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Eine Fackel, die ganz Innsbruck erhellen soll

Es war ein klein wenig so, als wären sie ausgezogen, um das Friedenslicht aus Betlehem nach Österreich zu holen.

Ein Vergleich, dem sich angesichts des Termins und der antikwirkenden Kulisse des altehrwürdigen Panathinaikos-Stadions in Athen auch Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, nicht ganz verwehren konnte.

Tatsächlich aber war es das Olympische Feuer, welches die Delegation mit Verteidigungsminister Norbert Darabos an der Spitze knapp einen Monat vor Beginn der Winter-Jugendspiele in Innsbruck (13. bis 22. Jänner), die die ersten ihrer Art sind, einflogen.

Von Apollo bis Herkules

Schiebt man erwähnten vorweihnachtlichen Glitter einmal beiseite, bleibt eine gehörige Portion griechischer Mythologie.

So wurde die Fackel mittels Parabol-Spiegel durch das Sonnenlicht des Apolls von Hohe-Priesterinnen des Hera-Tempels – so zumindest die offizielle Bezeichnung der 18 anmutigen Damen – entzündet.

In rot-weiß-rote Gefilde gebracht wurde es im Anschluss von „Herkules“, einer Militärmaschine des österreichischen Bundesheeres.

Bei windigen 21 Grad

„Ich bin ein glücklicher Mensch“, meinte IOC-Präsident Jacques Rogge, der bei der Ansprache im Panathinaikos-Halboval sichtlich Mühe hatte, seine Unterlagen nicht dem Wind zu überlassen.

Glücklich zum einen, weil die Sonne wie auf Knopfdruck auf den Plan trat, um die Fackel zu entfachen, und zum anderen, weil er mit der Organisation in Innsbruck sehr zufrieden wirkte.

„Wir sind voll im Plan“, bestätigte auch Stoss. Der Vorarlberger war stolz darauf, dass ausgerechnet Innsbruck als erste Stadt das olympische Feuer zum dritten Mal (nach 1964 und 1976) in Empfang nehmen darf. Eine Ehre, die demnächst auch London zu Teil wird.

Land der kleinen Stadien

Freilich ist es bei der englischen Hauptstadt allerdings so, dass sie drei „große“ Spiele, also jene der Erwachsenen, ausgetragen haben wird.

Etwas, das Österreich womöglich nicht mehr so bald widerfahren könnte, denn wie Rogge bei der anschließenden Pressekonferenz erklärte, sehe er die Jugendspiele für mittelgroße Städte wie Innsbruck oder Lillehammer, wo die Winter-Jugendspiele 2013 stattfinden werden, konzipiert.

„Hier suchen wir keine Stadien mit 70.000 Plätzen“, unterstrich der Belgier, unter dessen Regentschaft die bislang letzten Sommer- bzw. Winterspiele an die Millionen-Metropolen Peking bzw. Vancouver gegangen sind. Von daher würde wohl Österreich dem IOC mehr als Organisator „kleiner“ Spiele ins Konzept passen.

Lange Stafette

In Innsbruck jucken solche Spekulationen im Augenblick freilich niemanden.

Schließlich werden in den kommenden 18 Tagen 2.012 Fackelläufer, darunter auch etliche Stars wie Gregor Schlierenzauer oder Sabrina Filzmoser, auf insgesamt 3.573 Kilometern durch 65 österreichische Etappenorte geschickt.

Diese sollen das Feuer letztendlich nach Innsbruck tragen, wo mit den Spielen auch ein Beitrag zur Völkerverständigkeit geleistet werden soll. In gewisser Hinsicht also doch auch ein Friedenslicht.

Aus Athen berichtet Reinhold Pühringer

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