel zu Gast. Während der Sendung twitterten Sie ein wenig argwöhnisch „Versteht ihr jetzt, warum wir reformieren müssen!!!“. Was wollten Sie damit ansprechen?

Stefan Reiter: Wer die Sendung gesehen hat, weiß, was ich meinte.

LAOLA1: Können Sie das ein wenig konkretisieren?

Reiter: Ich habe mir die Sendung daheim auf der Couch angesehen, da wurde ich leicht emotional. Aber ich wollte niemanden anpatzen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich im Aufsichtsrat keinen „Grüßgott-Kasperl“ abgebe. Stattdessen will ich gemeinsam mit entscheidenden Leuten den österreichischen Spitzenfußball voranbringen. Wenn das nicht der Fall ist, dann war’s das für mich. Man wird dort als Person hineingewählt und nicht, um sich für die Interessen eines Klubs einzusetzen.

LAOLA1: Kann das als Kritik an so manchem Erste-Liga-Vertreter verstanden werden?

Reiter: Nein, ich spreche hier ganz allgemein, damit die Zugänge der Aufsichtsräte nachvollzogen werden können. Es gibt Topleute, wie beispielsweise die aktuelle Bundesliga-Geschäftsführung oder auch Präsident Rinner, die im Auge haben, was das Beste für die gesamte Bundesliga ist. Die Unterstellungen, dass ich für Ried im Aufsichtsrat sitzen würde, verwehre ich mir. Ich versuche, als Person Stefan Reiter den Fußball voranzubringen.

LAOLA1: Die Reform-Befürworter tendieren aktuell zum Format mit 12 Erstligaklubs und 16 Vereinen, die in einer halbprofessionellen zweiten Liga spielen. Müssten in diesem Fall die aktuellen Lizenz-Bestimmungen für die Profiliga verschärft werden?

Reiter: Selbsverständlich! Wenn ich mir ein Format wünschen könnte, dann eine 18er-Liga! Das wäre eine tolle Sache und das sehe ich als langfristige Zielsetzung. Momentan haben wir diese 18 Profi-Vereine, die höchste Lizenz-Anforderungen erbringen, aber nicht. Man darf diese Formate nie als in Stein gemeißelt sehen. Das ist ein Neustart, ein Schritt ins neue Jahrhundert für den österreichischen Profifußball, der sich jedoch immer weiter entwickeln muss.

"Das ist ein Neustart, ein Schritt ins neue Jahrhundert für den österreichischen Profifußball, der sich jedoch immer weiter entwickeln muss."

Reiter über die Ligareform

LAOLA1: Die langfristige Wunschvorstellung ist also, die 12er-Liga schrittweise zu erhöhen.

Reiter: Der Wunsch wäre es, gar keine Probleme zu haben. Dann würden wir es bei den zwei Zehnerligen belassen. Dazu bräuchten wir 20 Profi-Mannschaften. Haben wir die?

LAOLA1: Nein.

Reiter: Genau. An diesem Punkt sind wir gerade. Aufgrund der wirtschaftlichen Möglichkeiten gibt es momentan einfach nicht diese 20 Klubs. Es gibt keinen Zauberer, der den Vereinen Geld schenkt. Deswegen muss man den Klubs helfen. Am 1. Jänner wird der Wartungserlass gültig, ab dem Zeitpunkt müssen alle Vereine ihre Profi-Abteilungen in eine Kapitalgesellschaft auslagern. Da kommen zusätzliche Belastungen auf uns zu. Diese führen - gepaart mit den wirtschaftlichen Problemen, die jetzt schon viele Erste-Liga-Vereine haben - zu einer eindeutigen Diagnose. Was machen wir, wenn nächstes Jahr plötzlich nur 15 Lizenzen für zwei Profiligen zur Verfügung stehen?

LAOLA1: Das wäre der Worst Case.

Reiter: Genau deswegen greift der Aufsichtsrat schon jetzt ein, um diese Entwicklung zu verhindern. Darum soll die zweite Spielklasse auch eine Amateurliga werden. Diese Klubs müssen die Ausgliederung des Profibetriebs nicht mitmachen, sie können sich jetzt eineinhalb auf das neue Szenario vorbereiten. So schützen wir die Klubs davor, dass sie Geld raushauen, das sie gar nicht haben.

LAOLA1: Also ist der Wartungserlass die Ursache für die Ligareform.

Reiter: Nein. Wenn Sie ein Bankkonto haben, dessen Überziehungsrahmen bei 5000 Euro steht und sie schöpfen dieses Limit zur Gänze aus, dann ist die Frage: Sind die ersten 500 Euro im Minus schuld daran oder die letzten?

LAOLA1: Ich verstehe, was Sie meinen. Die Öffentlichkeit fragt sich aber natürlich, warum diese Ligareform jetzt so plötzlich und so schnell kommt?

 

"Alle glauben, wir haben uns vor zwei Wochen am Freitagabend beim Heurigen getroffen und uns das dort ausgeschnapst. Dem ist nicht so."

