Hofer: "Der Aufwind machte das Problem"

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Der österreichische FIS-Renndirektor Walter Hofer hat sich am Tag nach der Neuansetzung des Tournee-Auftakts über die weiteren Aussichten und Varianten geäußert.

Außerdem sprach der langjährige Spitzenfunktionär über die Entscheidungsfindung der Jury und die vielfältigen Einflussfaktoren auf den Zeitplan.

Frage: Wie geht es Ihnen persönlich nach so einem Tag?

Walter Hofer: Einerseits steckst du in einer Funktion, du hast zu funktionieren und anderseits bist du eine Person. Du kannst dich bestimmten emotionalen Einflüssen natürlich nicht entziehen. Das heißt, es kann schon einmal passieren, dass du eine Nacht verbringst, in der du nicht schläft. Gestern war keine davon. In der Regel geht es nur darum, Aufgaben - ich sage nicht Probleme - im Sinne der Sportart zu lösen. Das ist der Leitfaden. Unsere Entscheidungen basieren ja auf Aussagen von Experten. Keine Entscheidung ist schwer zu treffen, wenn die Fakten am Tisch liegen. Da darf es keinen Unterschied machen, ob 25.000 oder 300 Leute dort unten stehen.

Frage: War der erst nach drei Stunden abgebrochene Bewerb in Oberstdorf eine Werbung für den Sport?

Hofer: Das muss man die Zuschauer fragen, ich kann es nicht beurteilen. Ich stehe auf der anderen Seite. Ich habe keinen getroffen, der verärgert war. Ich habe keine einzige Rückmeldung von einem verärgerten Zuschauer oder einem verärgerten Fernsehzuschauer.

Frage: Warum wurde die Veranstaltung am Montag wieder am Abend angesetzt?

Hofer: Wenn man am Vorabend so eine Verschiebung macht, dann tauchen logistische Themen auf. Das geht runter bis zu den Grundfesten einer Veranstaltung. Man muss auch für angenommene 10.000 bis 15.000 Zuschauer erst einmal die Logistik schaffen. Das hängt auch mit den Sicherheitsaspekten zusammen. Es endet dann mit der Information der Veranstalter, wann es für sie aus ökonomischen Gründen einen Sinn macht, so einen Wettbewerb nachzuholen. Das hängt auch mit Dingen zusammen, die nicht in unserer Hand liegen wie Vermarktungsrechte und Fernsehrechte. Die müssen ja auch koordiniert werden.

Frage: Gibt es Druck von Sponsoren und Vermarktern?

Hofer: Generell ist zu sagen, dass unsere Jury aus einem Finnen, einem Österreicher und einem Deutschen zusammensetzt ist. Ich nehme an, dass der Finne keinen Druck verspürt, wegen eines Vertrages, den der DSV vielleicht mit einer Vermarktungsagentur hat. Es erleichtert uns die Arbeit, dass die FIS nicht im Besitz der Marketing- und Fernsehrechte ist. Wir hatten letztes Jahr in Klingenthal zum Beispiel einen Wettkampf, den die ARD produzieren musste, obwohl sie selbst nicht mehr senden konnte. Würden wir Druck von Fernsehsendern verspüren, hätte das ja Einfluss auf Entscheidungen. In der Durchführung des Wettkampfes selbst hat mich noch nie ein Fernsehsender angerufen und mich um etwas gebeten.

Frage: Welche Rolle spielte der Wetterbericht bei der Neuansetzung?

Hofer: Gestern Abend bekamen wir die Information, dass heute Mittag die schwierigste Phase wäre, damit ist es logisch gewesen, auf den späteren Nachmittag zu warten. Dann geht es los damit, ob es für diese Zeit überhaupt einen Fernsehslot gibt, sind Fernsehanstalten bereit mitzumachen. Dann vergeht wieder Zeit, bis die Rechteinhaber das Okay geben, so hangelt man sich von einer Entscheidung zur anderen.

Frage: Gibt es Überlegungen, das Springen bei einer neuerlichen Absage in Garmisch nachzuholen?

Hofer: Es werden alle Möglichkeiten durchgespielt. Nur das Gefährlichste dabei ist, wenn man zu früh Möglichkeiten kommuniziert. Es geht nur, dass wir klare Entscheidungen vorplanen und dann auch treffen. Und zwar eine einzelne, damit alles auf diesen Punkt hingezielt werden kann. Gibt man für bestimmte Teilbereiche die Chance, zwei Optionen zu sehen, dann wird von einigen sofort in die eigene Richtung gearbeitet.

Frage: Was passiert, wenn es in Oberstdorf wieder nicht klappt?

Hofer: Dann kommt irgendwann das Prozedere in Gang, den nächsten Wettkampf vorzubereiten. Die Möglichkeiten engen sich immer mehr ein. Wir werden versuchen, den Wettkampf hier abzuwickeln. Wenn uns das gelingt, haben wir eine quasi normale Anreise nach Garmisch, wenn nicht, dann werden wir uns heute am Abend mit Oberstdorf und Garmisch zusammensetzen müssen und einen neuen Zeitplan erstellen. Aber der Zeitplan insgesamt kann nicht groß geändert werden. Der morgige Tag ist jedenfalls ein freier Tag. Alleine die Logistik sagt es, dass alles andere keinen Sinn hat.

Frage: Ist eine Nachtragung am Mittwoch in Garmisch denkbar?

Hofer: Wenn der Wettkampf heute nicht durchgeht, dann sind wir in der Lage, den Wettkampf abzusagen, aber ich bin nicht in der Lage, jetzt Prognosen für Zukunft zu stellen, weil ich nur für den sportlichen Teil verantwortlich bin, nicht für den logistischen.

Frage: Wann ist in Oberstdorf der spätestmögliche Zeitpunkt für die Durchführung?

Hofer: Das ist keine sportlich relevante Frage. Wenn wir eine Startzeit haben, ist die Jury ab dem Zeitpunkt angehalten, aus rein sportlichen Erwägungen zu fungieren. Man kann natürlich die Athleten nicht länger als drei Stunden dort draußen warm halten. Da gibt es dann irgendwann einmal ein Ende, das merkt man ja an der Stimmung und an der Atmosphäre. Da muss dann irgendwann eine Entscheidung getroffen werden.

Frage: Würde ein Windnetz in Oberstdorf Abhilfe schaffen?

Hofer: Wir hatten an keinem einzigen Tag in Oberstdorf eine Situation mit diesem am Abend auf jeder Schanze der Welt typischen Rückenwind. Es gab ausschließlich Aufwind, der machte das Problem.

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