Loitzl: Vom Tourneesieger zum Ersatzmann?

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Wenn als bestes Saisonergebnis ein 18. Platz zu Buche steht, wird es eng.

Vor allem im besten Skisprung-Team der Welt. Und vor allem bei nur sechs Startplätzen.

Wolfgang Loitzl, vor drei Jahren noch strahlender Tourneesieger und Weltmeister, sitzt nun am Schleuderstuhl.

Der ÖSV-Routinier muss gegen Michael Hayböck, der im Continental Cup führt, ins Duell um den letzten Tourneeplatz.

In Engelberg (27./28.12.) wird letztlich die Entscheidung fallen, wer neben Kofler, Schlierenzauer, Morgenstern, Koch, Fettner und Zauner noch den Sprung ins Team schafft.

Wie er mit dem internen Druck umgeht, warum es bei ihm nicht laufen will und er eine spezielle "Rückkehr" überlegt, erklärt der Steirer im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Wolfgang, du musst gegen Michael Hayböck ins Duell um den letzten Tournee-Startplatz. Eine schwierige Situation für dich?

Wolfgang Loitzl: Dass ich überhaupt noch die Chance auf die Qualifikation erhalte, ist für mich eigentlich wie ein Weihnachtsgeschenk. Das mit dem Ausscheidungsspringen ist sinnvoll und gegenüber Michael und mir auch fair. Wobei ich schon geglaubt hatte, dass ich zuhause bleiben muss.

LAOLA1: Zu Hause geblieben bist du ja heuer im Weltcup schon. Du hast Harrachov ausgelassen. Wieso?

Loitzl: Ich habe in der Zwischenzeit versucht, in Seefeld wieder meine Lockerheit zurückzugewinnen. In Lillehammer war ich zeitweise schon sehr verkrampft. Es ist sehr wenig von alleine gegangen. Es war ein Kampf und Krampf.

LAOLA1: Hast du diese Pause freiwillig eingelegt oder war sie auch bedingt durch den fehlenden siebenten Startplatz?

Loitzl: Es wäre die Frage gewesen, wie die Trainer entschieden hätten, wenn ich auf Harrachov bestanden hätte. Vielleicht hätte ich den Platz gekriegt. Aber ich weiß nicht, ob dieses Wochenende sinnvoll gewesen wäre. Ich wollte für Engelberg wieder frisch sein.

LAOLA1: Warum ist diese Saison derzeit ein Kampf und Krampf?

Loitzl: Es ist ein Resultat von vielen Faktoren. Natürlich ist es problematisch, wenn du als bestes Team der Welt nur sechs Startplätze hast. Dazu hast du im Kopf, dass Michael Hayböck im Continental Cup gut springt und laut am siebenten Startplatz anklopft. Das macht es nicht einfacher. Du bist immer gefordert und stehst selbst im Training unter Druck. Man will immer Leistung anbieten, damit man nicht in Frage gestellt wird.

LAOLA1: Welche Ursachen gibt es noch?

Loitzl: Es gibt ja das grundsätzliche Problem, dass wir vor Saisonbeginn keine Schneesprünge absolvieren konnten. Für den Einen ist das vielleicht kein Problem, da sein Paket im Grunde passt. Bei mir hat es aber gleich in Kuusamo schlecht angefangen, mit zwei Plätzen außerhalb der 30. Das war nicht unbedingt Werbung für mich.

LAOLA1: Wie gefährlich ist es, wenn man sich mehr auf andere konzentriert als auf sich selbst?

Loitzl: Das ist natürlich ein Problem und auch eine Sache, die wir eigentlich nicht haben wollten. Aber wir haben den siebenten Startplatz verloren, daher war klar, dass wir zu viele Springer für zu wenige Startplätze sind. Es ist nicht leistungsfördernd, wenn du mehr auf die anderen schaust, als auf dich selbst.

LAOLA1: Du hast ja schon seit längerer Zeit Probleme mit der Materialabstimmung. Hast du annähernd das perfekte Paket gefunden?

Loitzl: So wie vor drei Jahren, als es vom ersten Schneesprung an perfekt gepasst hat, ist es nicht. Damals habe ich keine Zeit und Energie mit solchen Themen verschwendet. Jetzt gibt es schon einige Probleme. Vor allem mit dem Schuh klappt es noch nicht ganz. Ich habe mich schwer getan, ihn einzuspringen, weil mir auch die Schneesprünge gefehlt haben. Es war alles nicht optimal. Solche Dinge solltest du im Sommer und Herbst erledigen.

LAOLA1: Du wirst im Jänner 32. Wird es im Alter schwerer, sich immer wieder zu motivieren, gerade dann, wenn es nicht läuft?

Loitzl:
Nein, das spielt eigentlich keine Rolle. Mir wäre es natürlich lieber, wenn es gut laufen würde. Aber ich war schon öfter in einer schwierigen Situation. Ich weiß daher, wo ich ansetzen muss, damit es wieder in die richtige Richtung geht. Natürlich habe ich im Kopf, dass die Zeit schnell vergeht und ich bei jedem Sprung etwas anbieten muss. Der Druck wächst da natürlich. Trotzdem glaube ich an meine Fähigkeiten und daran, dass ich meinen Platz verteidigen kann.

LAOLA1: Fehlt dir in so einer Situation auch eine Vertrauensperson wie „Nik“ Huber?

Loitzl: Ich hatte mit ihm einfach eine sehr angenehme Arbeitsweise. Ich weiß noch, damals vor meinem Tourneesieg, haben wir in der Ramsau trainiert. Bei mir lief es überhaupt nicht, aber jedes Mal als ich mit dem Lift an ihm vorbei gefahren bin, hat er gesagt: 'Egal, ich weiß, dass du gut springen wirst.' Er hat mich immer bestärkt und meinen Weg unterstützt. Ich bekomme zwar jetzt auch Unterstützung, aber Nik war schon ein spezieller Rückhalt.

LAOLA1:
Holst du dir noch Tipps bei ihm oder ist er als norwegischer Kombi-Chef zu beschäftigt?

Loitzl: Er hat schon genug zu tun (lacht). Zum Glück für ihn. Er hat großartige Erfolge bei den Norwegern. Wenn wir uns sehen, quatschen wir schon immer viel. Da geht es gar nicht so sehr um den Sport. Viele Leute haben mir geraten, dass ich wieder mehr Kontakt zu Nik aufbauen und auch wieder einmal eine Trainingseinheit mit ihm absolvieren sollte. Jeder hat natürlich im Hinterkopf, dass ich mit ihm meine erfolgreichste Zeit hatte. Vielleicht mache ich diesen Schritt.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

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