Präsidiales Lob für die Jugendspiele 2012

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Mit der Premiere der Olympischen Jugend-Spiele im Jänner in Innsbruck steht Jacques Rogge vor einem seiner letzten Meilensteine in seiner noch bis Herbst 2013 dauernden finalen Amtszeit als IOC-Präsident.

Der 69-jährige Belgier lobte am Mittwoch in Lausanne die Vorbereitungen und sprach über seine Erwartungen für Innsbruck sowie seine Beziehung zu Österreich.

Schlussstrich unter Dopingskandal

Außerdem äußerte sich Rogge zur Rolle des IOC im politischen Umfeld. Er betonte zudem, dass die Gelder aus TV-Rechten und Sponsoring notwendig seien, um den Sport zu demokratisieren.

Unter den Dopingskandal von Turin will er aufgrund der unternommenen Anstrengungen Österreichs ein Schlussstrich gezogen sehen.

Frage: Was sind Ihre Erwartungen für die Olympischen Jugendspiele in Innsbruck?

Jacques Rogge: "Ich bin sehr optimistisch. Die Vorbereitungen sind perfekt gelaufen. Das Organisationskomitee hat gut gearbeitet und wir hatten große Unterstützung durch die öffentliche Hand. Die Österreicher lieben Wintersport und Innsbruck hat 1964 und 1976 die Winterspiele exzellent organisiert. Innsbruck hat eine einmalige Lage und tolle Sportstätten. Ich bin überzeugt, dass die Jugendwinterspiele eine großer Erfolg werden."

Frage: Wie definieren Sie 'Erfolg' für die Jugendspiele?

Rogge: "Den Erfolg sehe ich in den Augen der Athleten. Sie sind dann erfolgreich, wenn die Athleten glücklich sind. Wenn sie es sind, sind wir es auch. Das Olympische Dorf, das Transportsystem und die Wettkampfstätten sind dabei besonders wichtig. Das wird in Innsbruck problemlos funktionieren. Speziell bei den Sportstätten ist Innsbruck fast unschlagbar."

Frage: Wie sehen Sie die Zukunft der Jugendspiele?

Rogge: "Der Erfolg von Innsbruck wird ein wichtiger Gradmesser für zukünftige Bewerber. Ich glaube fest an die Zukunft der Jugendspiele, das weltweite Interesse ist groß. Ein gutes Zeichen sind auch die vielen Interessenten für zukünftige Ausgaben, es gibt derzeit zwölf potenzielle Bewerber."

Frage: Haben kleine Städte wie Innsbruck in Zukunft eine Chance auf die Ausrichtung der traditionellen Winterspiele?

Rogge: "Es stimmt, dass die Winterspiele gewachsen sind. Aufgrund der Anzahl der Teilnehmer und der notwendigen Wettkampfstätten ist es sicher schwieriger geworden, aber es ist immer noch möglich. Lillehammer mit 30.000 Zuschauern hat gezeigt, dass kleine Städte die Winterspiele im perfekter Weise durchführen können. Wir würden zukünftige Bewerbungen kleinerer Städte natürlich begrüßen."

Frage: Können die traditionellen Spiele etwas von den Jugendspielen übernehmen?

Rogge: "Wir werden in Innsbruck neue Bewerbe wie Slopestyle und Ski-Halfpipe erleben, das wird den Wettkämpfen einen speziellen Charakter geben. Wenn diese Neuheiten erfolgreich sind, können wir die spätere Aufnahme in das Olympia-Programm in Erwägung ziehen."

Frage: Was assoziieren sie mit Österreich und Tirol?

Rogge: "Gastfreundschaft, freundliche, lächelnde Menschen. Hohe Berggipfel voller Schnee und einen österreichischen Skifahrer, der diese Berge hinunter fährt. Ich war 1976 Chef de Mission im belgischen Skiteam, ich war damals am Patscherkofel. Meine Liftkarte hat nicht funktioniert und deshalb musste ich zu Fuß hinuntergehen. Es war sehr, sehr steil - beeindruckend. Ich denke aber auch an den Wolfgangsee, Hubert Raudaschl ist ein guter Bekannter von mir."

Frage: Neben diesen positiven Aspekten, gibt es etwa wegen des Dopingskandals von Turin auch negative Gedanken in Verbindung mit Österreich?

Rogge: "Das ist fünf Jahre her, man muss einmal einen Schlusslicht ziehen. Österreich hat danach eine gute neue Rolle übernommen, viele Anstrengungen unternommen und gesetzliche Verschärfungen auf den Weg gebracht. Ihr habt eure Lehren aus dieser unglücklichen Geschichte gezogen. Deshalb müssen wir darüber nicht mehr sprechen."

Frage: Wie sehen Sie die Kritik an der Kommerzialisierung der Olympischen Spiele?

Rogge: "Es gibt immer Stimmen die sagen: Olympia sollte ohne TV-Rechte und Sponsoring auskommen. So war es bereits einmal, vor 1960. Das hat dazu geführt, dass nur die Hälfte der Staaten teilnehmen konnte. Heute ist die Situation fairer und demokratischer. Ohne die Unterstützung der TV-Gelder und der Sponsoren könnten sie nicht teilnehmen. Wir müssen allerdings sicherstellen, dass das eingenommene Geld nicht missbräuchlich verwendet wird. Man muss den Geist der Spiele respektieren. Wir brauchen Geld um den Sport zu demokratisieren. Geld als eine Notwendigkeit, aber nicht als Ziel."

Frage: Sind politische Diskussionen vom IOC fernzuhalten?

Rogge: "Wir sprechen viel mit der politischen Welt. Wir brauchen sie, um den Sport zu unterstützen. Für Infrastruktur, zur Förderung von Sportclubs, im Kampf gegen Doping und illegale Wetten. Ja, wir diskutieren auf nationaler und internationaler Ebene mit politischen Entscheidungsträgern. Wir fragen nach ihrer Unterstützung, weil wir glauben, dass wir eine wichtige soziale Kraft sind, weil Sport viel Positives in der Gesellschaft beiträgt. Aber wir wollen nicht, dass die politische Welt den Sport in gewissen Fällen missbraucht. Einen Boykottaufruf etwa werden wir nicht unterstützen. Das heißt: Zusammenarbeit mit dem Sport, aber keine Manipulation durch den
Sport."

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