"Ich will Meister werden!"

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In Trainingszentrum des SK Sturm ist viel Betrieb. Am Tag unseres Gesprächs findet auch die Vorstellung des neuen Geschäftsführers Sport, Günter Kreissl, statt. Franco Foda kommt zum Termin im zweiten Stock und hat schon vorab etwas zu sagen. Er sei nicht einverstanden mit so mancher Berichterstattung und Fernsehauftritten von anwesenden Journalisten. Nachdem die Wogen kurz hochgegangen sind und man sich im Anschluss darüber verständigt hat, das alles ohnehin nicht persönlich zu nehmen, konnte das Interview beginnen.

Der eigentliche Anlass für das Gespräch ist ein Jubiläum. Foda wird kommenden Samstag 50 Jahre alt. Zeit, ein wenig zurück, aber natürlich auch auf die Gegenwart und in die Zukunft zu schauen. Das mache er am liebsten, sagt der Mainzer, nach vorne schauen. Und das Ganze mit ausschließlich positiven Gedanken. „Wenn ich eine Besprechung mache, fällt kein negatives Wort“, hält Foda fest. Viel dreht sich auch um das halb volle Glas. Vom halb leeren Glas will der Sturm-Coach nichts wissen.

Andreas Terler und Jürgen Pucher haben mit Franco Foda über mit dem Alter kommende Weisheit und die „Unplanbarkeit“ des Fußballs gesprochen. Außerdem über seine Ansicht, die Kritik der Fanklubs hätte gar nicht allzu viel mit seiner Person zu tun, sondern mit vielen anderen Faktoren. „Es herrscht eine Negativ-Stimmung gegen den Verein“. Und nicht zuletzt haben wir ihn nach Günter Kreissl gefragt, der kurz nach unserem Treffen einen Stock tiefer seinen ersten Auftritt für den SK Sturm haben sollte. „Derjenige, der jetzt hier neu kommt, muss das Vorhandene weiterentwickeln. Die Abläufe werden die gleichen sein“, sagt der Jubilar unter anderem dazu.

LAOLA1: Am Samstag werden Sie 50 Jahre alt. Machen Sie sich viel aus Geburtstagen oder speziell aus diesem runden Jubiläum?

Franco Foda: Ich freue mich über Geburtstage, aber das Alter spielt bei mir eine untergeordnete Rolle. Ich halte es mit dem Spruch: ‚Man ist nur so alt wie man sich fühlt‘. Mit 50 hat man schon eine lange Zeit hinter sich und wahrscheinlich eine kürzere vor sich. Aber das Leben ist dazu da, jeden Tag zu genießen, auch in schwierigen Zeiten.

LAOLA1: Wenn Sie eine Zwischenbilanz ziehen, sind Sie zufrieden mit Ihren ersten 50 Lebensjahren?

Foda: In 50 Jahren macht niemand alles richtig. Ich hatte schon relativ früh eine Karriere- und Lebensplanung. Ich war mit 18 Profi, wollte relativ schnell heiraten und eine Familie gründen. Familie steht bei mir an oberster Stelle und das war mir extrem wichtig. Mittlerweile bin ich 30 Jahre glücklich verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder, auf die ich stolz bin. Die Zeit als Spieler habe ich sehr genossen, habe aber auch schon voraus, an die Zeit danach, gedacht. Jetzt als Trainer ist das mit dem Genießen etwas schwieriger, weil das mit mehr Verantwortung verbunden ist. Alles in allem gibt es natürlich Dinge, die ich hätte besser machen können. Aber ich denke positiv und bei mir ist das Glas halb voll, nicht halb leer.

"Heute ist der SK Sturm, trotz der schwierigen Phase, noch immer einer der besten Vereine in Österreich"

LAOLA1: Es gab also schon früh den Wunsch eine Trainerlaufbahn einzuschlagen?

Foda: Ja, auf jeden Fall. Ich war in einigen Mannschaften Kapitän, musste Verantwortung übernehmen und da beschäftigt man sich mit diesem Thema intensiver. Ich habe Bürokaufmann gelernt, aber nach 18 Jahren im Fußball ist klar, dass es nur schwer möglich ist, in diesen Beruf zurückzukehren. Der SK Sturm hat mir die Möglichkeit gegeben im Jugendbereich und als Amateurtrainer zu beginnen. Und relativ bald ist es durch die bekannten Umstände 2002 dazu gekommen, erstmals als Cheftrainer zu arbeiten. Glück gehört dazu. Und wenn du am Anfang Erfolg hast, bist du im Geschäft. Viele Faktoren spielen also eine Rolle. Und mittlerweile habe ich ja auch von meinen 50 Jahren 20 in Graz verbracht.

LAOLA1: Das führt direkt zum nächsten Thema. Sie liegen mit 360 Spielen als Trainer nur noch elf Spiele hinter dem bis dato längstdienenden Sturm-Coach Ivan Osim. Bis auf ein kurzes Intermezzo in Kaiserslautern hat ihr gesamtes Trainerleben in Graz stattgefunden.

Foda: Intermezzo finde ich negativ besetzt. Wenn ich zum Beispiel eine Besprechung mache, gibt es nur positive Worte. Und in Kaiserslautern sind wir Dritter geworden, waren 16 Spiele ungeschlagen und beurlaubt worden bin ich auf dem vierten Tabellenrang punktegleich mit dem Zweitplatzierten. Wenn Sie sich den Klub heute ansehen: Er spielt gegen den Abstieg.

