Stecher sauer: "Wer ist eigentlich der Cheftrainer?"

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Mario Stecher ist sauer.

Der Steirer fand im Aufgebot des ÖSV-Kombinierer-Teams in Kuusamo keine Berücksichtigung und ist zum Zuschauen verdammt, wenn der Weltcup-Tross am 29. und 30. November in Finnland in die WM-Saison 2014/15 startet.

"Ich brauche vom Trainerteam keine Dankbarkeit, aber ich brauche Rückendeckung", zeigt er im Gespräch mit LAOLA1 kein Verständnis für die Entscheidung von Cheftrainer Christoph Eugen und dessen Team.

Was ihndarüber hinaus noch stört, wie er mit der Situation umgeht und wie seine Pläne aussehen, verrät der 37-jährige Steirer im Interview.

LAOLA1: Mario, bei der Bekanntgabe des ÖSV-Teams für den Weltcupauftakt in Kuusamo fehlte ein großer Name – deiner. Kannst du dir die Nichtnominierung erklären?

Mario Stecher: Ja, das kann ich schon. Ich bin bekanntlich kein Frühstarter und brauche immer ein paar Sprünge. Es war definitiv so, dass ich oben (in Kuusamo) nicht gut genug war im Skispringen. Andere waren besser, deshalb starten sie auch. Die Frage, die ich mir stelle, ist, warum man ausgerechnet jetzt, nach so langer Zeit, erstmals eine Qualifikation macht. Das habe ich nicht verstanden.

LAOLA1: Hättest du dir als verdienter Leistungsträger der letzten Jahre erhofft, dass die Olympia-Mannschaft ein Fix-Leiberl bekommt?

Stecher: Man muss sich nichts vormachen, wir haben doch extrem viel für die Nordische Kombination in Österreich gemacht. Bieles und ich, wir sind schon ewig dabei und haben vielen Leuten im Team, gerade auch den Trainern, im letzten Winter die Stange gehalten. Wenn man betrachtet, dass wir vor vier Wochen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden mit der Qualifikation, ist der gesamte Ablauf, den ich über das ganze Jahr in den Trainingsablauf einfließen lassen habe, beeinträchtigt. Wenn man weiß, dass gerade einer wie ich anfangs nie gut in Schuss ist, und ich immer meine Zeit brauche, kann man sich vorstellen, dass ich es dann mit der Brechstange versucht habe und es unrund gelaufen ist. Ich wollte auf höchstem Level hupfen, war aber verkrampft. In so einer Situation kann man nicht locker trainieren und es wurde schwerer statt leichter. Das ist nicht nur mir, sondern auch einigen anderen passiert. Das ist im Grund genommen kein Arbeiten und nicht okay.

LAOLA1: Du hast uns vor einigen Wochen gesagt, dass du Trainingsrückstand hast und Qualität vor Quantität stellst. Hat es  vorab kein Gespräch mit den Trainern gegeben, um mit dir als Spezialfall eine andere Regelung zu vereinbaren?

Stecher: Ich möchte keine Sonderbehandlung, aber ich glaube schon, dass sich eine Nationalmannschaft nicht umsonst bildet. Wenn ich dann in dieser Mannschaft bin, glaube ich, dass sich jeder dieser fünf den Startplatz verdient hat. Es wurde nur ein einziges Springen gewertet und danach wurde die Aufstellung gemacht. Wie eingangs erwähnt, bin ich definitiv nicht gut gesprungen. Das ist so. Im Vorfeld einer Saison sollte man aber auch die nötige Ruhe haben und die hatte ich nicht. Das hat es schwierig gemacht.

Eugen und Stecher gewannen bei der WM 1997 gemeinsam Team-Bronze

LAOLA1: Gab es seit der Bekanntgabe ein Gespräch zwischen dir und den Coaches bzw. planst du ein solches?

Stecher: Wir reden normal miteinander darüber. Ich habe meine Meinung kundgetan, aber das ändert nichts. Es sind definitiv einige Junge sehr stark gewesen. Es hat mich aber geärgert, dass nicht die acht Besten nominiert wurden. Da muss ich mich fragen, wo ist der Cheftrainer und wer ist es überhaupt in unserem Team?

LAOLA1: Wer ist aus deiner Sicht der Chef?

Stecher: Das weiß ich nicht.

LAOLA1: Wirfst du Christoph Eugen fehlende Führungsqualitäten vor?

