"So haben wir eine größere Chance auf Erfolg"

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Und da saßen sie schon wieder und verkündeten eine Trennung.

Vor rund einem halben Jahr verabschiedeten Sportchef Christoph Freund und General Manager Jochen Sauer Adi Hütter bei einer Pressekonferenz. Der 45-Jährige war damals sogar anwesend.

Schließlich gingen die Parteien nach Saisonende einvernehmlich getrennte Wege. Dieses Mal ist es anders. Der Meister stellte Hütters Nachfolger Peter Zeidler nach nur fünf Monaten frei.

"Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, aber aufgrund der jüngsten Entwicklung sind wir zur Überzeugung gekommen, jetzt handeln zu müssen", erklärt Freund Donnerstagmittag.

Die Wahrscheinlichkeits-Rechnung

Neben ihm saß bereits der interimistische Nachfolger Thomas Letsch, der den Zweiten der Hinrunde in den letzten beiden Partien vor der Winterpause  gegen Mattersburg und Rapid betreuen wird.

Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für einen Trainer-Wechsel, wie Freund selbst zugibt. "Wir sind aber überzeugt, dass wir so eine größere Wahrscheinlichkeit haben, die Partien erfolgreich zu gestalten."

Das Vertrauen in Zeidler dürfte also komplett verloren gegangen sein. Auch der inoffizielle Titel der Herbstmeisterschaft hätte nichts an dieser Entscheidung geändert, bestätigt der Sportchef.

„Wir hatten einen schwierigen Saisonstart, in dieser Phase fehlten uns auch wichtige Spieler verletzungsbedingt. Danach haben wir in die Meisterschaft gefunden, aber ob der Leistungen in den letzten Wochen haben wir uns gefragt, ob wir dort hinkommen, wo wir hinwollen."

Name Nation Amtszeit Spiele Punkteschnitt
Thomas Letsch (interimistisch) GER Dezember 2015 0 0
Peter Zeidler GER Juni 2015 bis Dezember 2015 25 1,92
Adi Hütter AUT Juni 2014 bis Juni 2015 54 2,09
Roger Schmidt GER Juli 2012 bis Mai 2014 99 2,24
Ricardo Moniz NED April 2011 bis Juni 2012 65 1,97
Huub Stevens NED Juni 2009 bis April 2011 94 1,77
Co Adriaanse NED Juli 2008 bis Juni 2009 45 1,98
Giovanni Trapattoni ITA Juni 2006 bis April 2008 87 1,87
Kurt Jara AUT Juli 2005 bis Mai 2006 38 1,74

Freund gibt sich energisch

Die Frage wurde offenkundig negativ beantwortet, was zum frühesten Trainer-Aus in der Red-Bull-Ära führte. Nur Huub Stevens musste zuvor während einer Saison gehen – allerdings erst im April.

Dietrich Mateschitz, der am Dienstag beim 1:1 gegen den WAC im Stadion weilte, und Ralf Rangnick wurden über die Entscheidung der sportlichen Führung natürlich unterrichtet. Ersterer gab freilich seinen Segen, Zweiterer kam laut Sauer nur in den "Genuss" der Informationsübermittlung.

Mit Zeidler wurde nach dreieinhalb Jahren ein Rangnick-Intimus aus dem Verein verabschiedet.

Weil die Führung mehr an die Spieler als an den Trainer glaubte. Denn Kritik über die Zusammenstellung des Kaders kontert Freund für seine Verhältnisse energisch.

"Ich lasse nicht gelten, dass wir keine gute Mannschaft haben. Unsere Mannschaft hat Qualität und wir können mehr aus ihr herausholen", macht sich Freund mit den Aussagen zu Zeidlers Feind.

Hinteregger hatte nichts damit zu tun

Was die Personalie Martin Hinteregger angeht, gibt sich der Sportchef, der seit Sommer das Zepter schwingt, nicht weniger pointiert: "Das hat nichts mit dieser Entscheidung zu tun. Es ging alleine um die Entwicklung der Mannschaft, das war der alles entscheidende Punkt."

Sauer legte nach: "Ich möchte klarstellen, dass die Vereinsführung absolut hinter der Entscheidung des Trainers stand, Hinteregger für das Spiel am vergangenen Dienstag nicht zu nominieren."

Gerüchte, wonach Hinteregger am Sonntag angetrunken zur Regenerationseinheit gekommen sein soll, dementiert Freund: "Das stimmt nicht. Es wird jetzt auch keine weitere Konsequenz geben."

Thomas Letsch konnte den zum Problemboy verwandelten Teamspieler am Donnerstag bei dessen ersten Training noch nicht begrüßen, ein Pferdekuss macht dem 23-Jährigen zu schaffen.

Der 47-Jährige wird die nächsten zehn Tage Trainer der „Bullen“ sein, für das habe man sich „committed“, wie es Freund ausdrückt. Der ist sehr glücklich über das Ja von Letsch.

"Thomas ist seit drei Jahren bei uns, ist ein ausgewiesener Fachmann, der unsere Spielphilosophie umsetzt, mit jungen Spielern umgehen kann und in dessen Mannschaften immer eine gute Atmosphäre herrscht. Er ist sehr zielorientiert."

Nur bis Winterpause committed

Der neue Cheftrainer wurde am Mittwochabend informiert und nahm die Herausforderung an, zumal seine Mannschaften (FC Liefering und die Youth-League-Truppe) schon in der Winterpause sind.

"Eigentlich habe ich meiner Frau gesagt, dass es in nächster Zeit ruhiger wird", grinst Letsch, der ein klares Bild vor Augen hat: „Wir wollen kompakt sein, wieder dorthin kommen, dass wir aggressiv auftreten, etwas aktiver sind und auch gemeinsam sprinten. Damit beginnen wir im Training."

Letsch kam wie Rangnick und Zeidler 2012 nach Salzburg, auch er wurde fußballerisch im Schwaben-Land groß und bahnte sich in Salzburg seinen Weg von der U16 bis nun zu den ganz Großen.

"Mein Auftrag ist nun, das Maximale aus den beiden Spielen herauszuholen", sagt der Deutsche, der seit seiner Bestellung zwei Sätze mit Zeidler wechselte, aber das längere Gespräch noch suchen wird.

"Ich lasse nicht gelten, dass wir keine gute Mannschaft haben. Unsere Mannschaft hat Qualität und wir können mehr aus ihr herausholen."

Christoph Freund

Das erste Training lief gut ab: "Es war eine gute Mischung aus Lockerheit und Freude dabei, aber auch die Inhalte wurden mit der nötigen Sachlichkeit umgesetzt."

Was nach den Partien sein wird, ist offen.

Die Verantwortlichen haben weiter dasselbe Anforderungsprofil. "Wir wollen unserem Fußball treu bleiben, ihn wieder schärfen und mehr von ihm sehen. Die Ziele bleiben gleich", sagt Freund, der auch preisgibt, wie Zeidler reagierte: "Er war natürlich enttäuscht und war überzeugt, es hinzubekommen. Wir sind respektvoll umgegangen."

Dennoch ist Zeidler in Salzburg Geschichte, Gerhard Struber und Richard Kitzbicher bleiben indes im Trainerteam, Rene Aufhauser ist neu mit dabei. Ob im Frühjahr mit Oscar Garcia, Markus Gisdol oder einem anderen der möglichen Nachfolger ein neuer Coach das Zepter schwingt, steht in den Sternen.

Klar ist nur eines: Letsch ist der neunte Trainer im elften Jahr der Red-Bull-Ära.

 

Bernhard Kastler

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