LAOLA1: Der Begriff Intermezzo sollte nichts Negatives ausdrücken, sondern ausschließlich einleiten, dass bis auf eine kurze Zeit in Deutschland Ihr Trainerleben in Graz stattgefunden hat. Wir wollten nicht thematisieren, warum Sie in Kaiserslautern entlassen worden sind, sondern fragen, wie sich das als Langzeittrainer bei einem Verein anfühlt? Können Sie sich überhaupt noch etwas anderes vorstellen? Geht Foda nur mit Sturm?

Foda: Nein, deswegen habe ich damals auch den Schritt nach Deutschland gemacht. Ich hätte auch zur Austria gehen können. Ich glaube jeder Spieler sollte ehrgeizig sein, aber auch jeder Trainer. Man soll sich Ziele setzen und meines war damals Deutschland. Das heißt aber nicht, dass man weggehen muss. Heute ist der SK Sturm, trotz der schwierigen Phase, noch immer einer der besten Vereine in Österreich. Egal ob ich vielleicht noch einmal weggehe, dieser Verein wird in meinem Herzen immer einen großen Platz haben. Und das Trainergeschäft ist kurzlebig. Wenn ein Trainer langfristig in einem Verein arbeiten darf, muss er froh sein. Gerade wenn es nicht gut läuft, ist die Rückendeckung extrem wichtig.

Die Spieler- und bisherige Trainerkarriere des Sturm-Coaches im Rückspiegel.

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Franco Fodas Profilaufbahn beginnt 1983 in Kaiserslautern. Über Bielefeld und Saarbrücken kommt der Libero 1993 zu Leverkusen, wo dieses Bild entsteht.

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Foda gewinnt drei Mal den DFB-Pokal. 1990 (1. FCK), 1993 (Leverkusen/siehe Bild) und 1997 (VfB Stuttgart).

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Stuttgart ist seine letzte Station in Deutschland. Nach einem kurzen Aufenthalt in Basel zieht es den gebürtigen Mainzer nach Österreich.

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Er landet in Graz beim SK Sturm. Im Sommer 1997 verpflichtet Präsident Hannes Kartnig neben Foda unter anderem Ranko Popovic, Joe Spiteri oder Tomislav Kocijan.

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In der Wintertransferzeit darf Foda mit Markus Schupp in der Steiermark einen Landsmann begrüßen.

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Fodas Einstand bei Sturm misslingt. Das Duell mit Wüstenrot Salzburg um den ÖFB-Supercup geht mit 0:1 verloren. (Tor: Aufhauser/78.)

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Dafür ist der schwarz-weiße Anhang wenige Tage später bei der Eröffnung des Arnold-Schwarzenegger-Stadions verzückt.

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Sturm schießt den Stadtrivalen GAK mit 4:0 ab. Es sollte der Startschuss für eine bemerkenswerte Spielzeit sein.

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Im gesamten Herbst gewint Sturm in 15 von 21 Runden und verliert nur einmal. Foda ist als Libero gesetzt. Die Winterkrone wird demenstprechend gefeiert.

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Am 13. April 1998 krönt sich Sturm in Runde 29 (!) mit einem 5:0-Heimsieg gegen Austria Wien erstmals zum Österreichischen Meister.

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Zur Feier der Teller-Übergabe wagt Foda ein Tänzchen mit Kollegen Popovic.

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Die Meister-Party Marke Kartnig - für die Spieler ein Genuss.

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Die Mannschaft 1999, mit der Sturm das Projekt Titelverteidigung startet.

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Die Schwarz-Weißen schaffen erstmals den Sprung in die Champions League. Foda läuft im Heimspiel gegen Real Madrid neben Robert Jarni (CRO) ein.

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Der Deutsche gilt als zuverlässiger Verteidiger. Manchmal gibt er nicht nur sein letztes Hemd, sondern auch die letzte Hose.

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Am Ende der Saison 1999 darf doppelt gejubelt werden. Es gelingt der Triumph in Cup und Meisterschaft.

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Das Finalspiel entscheidet Sturm gegen LASK im Elfmeterschießen für sich. Entscheidender Schütze: Franco Foda.

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Die Meisterschaft wird auf dramatische Art und Weise errungen. Hier jubelt Sturm über das 2:1 von Jan-Pieter Martens (90.+3) gegen GAK in Runde 35 - die Vorentscheidung zugunsten der Grazer.

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Der Belgier erhält besonderen Dank für seinen Treffer von seinem Abwehrkollegen.

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Ein 3:0 über den FC Tirol sichert der Mannschaft von Ivica Osim in der Schlussrunde endgültig Titel Nummer zwei und damit erstmals das Double.

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Der Schmäh rennt beim damaligen Krösus der Österreichischen Bundesliga.

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Man bewundert sich gegenseitig auf der eigens zusammengestellten Meister-VHS-Kassette.

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Titelsammler Sturm bekommt zu dieser Zeit nicht genug: Sieg im Super-Cup im Juni 1999 gegen den LASK (6:5 n.E.).

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In der Liga müssen Foda und Co. sich daraufhin aber der Konkurrenz aus Tirol beugen.