Die Reform sei kein Schnellschuss

Reiter: Das stimmt ja gar nicht. Alle glauben, wir haben uns vor zwei Wochen am Freitagabend beim Heurigen getroffen und uns das dort ausgeschnapst. Dem ist nicht so. Der Aufsichtsrat hat der Bundesliga-Geschäftsführung schon Anfang des Jahres einen klaren Auftrag gegeben. Diskussionen in diese Richtung gibt es schon länger. Diese Papiere wurden immer wieder evaluiert. Da sind einige Leute beteiligt, auch externe Experten. Umso später man damit an die Öffentlichkeit geht, umso besser. Denn dann wird alles zerredet.

LAOLA1: Welche infrastrukturellen Voraussetzungen werden die zwölf Bundesliga-Klubs erfüllen müssen?

Reiter: Über mögliche Änderungen der infrastrukturellen Lizenz-Bedingungen haben wir nicht gesprochen. Das ist ein anderes Thema. Natürlich wird es aber keine Übergangsfristen mehr geben.

LAOLA1: Muss nicht jeder Verein über mindestens so ein Stadion wie Ried verfügen, damit diese Liga funktioniert?

Reiter: Das wäre erstrebenswert. In der Vision Richtung des Jahres 2030 oder 2040 sollte das Mindeststandard sein.

LAOLA1: Aber muss das nicht viel früher passieren?

Reiter: Natürlich wäre das schön! Gewisse Sachen kann man von der Liga aber nicht steuern, da müssen die Vereine selbst auf die Kommunen zugehen.

LAOLA1: Auch die Liga könnte in diese Richtung etwas unternehmen, indem die infrastrukturellen Lizenz-Bedingungen verschärft werden.


Wäre die 12er-Liga wirklich sinnvoll? Die LAOLA1-Redakteure diskutieren über die Ligareform - mit mächtig Zündstoff: 


Reiter: Wir gehen aber vom Ist-Zustand aus. Wenn wir diese Kriterien erhöhen würden, würden nur sechs Mannschaften überbleiben. In der Schweiz wurde die Infrastruktur-Offensive nur mit massiver Unterstützung der öffentlichen Hand erreicht.

LAOLA1: Warum hat es von den kleineren Klubs in Österreich nur Ried geschafft, ein neues Stadion zu bauen? Mattersburg spielt beispielsweise schon seit dem Jahr 2000 im Profi-Fußball, dort hat sich seitdem fast gar nichts getan.

Reiter: Das müssen Sie in Mattersburg nachfragen. Wir sind damals Tag und Nacht gerannt, um Eigenmittel für das Stadion zu lukrieren und haben dieses Geld nicht in den Profi-Kader gesteckt.

LAOLA1: Im Zuge der Ligareform bleibt auch fraglich, was mit dem Unterbau passiert. Wird es unter der zweiten Spielklasse weiterhin drei Regionalligen geben?

Reiter: Selbstverständlich. Ich meine, das ist Sache des ÖFB, da werden wir uns nicht dagegen stellen. Mit der 16er-Liga in der zweiten Leistungsstufe bieten wir den Landesverbänden endlich die so lange geforderten drei Fixaufsteiger.

LAOLA1: Gibt es überhaupt 16 Vereine, die sich die Strapazen einer österreichweiten zweiten Spielklasse leisten können?

Reiter: Wir werden niemanden sterben lassen. Mehrkosten, die zum Beispiel durch Reisen entstehen, sollen gemeinsam mit dem ÖFB abgedeckt werden. Grundsätzlich haben wir zwei Zugänge: Die neuen Zweitligisten sollen keine Mehrkosten haben und die alten durch massive Kostensenkungen entlastet werden.

"Wenn wir die Maßnahmen nicht umsetzen, wird es nächstes Jahr massive Schwierigkeiten geben. Da sehe ich die österreichische Bundesliga wirklich gefährdet."

Reiter warnt

LAOLA1: Was passiert, wenn die Reform scheitert? Ist dann die ganze Liga gescheitert?

Reiter: Ja! Wenn alles beim Alten bleibt, dann muss man nächstes Jahr möglicherweise mit 15 Vereinen zwei Profi-Ligen füllen. Wie das gehen sollen, weiß ich nicht. Jedenfalls wäre ich dann nicht mehr dabei! Wir haben Lösungen aufgezeigt. Wenn diese nicht angenommen werden, wird es wahrscheinlich einen kleinen Super-GAU geben.

LAOLA1: Das heißt für mich übersetzt: Es herrscht Alarmstufe Rot.

Reiter: Dieser Ausdruck ist mir zu polemisch. Wir agieren vorausschauend und wenn wir die Maßnahmen nicht umsetzen, wird es nächstes Jahr massive Schwierigkeiten geben. Da sehe ich die österreichische Bundesliga wirklich gefährdet.

 

Das Gespräch führte Jakob Faber

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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