Angst als ständiger Begleiter

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Morgensterns Vertraute begrüßen dessen Rückzug

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Er hat es getan.

Thomas Morgenstern beendete am Donnerstag im Hangar-7 zu Salzburg seine sportliche Laufbahn und zog damit nach knapp zwölf Jahren im Weltcup einen Schlussstrich.

 „Ich glaube, dass es die richtige Entscheidung ist. Wenn man ihm in die Augen schaut, sieht man, dass er glücklich ist und nichts nachweint“, erklärt der Nordische Direktor des Österreichischen Skiverbandes, Ernst Vettori.

Neo-Cheftrainer Heinz Kuttin schlägt in dieselbe Kerbe. Zwar habe sich sein Ex-Schützling die Entscheidung nicht leicht gemacht – der Weg zurück sei ein enorm harter gewesen -, doch findet der Kärntner auch: „Es ist ein schöner Tag, weil er eine klare Entscheidung für sich getroffen hat.“

Gelöst und erleichtert

Morgenstern wirkte gelöst und erleichtert. Der Druck, der in den vergangenen Wochen und Monaten auf ihm lastete, vor allem aber der Druck, den er sich selbst auferlegte, fiel ab. „Es überwiegt die Erleichterung“, fasst Papa Franz Morgenstern die neue Situation zusammen.

Die Familie sei froh, dass er sich für diesen Schritt entschied. „Es ist das Beste für ihn.“ Gerade für die Angehörigen war die jüngere Vergangenheit nicht immer einfach, es war immer ein ungutes Gefühl dabei, wenn Morgenstern Junior auf die Schanze ging.

„Klar hatte man Angst. Gerade, wenn blöde Bedingungen auf der Schanze waren, was doch relativ oft vorkam. Wenn du dann weißt, der Bub sitzt oben und hat im Hinterkopf die schweren Stürze, die er noch nicht verarbeitet hat, sorgt man sich“, berichtet Morgenstern Senior von nur allzu verständlichen Gefühlen.

Kuttin ahnte es längst

Kuttin, der vor etwas mehr als einer Woche in Innsbruck von Morgenstern um ein Gespräch gebeten wurde und dabei dessen Rücktrittsabsichten mitgeteilt bekam, hatte schon davor das Gefühl, nicht mehr lange dessen Trainer zu sein.

„Ich hatte seit einem Training in Planica, wo er den ersten großen Rückschritt gemacht hat, ein ungutes Gefühl“, meint der Ex-Weltmeister. Bis dahin sei alles gut verlaufen, die Sprünge seien immer besser geworden. Doch ab diesem Zeitpunkt war „Morgi“ auf der Schanze und im Kopf nicht mehr frei.

Die Herangehensweise wurde immer schwieriger, der Abstand zwischen den Einheiten länger. „Die Überwindung war extrem und in Innsbruck war es dann klar. Bei einem sehr guten Sprung hat er abgerudert, dabei wäre er eigentlich abgegangen.“

Ernst Vettori (l.) und Heinz Kuttin

Wie geht's weiter?

Die ÖSV-Adler müssen fortan auf einen langjährigen Leistungsträger, Publikumsliebling und Vorzeigeathleten verzichten. Ex-Cheftrainer Alexander Pointner bezeichnete den 27-Jährige gar als „Herz der Mannschaft“. Wie geht es ohne ihn weiter?

„Wir haben eine der Lokomotiven verloren, aber es gibt Gregor Schlierenzauer, der diese Rolle jetzt alleine einnimmt und versucht, die Leitfigur zu sein“, verrät Vettori.

„Er fehlt uns jetzt, wobei die Jungen, die in den letzten Jahren wenige Chancen erhielten, ab jetzt eine mehr haben“, versucht Kuttin das Positive hervorzustreichen. Beide sind sich einig, dass das rot-weiß-rote Skisprung-Team auch ohne den dreifachen Olympiasieger gut gerüstet ist.

Vettori rät zur Ruhe

Wie es mit ihm in Zukunft weitergeht, wusste Morgenstern noch nicht. Vettori: „Ich gebe ihm den Rat, sich auszurasten und zurückzunehmen, um von seiner Karriere zu regenerieren.“

Einen Rücktritt solle man nicht unterschätzen, viele seien in ein Loch gefallen. „Er sollte Dinge tun, die früher nicht möglich waren. Er darf endlich ohne Druck und extreme Zielorientierung leben. Das wird ihm gut tun.“

Sollte sich der Skispringer außer Dienst irgendwann dazu entschließen, seinem Lieblingssport in anderer Funktion treu zu bleiben, ist der ÖSV zur Stelle. „Es wäre sehr schön, wenn er etwas bei uns macht – in welcher Form auch immer.“


Christoph Nister

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