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Dafür erklingt erneut die CL-Hymne in Liebenau. Foda im Duell mit Dwight York von Manchester United.

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Die Grazer erreichen in der Gruppe mit Man. Utd, Marseille und Zagreb Platz drei und spielen im Europacup weiter. Dort folgt ein denkwürdiges Aus in Runde 3.

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Nach einem 1:2 auswärts gegen den topbesetzten AC Parma (Cannavaro, Thuram, D. Baggio, Di Vaio,...) führt Sturm in der Verlängerung 3:1 ehe Josef "Pepi" Schicklgruber eine Flanke von Mario Stanic laut Ansicht des Schiedsrichterteams hinter der Torlinie fängt. Die Aufregung - auch bei Foda - ist riesig, hilft aber nichts. Das Tor zählt, das Spiel endet 3:3 und Sturm scheidet aus.

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Im Folgejahr hat man international wesentlich mehr zu lachen.

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Das Teamfoto vor der Saison 2000/01. Die denkwürdigste CL-Saison sollte folgen.

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Foda und Kartnig buchen das Ticket für die Gruppenphase in Rotterdam.

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2:1 zuhause und 1:1 auswärts lauten die Ergebnisse. Danach wird angestoßen. Hier Foda mit Kocijan.

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Und mit der gesamten Mannschaft.

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Gewissenhafte Reisevorbereitung der Herren Strafner, Feldhofer und Foda. In der Gruppenphase geht es gegen Glasgow Rangers, AS Monaco und Galatasaray.

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Mit Foda auf der Bank bejubelt Sturm nach Heimsiegen gegen Galatasaray, Monaco und die Rangers ein 2:2 im Ali-Sami-Yen-Stadion, gewinnt die Gruppe und steht unter den besten 16 Klubs Europas.

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Der Empfang von Sturm in Graz nach diesem Sieg ist noch vielen Anhängern in Erinnerung. Anschließend scheitert man in der zweiten Gruppenphase an Manchester United, Panathinaikos und Valencia. Foda spielt keine Rolle mehr unter Osim, macht sein letztes Pflichtspiel für Sturm am 27. September 2000 beim 0:5 in Monaco.

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Foda bleibt aber in Graz und wechselt umgehend ins Betreuerteam von Ivica Osim.

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14. September 2002: Sturm verliert zuhause gegen den FC Kärnten 1:3. Es herrscht große Unruhe im Verein, Osim hat genug und beendet seine Tätigkeit in Graz unmittelbar nach dem Spiel.

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Poltergeist Kartnig befördert Foda zum Cheftrainer.

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Der Jungcoach darf unter anderem Millionen-Flop Charles Amoah trainieren.

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Das Trainer-Debüt ist erfolgreich. Sturm gewinnt in der 1. Runde des UEFA Cups gegen den FC Livingston aus Schottland mit 5:2 (Sturm-Tore: Wetl, Szabics, Dag, Mujiri/2). Erst in Runde drei kommt gegen Lazio Rom das Aus (1:3, 1:0).

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Foda - hier beim Beachsoccer im Jahr 2005 - muss nach der Saison 2002/03 wieder in die zweite Reihe und wird Trainer der Amateure.

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Nach einem großen Missverständnis namens Gilber Gress und einem verhinderten Abstieg unter Michael Petrovic wird Foda im Juni 2006 erneut zum Cheftrainer ernannt.

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Die Saison ist geprägt vom Konkursverfahren der Grazer, das mit einem Zwangsausgleich beendet wird. Eine schwierige Situation, die zusammenschweißt.

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Angesichts der finanziellen Probleme muss Sturm und damit Foda auf den eigenen Nachwuchs setzen.

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Nicht nur am, sondern auch abseits des Rasens bildet die Sturm-Mannschaft eine Einheit. Hier beim Verkauf von Sonder-Fanartikeln für die Rettung des Vereins.

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Sturm bekommt - wie Stadtrivale GAK - infolge des Konkursverfahrens einen Punkteabzug aufgebrummt.

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Ohne Punkteabzug wäre man Vierter geworden, so beendet man die Saison 06/07 auf Rang sieben. Der GAK steigt ab.

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In der Saison geht auch der Stern von Christoph Leitgeb so richtig auf. Er verlässt die Grazer anschließend Richtung RB Salzburg.

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Foda scheint sich damals mit Paul Gludovatz noch gut zu verstehen.

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Der Kader wird weiter verjüngt. Sturms junge Truppe sorgt auch 2007/08 für Aufsehen.

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Vielen Fans in Erinnerung bleibt der 15. September 2007. Die Grazer spielen wie entfesselt auf und zerlegen Rapid in Hütteldorf mit 5:1.

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Fodas Erfolge werden auch bei Trainer-Wahlen honoriert.

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Weitere Talente schaffen ihren Durchbruch. Jakob Jantscher zum Beispiel.

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Oder Daniel Beichler.

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Über Routinier Mario Haas kann sich Trainer Foda öfters freuen. Besonders, wenn er mit der Ferse trifft wie an diesem Abend in Wien-Favoriten.

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Foda - hier mit Ehefrau Andrea - hat überhaupt gut lachen in dieser Zeit.

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Erstmals wird er - wie hier auf einer GEPA-Montage - auch mit dem ÖFB-Teamchefposten in Verbindung gebracht.

