Eisschnelllauf-Verband: Wo sind 300.000 Euro hin?

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Anfang Mai startete der heimische Eisschnelllauf-Verband (ÖESV) mit der Wahl des neuen Vorstandes in eine neue Zeitrechnung.

Eine, die mit der Aufarbeitung der Ära Manfred Zojer, der dem ÖESV mit Unterbrechungen über zwei Jahrzehnte lang vorstand, begann. Nachfolger Ernst Falger und sein Team waren in den bisherigen fünf Monaten damit beschäftigt, sich einen Überblick des Ist-Standes zu verschaffen.

Kein leichtes Unterfangen. Denn die Buchhaltung, welche von den Vorgängern hinterlassen wurde, kann als vogelwild oder schlichtweg systemlos bezeichnet werden. Unterm Strich ergibt sich jedenfalls ein verheerendes Bild.

Noch vor dreieinhalb Jahren verfügte der ÖESV über Rücklagen von knapp 230.000 Euro. Nicht nur, dass davon bei der Hof-Übergabe nichts mehr übrig war, kamen sogar Schulden zum Vorschein. Gemäß LAOLA1-Informationen hinterließen Zojer und Co. auf dem Konto ein Minus von rund 20.000 Euro sowie offene Rechnungen in Höhe von knapp 60.000 Euro.

Ein Stapel Rechnungen und 1,79 Euro

Seit Mai läuft die Bestandsaufnahme im Verband. Diese entpuppte sich zu einem Puzzle-Spiel.

Die Verantwortlichen fanden zwar eine Menge an Belegen vor, jedoch waren diese kaum zuzuordnen.

Es war das erste Mal seit Jahren, dass Verbands-Prüfer Einblick in die Bücher bekamen. Der Ordner wurde von Generalsekretärin Ute Hess mitsamt der Hand-Kassa des ÖESV übergeben. In dieser befanden sich gerade einmal 1,79 Euro.

Schleppende Aufarbeitung

Auch fünf Monate danach ist noch immer nicht klar, wo die ganzen Rücklagen geblieben sind. "Aus heutiger Sicht kennen wir nach wie vor keinen Grund, warum die Rücklagen überhaupt aufgelöst wurden", erläutert Spordirektor Michael Hadschieff.

"Es gab auch keinen Beschluss dafür. So wie sich das für uns anhand der Belege darstellt, hat der alte Vorstand katastrophal gewirtschaftet. Sie haben Mittel ausgegeben, ohne zu schauen, wie etwas zu finanzieren ist. Das Geld wurde verprasst", findet der Olympia-Zweite von Calgary 1988 deutliche Worte.

Noch immer sei man damit beschäftigt, "den Sumpf trockenzulegen". Zumindest das Jahr 2013 sei mittlerweile aufgearbeitet. Mit rechtlichen Schritten hat die ÖESV-Führung bislang zugewartet. Bereits bei der Vorstandssitzung am 19. Oktober könnte sich dies aber ändern.

Plumpe Ausrede

Einige der offenen Rechnungen, die zum Vorschein kamen, bezogen sich noch auf das Jahr 2013.

Den bereits zum Ende der Ära Zojer einsetzenden finanziellen Engpass - Trainer mussten teilweise seit Dezember auf ihr Geld warten - hatte der scheidende Langzeit-Regent mit einer Umstellung in den Förder-Modalitäten der Bundessport-Organisation (BSO) begründet.

Seit Beginn 2014 bekommen die Verbände die Gelder nämlich nicht mehr pro Quartal, sondern pro Monat, was laut der Argumentation Zojers bei einer saisonalen Sportart wie Eisschnelllaufen zu den finanziellen Schwierigkeiten geführt hätte.

Da die Abrechnungen mit der BSO aber bis 31. Dezember 2013 erfolgen mussten, lässt sich daraus schließen, dass der Engpass bereits davor bestand und Zojer nur eine plumpe Ausrede vorgeschoben hatte.

Verbands-Gelder verwendet

In einer Angelegenheit wird Zojer vom ÖESV aber bereits rechtlich belangt. Hadschieff hatte einst Klage gegen die Privatpersonen Zojer und den damaligen Kassier Herbert Rosner eingereicht, da ihm als Kassa-Prüfer die Einsicht in die Bücher verwehrt worden war.

Das Verfahren ging mittlerweile über zwei Instanzen, die beide Hadschieff recht gaben. Wie sich nun herausstellt, hatten Zojer und Rosner für die eigene juristische Verteidigung aber Verbands-Gelder verwendet.

Diese möchte sich der ÖESV nun per Gerichtsbeschluss wieder zurückholen.

Der notwendige Sparstift

Der neue Vorstand war sich der prekären finanziellen Situation von Anfang an bewusst. Die logische Konsequenz daraus war und ist ein strikter Sparkurs.

Ein Konkurs konnte abgewandt werden. "Der Betrieb ist gesichert", will Hadschieff den sportlichen Bereich keinesfalls vernachlässigt wissen.

Die Vorbereitungen auf die neue Saison sind voll im Gange. Die Eisschnellläufer, darunter auch Junioren-Weltmeisterin Vanessa Bittner, absolvieren im Oktober einen Trainingslehrgang in Inzell. Im November beginnt der Weltcup. Für die Short Tracker läuft dieses Monat ein Sichtungslehrgang.

Reinhold Pühringer

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