Dominanz mit System

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ÖSV-Adler: Dominanz mit System

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Geduldig Autogramme schreiben, Fotos schießen, einen lockeren Smalltalk mit den Fans führen, einfach ein Star zum Angreifen sein.

Alexander Pointner achtet penibel darauf, dass seine Adler nicht die Bodenhaftung verlieren.

Abheben ist nur auf den Schanzen dieser Welt erlaubt, arrogant sein oder sich gar für etwas Besseres halten strengstens untersagt.

Respekt wird groß geschrieben

„Die Athleten müssen sich und dem Umfeld immer mit Respekt gegenüber treten. Das wird bei uns ganz groß geschrieben“, verweist der 41-jährige Cheftrainer auf einen wichtigen Baustein seines Systems.

Schlierenzauer und Co. sollen ja nicht vergessen, dass es eine Zeit vor dem Ruhm und dem Hype gab und auch wieder geben wird.

„Darum ist es wichtig, nicht die zu vergessen, die uns schon unterstützt haben, als wir noch nicht so erfolgreich waren“, meint Pointner.

Seit 2006 im Steilflug

Wobei man schon etwas zurückblicken muss, um die weniger erfolgreiche Zeit zu finden.

Seit 2006 befinden sich die ÖSV-Adler nämlich im kontinuierlichen Steilflug.

Mit den Siegen bei den Olympischen Spielen in Turin wurde ein Ära eingeläutet, die von Triumphen, Rekorden und Trophäen geprägt ist.

Allein die Tournee-Statistik der letzten fünf Jahren ist beeindruckend, ja fast unheimlich.

Tournee fest in rot-weiß-roter Hand

Bei 15 der letzten 22 Tournee-Springen erklang am Ende die österreichische Bundeshymne, die nicht-österreichischen Sieger lassen sich an einer Hand abzählen (Ammann, Küttel, Ahonen, Hilde und Jacobsen).

In der Gesamtwertung dominiert seit 2008 ohnehin nur mehr rot-weiß-rot. Der mittlerweile zurückgetretene Ahonen ist der letzte Tourneesieger, der nicht Pointners Team angehörte.

Holt Gregor Schlierenzauer nun die Tournee-Krone, ist es der vierte ÖSV-Triumph in Serie. Ein weiterer Rekord.

Erfolg mit System

„Wir werden jetzt trotzdem nicht übermütig“, lebt Pointner das Understatement weiter vor, „man verliert die Bodenhaftung und Bescheidenheit, wenn man sagt: Wer will uns eigentlich Paroli bieten?“

Mittelfristig wird es aber wohl kaum einer Nation gelingen, den Österreichern wirklich gefährlich zu werden.

Zu weit gespannt ist Pointners Netz mittlerweile, zu gut ausgefeilt sein System.

„Mittlerweile hat sich ein gutes und flächendeckendes System etabliert“, ist der Tiroler stolz.

Stützpunkte als Erfolgsfaktoren

Die Basiskompetenzen, sprich Trainings-Übungen- und -Konzepte, hat Pointner in die Stützpunkte „ausgelagert“, die Athleten können sich daher in kleinen Gruppen individuell optimal vorbereiten.

Beste Beispiele für den positiven Effekt dieses Systems sind Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler.

Der Tourneeführende und sein schärfster Verfolger haben in Tirol mit Markus Maurberger ihren Vertrauenstrainer, der inzwischen auch offiziell beim ÖSV angestellt ist.

Viel Know-How in der Basis

Ähnliche Modelle gibt es in Kärnten (Morgenstern, Koch) und Salzburg (Loitzl, Zauner).

„Wir haben, verteilt auf Österreich, gute Keimzellen. In jedem Verein gibt es ein gewisses Know-How, die Arbeit dieser Leute ist extrem wichtig“, weiß auch Renndirektor Ernst Vettori.

Der Nachfolger von Anton Innauer, der 2010 zurücktrat, gibt zwar zu bedenken, dass „wir nicht so viele Springer wie Norwegen oder Deutschland haben, aber das System funktioniert“.

Konkurrenz "kopiert"

Es funktioniert sogar so gut, dass andere Nationen nach und nach ÖSV-Trainer abwerben und damit auch Know-How bekommen.

Werner Schuster brachte die Deutschen als Chefcoach zurück in die Erfolgsspur, Alexander Stöckl soll Norwegen wieder ganz nach oben führen.

Trotzdem, so sagt es der Volksmund, wird die Kopie nie so gut sein wie das Original. Und das ist gerade dabei, bei der Tournee den nächsten Meilenstein zu setzen.

Aus Innsbruck berichtet Kurt Vierthaler

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