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Nicht immer herrscht aber Einigkeit. Wie hier bei einer Busblockade der Fans nach einem müden 0:0 in Mattersburg.

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Das Team der Saison 2009/10. Trainer Foda wird am Ende über einen Titel jubeln dürfen.

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Davor wird aber einmal der Vertrag verlängert.

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Foda sieht nicht nur national Erfolgen entgegen.

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Dank eines 1:0-Sieges bei Metalist Kharkiv erreicht die Sturm-Truppe die Gruppenphase der Europa League.

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Foda kehrt dort als Trainer nach Istanbul zurück, neben Galatasaray heißen die Gegner Panathinaikos und Dinamo Bukarest. Sturm gelingt ein Sieg und ein Remis.

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Der Hauptsponsor - ein treuer Begleiter.

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2010 bahnt sich Sturm den Weg ins Cup-Endspiel. Unter anderem durch einen 2:0-Sieg im Liebenauer Schneetreiben gegen RB Salzburg.

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Foda beweist in dieser Zeit ein Händchen für anderswo aussortierte Spieler - zum Beispiel Klemen Lavric.

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In der Liga herrscht zwischendurch große Aufregung - wie hier beim Gastspiel bei der Austria. Stichwörter: Roland Linz und Abseits. Klingelts?

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In Klagenfurt wird ein paar Wochen später gefeiert. Sturm schlägt den SC Wiener Neustadt mit 1:0 und ist Cupsieger!

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Foda bejubelt seinen ersten großen Triumph als Trainer.

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Held des Nachmittags ist Goldtorschütze Lavric.

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Sturm bereitet sich beim Rafting auf die Saison 2010/11 vor. Nass sollte es auch am Ende dieser Spielzeit wieder werden.

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Foda bezieht sein neues Büro. Das Trainingszentrum in Graz-Messendorf zeigt sich nach der Renovierung runderneuert.

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Zur Saisonvorbereitung kann man unter anderem den FC Arsenal mit Star-Coach Arsene Wenger begrüßen.

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Sturm zählt vor der Saison nicht zu den ganz großen Titel-Favoriten.

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Als Cup-Sieger liefert man sich in der Europa-League-Quali einen packenden Fight mit Juventus. Ein gewisser Florian Kainz sorgt erstmals für Aufsehen. Sturm scheitert mit dem Gesamtscore von 1:3.

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In der Liga gibt es mehr zu jubeln. Unter anderem avanciert Roman Kienast nach seiner Heimkehr von Norwegen nach Österreich zum Top-Torjäger.

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Wenn er es für nötig hält - wie hier bei der Generalversammlung - ist Foda ein Mann klarer Worte.

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Am Feld wird darf er die Faust ballen. Sturm hat im Saisonfinale die besten Chancen auf den Titel.

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Die Vorentscheidung fällt an einem heißen Mai-Nachmittag in Wiener Neustadt.

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Vor tausenden Sturm-Fans gewinnen die Blackies durch ein Elfertor von Samir Muratovic.

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Wenige Tage später macht Sturm den Meistertitel perfekt. Foda ist am vorläufigen Trainer-Höhepunkt angelangt.

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Stolz präsentiert er den Fans den Meisterteller.

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Die Spieler verpassen ihrem Coach zunächst mehrere Bierduschen...

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...dann müssen die Haare ab!

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"Es schaut furchtbar aus!", meint Sky-Moderator Jörg Künne, als Foda anschließend zum Interview kommt.

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Der Gewinn des Titels wird auch in der Grazer Innenstadt voll ausgekostet.

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In der darauffolgenden CL-Quali will es nicht klappen. Endstation ist im Playoff gegen BATE Borisov.

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Als Meister tut sich Sturm in der Liga schwer, kann gestiegenen Erwartungen nicht erfüllen.

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Das vereinsinterne Klima wird angespannter. Zunächst deutet alles auf eine erneute Vertragsverlängerung hin, dann überlegt es sich Foda anders und will den Klub im Sommer verlassen. Laut dem damaligen Präsident Stockenhuber ist die von Foda geforderte Möglichkeit, jederzeit aus dem neuen Kontrakt aussteigen zu können, schuld.

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Foda ist daraufhin als Geschäftsführer Sport und Trainer in Personalunion im Gespräch, Sturm entscheidet sich aber für Paul Gludovatz als neuen Leiter.

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Fodas Ära endet aber früher als geplant. Nach dem 2:4 im Cup-Viertelfinale gegen Hartberg setzen die Verantwortlichen den Chefcoach vor die Tür.

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In einer improvisierten Pressekonferenz auf dem Parkplatz des Trainingszentrum erklärt sich Foda anwesenden Journalisten.

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Foda macht den Schritt in seine Heimat. Ex-Klub Kaiserslautern bestimmt ihn zum Chefcoach in Liga zwei.

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Die "Roten Teufel" kommen in die Relegation, scheitern dort an der TSG Hoffenheim. Anfang der Saison 2013/14 folgt das prompte Aus. Als Grund wird das zerrüttete Verhältnis Fodas zur Mannschaft genannt. 

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Als Sky-Experte kehrt er nach Österreich zurück und hospitiert zudem bei verschiedenen Vereinen.

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Ende September 2014 steht Sturm nach dem Wechsel von Darko Milanic ohne Trainer da. Die Schwarz-Weißen entschließen sich nach "Männergesprächen" zwischen Foda und Präsident Jauk zu einer Rückholaktion.

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Es ist eine überraschende Rückkehr, die nicht nur positiv kommentiert wird.

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Foda hat zu Beginn seiner dritten Amtszeit Erfolg.

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Das Team gibt erst im letzten Spiel der Saison 2014/15 Platz drei aus der Hand.

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Für die Saison 2015/16 wird dem Trainer so mancher Spielerwunsch erfüllt.

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Ein Schritt nach vorne ist nicht zu erkennen, zudem scheitert man in der EL-Quali an Rubin Kazan.

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Der Unmut über die sportliche Entwicklung in Graz wird mit Fortdauer der Saison größer. Die Kritik richtet sich auch an General Manager Gerhard Goldbrich.

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Die Fangruppen vermissen eine Entwicklung im Verein, stellen den organisierten Support schließlich im Frühjahr ein.

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Franco Foda zeigt sich davon nach außen hin unbeeindruckt.

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Der Auftakt in die Saison 2016/17 ist für eine runderneuerte Sturm-Mannschaft mit einem 3:1 gegen Salzburg geglückt. Auch das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans scheint wieder intakt. Foda hat noch Vertrag bis zum Ende der Spielzeit.

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LAOLA1: Aber gibt es diesen Traum, noch einmal nach Deutschland zu gehen?

Foda: Es muss ja nicht Deutschland sein. Vielleicht will man generell noch einmal eine andere Sache machen. Als Sportdirektor arbeiten. Als Spielerberater. Oder irgendwann einmal als Präsident vom Verein? Keine Ahnung! Früher habe ich immer versucht, vorauszuplanen, mich gefragt, was im nächsten Jahr sein wird. Heute lasse ich die Dinge auf mich zukommen. Ich gebe 100 Prozent in meiner Arbeit, ob das gut genug war, müssen die Verantwortlichen im Verein am Ende bewerten.

LAOLA1: Sie reden viel von positivem Denken, von Gelassenheit. Hat diese Saison bis jetzt Spaß gemacht?

Foda: Ja, mir macht die Arbeit immer noch Spaß. Da hat sich nichts geändert. Ich glaube, ich war in den letzten Wochen trotz der Umstände entspannt. Das habe ich im Laufe der Zeit dazugelernt. In schwierigen Phasen die Ruhe zu bewahren, von außen nichts an mich heranlassen und auf die Arbeit fokussieren.

LAOLA1: Rapid-Präsident Michael Krammer hat unlängst gesagt, es wäre sehr einfach gewesen in dieser Saison den Titel zu holen, weil alle Mannschaften nicht konstant waren. Gilt das mit Abstrichen nicht auch für den SK Sturm, wenn man nur die letzte Meistersaison als Referenz nimmt. Damals haben 66 Punkte für den Titel gereicht. Wäre da nicht auch für Sie mehr drinnen gewesen?

Foda: Das ist schon richtig, aber speziell mit der Meisterschaft 2011 kann man es nicht vergleichen. Damals war eine Mannschaft da, die zwei, drei Jahre zuvor zusammengehalten werden konnte. Außerdem haben wir uns punktuell zusätzlich verstärkt. Diese Saison haben wir allein im letzten Winter mit Michael Madl und Anel Hadzic zwei sehr wichtige Spieler abgegeben. Will man um den Titel spielen, darf man in der laufenden Saison keine Schlüsselspieler abgeben und braucht Kontinuität. Aber wir mussten das machen. Und wir hatten in dieser Saison außerdem ein sehr großes Verletzungspech. Zeitweise haben sechs, sieben Stammspieler gefehlt.

LAOLA1: Sie haben im Winter festgehalten, es brauche Verstärkungen, wolle man keinen großen Qualitätsverlust erleiden. Wenn man mit Präsident Christian Jauk spricht, hört man eigentlich immer, dass die Qualität des Kaders gut sei und es außerdem auch um die Einhaltung der Budgetdisziplin gehe. Gibt es da intern Reibungspunkte und unterschiedliche Sichtweisen zum Kader?

Foda: Fakt ist, es gibt da keine Reibungspunkte. Bei meinem Amtsantritt wurde klar definiert, dass wir uns immer an die Budgetvorgaben des Vereins halten müssen. Darum mussten wir aus Kostengründen im Winter Spieler abgeben, das war meine Information von oben. Nichtsdestotrotz haben wir zumindest in der Defensive mit Tasos Avlonitis den Madl-Abgang gut kompensieren können. Wir spielen außerdem in der gesamten Liga laut Statistik die zweitmeisten Torchancen heraus, das heißt es ist auch offensiv Qualität da. Und hätten wir diese ganzen Chancen genützt, die wir vorgefunden haben, hätten wir schon ein paar Punkte mehr.

"Das schwierigste im Fußball ist nun einmal, Tore zu erzielen"
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LAOLA1: Über die mangelhafte Chancenverwertung klagen mehrere Bundesligisten. Ist das tatsächlich der einzig ausschlaggebende Grund für den Misserfolg?

Foda: Wir haben wenig Tore bekommen. Wir haben viele Torchancen herausgespielt. Und das schwierigste im Fußball ist nun einmal, Tore zu erzielen. Das war sicher der Hauptpunkt. Von der Spielanlage war es großteils ok. Daher kommen auch Aussagen wie jene vom besten Auswärtsspiel der Saison, obwohl wir in Mattersburg verloren haben. Wir waren im Rückstand und der Gegner verteidigt mit zehn Mann. Trotzdem haben wir sechs klare Torchancen herausgespielt! So ein Spiel zu verlieren, ist extrem bitter. Dann haben wir auch gegen Salzburg sehr gut gespielt und kein Tor erzielt. Irgendwann nagt das am Selbstvertrauen. Die Spieler werden unruhig. Und dann machen wir plötzlich in drei Spielen acht Tore.

LAOLA1: Wieso plötzlich? Wenn die Spielanlage stimmt, dürfte das ja nur eine Frage der Zeit sein, bis man trifft.

Foda: Richtig, deshalb haben wir die vorigen Spiele auch teilweise positiv bewertet. Plötzlich deshalb, weil wir gegen Altach oder den WAC nur in Ansätzen so gespielt haben wie in Spielen davor über eine viel längere Distanz. Wir hatten in Spielen davor mehr Chancen, waren besser im Spiel und haben nicht getroffen. Wir waren in den vergangenen Spielen einfach effizienter.

LAOLA1: Wenn man diese Ausführungen nimmt, spricht das eigentlich für eine gewisse Unplanbarkeit des Fußballs.

Foda: Man kann Erfolg im Fußball bis zu einem gewissen Grad planen. Eine gute Kaderzusammenstellung und Vorbereitung, eine gute eigene Spielidee machen schon oft den Unterschied aus. Aber ganz vorne wird es schwierig. Der Trainer versucht, die Spieler ins letzte Drittel zu bringen, in die Box, Spielaufbau und so weiter. Aber in der letzten Zone ist entscheidend, was der Spieler macht. Spielt er den finalen Pass, macht er das Tor, hat er die Ruhe, ist er entschlossen. Das ist dann der Unterschied, ob du ganz vorne bist, Vierter oder im letzten Drittel der Tabelle.

LAOLA1: Diese psychologische Komponente ist also Ihrer Ansicht nach ein sehr relevanter Faktor im Spiel. Was kann man da als Trainer tun?

Foda: Ich würde es nicht unbedingt Psychologie nennen. Aber Fußball hat etwas mit Vertrauen zu tun. Nehmen wir unseren 4:1-Sieg gegen Altach. Wir führen 2:0, hatten das Spiel voll im Griff und dann gelingt dem Gegner ein Treffer. Der Gegner wird stark und meine Mannschaft fängt an, sich zurückzuziehen. Das ist ein Phänomen, das oft nicht erklärt werden kann. Das ist aber zugleich das Schöne am Fußball, es nicht erklären zu können. Insgesamt ist es wichtig, in all diesen Phasen ruhig zu bleiben und zu versuchen, der Mannschaft das Vertrauen zu geben. Bestes Beispiel: Bright Edomwonyi. Wir haben immer an ihn geglaubt, ihm das auch kommuniziert und im Training insgesamt als Mannschaft unseren Weg weiterverfolgt.

LAOLA1: Wenn Sie auch nach Niederlagen Ihren Weg konsequent und mit Ruhe weiterverfolgen wollen, helfen Sie sich dann selbst mit Aussagen wie "besser kann man auswärts nicht spielen", wenn man gerade verloren hat? Das Umfeld war zu dem Zeitpunkt ohnehin schon nicht mehr in allerbester Stimmung.

Foda: Ich bin nicht manipulierbar. Das ist wichtig, auch hinsichtlich der Authentizität. Man muss das sagen, was man denkt und fühlt. Ich war überzeugt, dass wir in Mattersburg in der zweiten Halbzeit unser bestes Auswärtsspiel gemacht haben und deshalb habe ich es gesagt. Die Analyse der Partie hat mich am nächsten Tag darin bestätigt. Genauso wie in der Analyse des Sieges gegen Altach vieles zu erkennen war, was absolut nicht gut war. Wenn solche Aussagen nicht gut ankommen, muss ich damit leben. Ich bin so. Ich kann auch damit leben, wenn die Fans das anders empfunden haben, solange das im Rahmen bleibt.

"Ich habe keinen Clinch mit den Fans"

LAOLA1: Wann ist es außerhalb des Rahmens?

Foda: Wenn es unter die Gürtellinie geht und persönlich wird. Transparente mit Kritik am einen oder anderen Punkt sind ok. Damit muss man im Profisport leben. Aber wenn einer sagt, Franco Foda setze nicht auf junge Spieler, nach all den Leuten, die ich beim SK Sturm schon herausgebracht habe, dann kann ich es eben nicht nachvollziehen. Aber ich akzeptiere es.

LAOLA1: Sie sagen, Sie lassen sich nicht von Ihrem Weg abbringen und auch von Fankritik nicht beeinflussen. Den Verein beeinflusst es aber schon, wenn es eine Situation mit den Fans gibt wie derzeit. Es gibt einen Zuschauerrückgang, der Aboverkauf läuft auch nicht gerade prächtig an, der Fanartikelverkauf geht zurück. Dieser Clinch mit den Fangruppen hilft niemandem.

Foda: Ich habe keinen Clinch mit den Fans. Aber ich gebe Ihnen Recht. Es gilt in einigen Dingen gemeinsam Lösungen zu finden.  

LAOLA1: Aber die Fans haben offensichtlich einen Clinch mit Ihnen.

Foda: Das Gefühl habe ich nicht.

LAOLA1: Warum regen sie sich dann so auf?

Foda: Wie ich es gehört habe, geht es bei der ganzen Angelegenheit um viele Dinge, nicht nur um meine Person. Es gibt von einigen Fans sehr viel Kritik, die mehrere Leute im Klub betrifft. Es gibt eine Negativ-Stimmung gegen den Verein.

LAOLA1: Aber glauben Sie nicht, dass die sichtbare Meinung der Fanklubs, die auch breit über das Kollektiv 1909 kommuniziert wird, negative Auswirkungen auf das gesamte Umfeld des Vereins hat?

Foda: Wir haben gegen den WAC 9.000 Fans gehabt. Die Unterstützung war toll. Von vielen Personen im Stadion, auch von Teilen der Kurve.

LAOLA1: Sie bestreiten aber nicht, dass es in den letzten Monaten einen massiven Zuseherrückgang gegeben hat, der das Budget des Vereins ziemlich belastet?

Foda: Im letzten Jahr ist der Zuschauerschnitt von 7.500 auf 10.000 gestiegen. Heuer haben wir 8.500, ob das das Budget belastet, kann ich nicht beurteilen. Ich kenne die Kalkulationen nicht im Detail.  

"Ich bin ein geradliniger Typ, der sich nicht beeinflussen lässt"
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LAOLA1: Wir sprechen über die derzeitige Situation. Und es ist schlicht nicht möglich, den Rückgang zu leugnen und es hat nichts mit der Situation vom Herbst 2014 zu tun.

Foda: Man muss immer das ganze Bild sehen. Wie kommt etwas zustande? Es ist ebenfalls nicht zu leugnen, dass mit Schick, Avdijaj und Kienast plötzlich drei Spieler gefehlt haben, die zusammen 20 Tore gemacht haben. Das sind keine Ausreden, das sind Fakten. Außerdem gibt es immer jene Spiele, wo viele Leute kommen und welche, wo generell weniger kommen.

LAOLA1: Kann man das Thema so zusammenfassen: Diese Kritik, die Transparente, das lässt Sie alles kalt. Sie arbeiten weiter und wenn der Erfolg zurückkommt, hört das ohnehin alles wieder auf?

Foda: Ich bin ein geradliniger Typ, der sich nicht beeinflussen lässt, aber dennoch kommunikativ ist. Man muss das tun, wovon man überzeugt ist. Sportlich für die Mannschaft kann das nur der Trainer entscheiden. Das hat nichts damit zu tun, ob mich das kalt lässt oder nicht. Wir müssen Lösungen finden, dass Verein und Fans wieder eine Einheit werden.

LAOLA1: Seit Dienstag ist der neue sportliche Geschäftsführer des SK Sturm offiziell Günter Kreissl. Was fällt Ihnen zu Ihrem neuen Chef ein?

Foda: Ich kann ihn noch nicht beurteilen, ich kenne ihn nur aus der Ferne. Wir haben bis jetzt erst einmal telefoniert. Ich kenne aber natürlich seinen Weg bei Wiener Neustadt. Aber wir werden in naher Zukunft die ersten Besprechungen haben.

LAOLA1: Glauben Sie, Ihre Arbeit wird sich stark verändern, wenn sie über sportliche Belange mit Günter Kreissl anstelle von Gerhard Goldbrich reden müssen?

Foda: Ich habe mit Gerhard Goldbrich gut zusammengearbeitet und so wird das auch mit Günter Kreissl der Fall sein.

LAOLA1: Das war nicht die Frage. Wir wollten wissen, ob Sie glauben, dass sich durch einen neuen Mann in der Verantwortung für Sie etwas ändert.

Foda: Die Abläufe werden die gleichen sein. Ich bin verantwortlich für die Mannschaft. So hat jeder seinen Bereich. Der Sportdirektor, Gerhard Goldbrich und ich. Alles ist ohnehin ineinander verzahnt und wir müssen als Team gut zusammenarbeiten, um erfolgreich zu sein.

LAOLA1: Was ist aus Ihrer Sicht der Bereich des Sportdirektors? Was sind seine Aufgaben?

"Ich glaube, es wurde schon viel getan und es gibt eine klare, etablierte Strategie"

Foda: Diese Frage kann ich nicht beantworten, da ich bei den Gesprächen mit Günter Kreissl nicht dabei war. Grundsätzlich ist es aber so, dass wir beim SK Sturm schon vor einigen Jahren eine Philosophie festgelegt haben. Wir wollen Ballbesitz, das Spiel gestalten und den Gegner früh unter Druck setzen. Das wurde auch in den Jugendmannschaften bereits gut eingeführt. Wir sind im ständigen Austausch mit dem Amateurtrainer und auch mit der Akademie. In der Akademie und im Jugendbereich sind die Ergebnisse nicht wichtig, es geht um die Vorbereitung auf die Kampfmannschaft. Derjenige, der jetzt hier neu kommt, muss das Vorhandene weiterentwickeln. Ich glaube, es wurde schon viel getan und es gibt eine klare, etablierte Strategie.

LAOLA1: Was war aus Ihrer Sicht der Hauptgrund für diese Änderung im Team? Der Verein hat das so erklärt, dass Goldbrich selbst darum gebeten habe, weil beide Bereiche zu viel seien. Im Februar hat Goldbrich im LAOLA1-Interview kein Wort darüber verloren, überfordert zu sein.

Foda: Ich denke, der Verein will einfach die ursprüngliche Struktur herstellen, die bei der Generalversammlung 2012 eingeführt wurde. Einen Geschäftsführer für Wirtschaft und einen für Sport. Gerhard Goldbrich hat mir in einem Gespräch mitgeteilt, dass die Fülle der Aufgaben zu hoch ist. Ich denke, das kann auch jeder nachvollziehen. Was der Präsident mit Goldbrich gesprochen hat, weiß ich nicht, da war ich nicht dabei. Über die Dinge haben wir nicht geredet. Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner. Das müssten Sie Herrn Jauk fragen.

LAOLA1: Einer der Lieblingsbegriffe von Präsident Christian Jauk ist „Karriereplattform". Wie füllen Sie diesen Begriff mit Inhalt?

Foda: Für mich ist Karriereplattform folgendermaßen zu erklären, dass immer wieder junge Spieler, wie jetzt Andreas Gruber und Sandi Lovric, in die erste Mannschaft integriert werden. Im besten Fall aus dem eigenen Nachwuchs und wenn das nicht möglich ist, sollen externe Spieler geholt werden, die sich beim SK Sturm entwickeln. Wie zum Beispiel früher Marco Djuricin oder aktuell Sascha Horvath. Oder noch früher eigene Leute wie Florian Kainz, Jakob Jantscher oder Sebastian Prödl. Irgendwann können solche Leute nicht mehr gehalten werden und sie werden weiterverkauft. Aber das ist kein spezifischer Weg für Sturm, das gilt für viele Mannschaften in Österreich.

LAOLA1: Inwiefern passt der Transfer von James Jeggo, der im Winter als Ersatz für Anel Hadzic verpflichtet worden ist, in diese Strategie?

"Ich glaube, mein Standing in Graz ist gut"
Foto: © GEPA

Foda: Wäre nur Hadzic weggegangen, hätten wir auf dieser Position niemanden verpflichtet. Wir hatten erst Handlungsbedarf, als sich Simon Piesinger in der Vorbereitung verletzt hat. Zuerst schaut man dann in den eigenen Reihen. Da gibt es ein paar talentierte, Romano Schmid oder Dario Maresic könnten dort spielen, die sind aber noch extrem jung. Wir wollten uns jedenfalls dort absichern. In Österreich war kein Spieler verfügbar, der finanziell in unseren Rahmen gepasst hätte. Die Scouting-Abteilung hat uns dann die Optionen innerhalb unserer Möglichkeiten vorgelegt. Für Jeggo hat gesprochen, dass er zwar nicht mehr ganz jung, aber noch in einem entwicklungsfähigen Alter ist und er ist in Österreich geboren. Dass das mit der Einbürgerung jetzt dauert, ist für ihn und uns sehr schlecht. Dadurch haben wir jetzt sieben Ausländer und nur sechs dürfen auf den Spielbericht.

LAOLA1: Weil Sie Romano Schmid angesprochen haben. Wie lange meinen Sie dauert es, bis er erste Einsätze in der ersten Mannschaft bekommen kann?

Foda: Schmid und Maresic waren diesen Winter schon mit im Trainingslager. Der Plan für die kommende Saison ist, dass solche Spieler, da gehören auch Philipp Seidl, Lukas Skrivanek oder Johannes Handl dazu, in der Kampfmannschaft mittrainieren und herangeführt werden. Es hängt natürlich auch von der Gesamtstrategie ab, wie wir das handhaben werden. Was haben wir für ein Budget, welche Ziele verfolgen wir? Setzen wir nur auf junge Spieler oder ist eine gute Mischung möglich? Das muss jetzt in Ruhe besprochen werden. Das wichtigste ist, dass diese Entscheidungen transparent nach außen kommuniziert werden.

LAOLA1: Das heißt die genaue Zieldefinition für die nächste Saison ist intern noch nicht festgelegt?

Foda: Soll ich Ihnen was sagen? Ich habe das Ziel Meister zu werden! Das habe ich immer. Man muss sich doch hohe Ziele setzen, auch wenn man sie nicht immer ganz realistisch einschätzt. Wenn man dann ein wenig darunter bleibt, bedeutet das nicht automatisch, man hat schlecht gearbeitet.

LAOLA1: Glauben Sie, sehr negative Ergebnisse in den letzten fünf Runden hätten für Sie persönliche Konsequenzen? Oder würden zumindest bedeuten, dass Sie schon angezählt in die nächste Saison gehen?

Foda: Ich mache mir keine Gedanken um meine Person. Abgesehen davon glaube ich, mein Standing in Graz ist gut. Ich habe noch ein Jahr einen Vertrag, von meiner Seite werde ich den einhalten. Bei einem Verein wie dem SK Sturm gibt es immer Gegenwind, das ist normal. Ich habe trotzdem noch keine Sekunde bereut wieder hier zu sein, obwohl mir damals einige abgeraten haben, weil die Erwartungshaltung enorm sein würde. Aber genau das wollte ich und deshalb bin ich zurückgekommen.


Das Gespräch führten Jürgen Pucher und Andreas Terler


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