Stecher: Nein, das tue ich nicht. Ich werfe ihm aber vor, dass die Entscheidung nicht getroffen wurde, wie es ausgemacht war. Mir geht es darum, dass wir im Vorfeld nicht die nötige Ruhe hatten, um uns gescheit auf die Saison vorzubereiten. Wenn man im Mai mit dem Trainerteam einen Plan vereinbart, verwundert es mich, wenn vier Wochen vor Saisonstart - oder drei vor der Qualifikation - plötzlich gesagt wird, dass es eine solche gibt. Und dann gesagt wurde, dass die Kriterien dafür schon im Mai bei der Sportwarte-Tagung ausgehandelt wurden. Dort wusste man also schon, dass es eine gibt. Da bin ich echt enttäuscht, dass das nicht im Vorfeld gesagt wurde.

LAOLA1: Ihr Athleten wurdet nicht davon unterrichtet?

Stecher:  Davon haben absolut nichts gewusst. Auf Drängen von Bieler und Stecher haben wir vor drei Wochen in Oberstdorf davon erfahren.

LAOLA1: Hast du als Mann der klaren Worte dem Trainerteam daraufhin die Meinung gegeigt?

Stecher: Natürlich haben wir darüber diskutiert. Es war eine Entscheidung, die nicht das Trainerteam getroffen hat, sondern die bei der Sportwarte-Tagung gefällt wurde. Ich weiß nicht, wer da dabei war und entschieden hat. Es war aber nicht so, dass es zu uns durchgesickert wäre.

LAOLA1: Du hast die Kritik am Trainerteam im letzten Winter angesprochen und dass ihr ihm den Rücken gestärkt habt. Siehst du diesbezüglich fehlende Dankbarkeit?

Stecher: Ich brauche vom Trainerteam keine Dankbarkeit, aber ich brauche Rückendeckung. Wenn man wie ich mit dem jetzigen Cheftrainer (Christoph Eugen, Anm.) von klein auf gut auskommt und er einem dann nicht die Stange hält, ist man enttäuscht.

LAOLA1: Betrachtest du die Situation als Vertrauensfrage?

Stecher: Logisch. Jeder weiß, dass ich länger brauche im Vorfeld einer Saison, um im Skispringen in Form zu kommen. Jeder weiß aber auch, dass ich immer da war, wenn es darauf ankam, und gute Leistungen gezeigt habe. Da hätte ich mir erwartet, dass die Nationalmannschaft fix vorqualifiziert wird. Man hatte ja zusätzlich noch drei Startplätze (plus zwei, die durch die Junioren Orter und Fritz gesichert wurden, Anm.). Meines Erachtens ist das ein bisschen bedenklich, zumal sich dann Leute qualifizieren, die nicht in den Top-8 waren.

LAOLA1: Muss man nicht andererseits auch Verständnis für das Trainerteam aufbringen, dich nicht zu nominieren, wenn du bei der Quali nicht in den Top-8 warst?

Stecher: Für das Trainerteam habe ich überhaupt kein Verständnis, weil das absolut nicht die Entscheidung ist, die ich von einem solchen erwarte. Da hätte ich für meine Leute gerade stehen müssen, auch wenn sie mal etwas schlechter sind. Das ist aber definitiv nicht passiert. Ich brauche keine Geschenke, denn die habe ich noch nie bekommen und mir alles selbst erarbeitet. Ich bin daher auch überzeugt, dass es diesmal wieder so sein wird. Ich war definitiv am Tag X zu schlecht und hoffe, dass ich die Zeit jetzt nutzen kann.

LAOLA1: Du legst jetzt deinen Fokus auf das Training und wirst voraussichtlich beim Heimweltcup in der Ramsau ein Weltcupticket erhalten. Wirst du nun noch härter trainieren, um es allen zu beweisen?

Stecher: Ich weiß noch nicht genau, wann ich wieder Skispringen kann. In Österreich sieht es ja noch nicht wirklich nach Winter aus. Es ist  geplant, dass wir noch einmal nach Rovaniemi fahren mit den Leuten, die sich nicht qualifiziert haben. Klar ist, dass ich meine Sprungform finden und mich verbessern muss. Wenn ich dann vorne dabei bin, mache ich mir über meine Langlaufform absolut keine Gedanken.

LAOLA1: Wie ist dein Befinden im Laufen?

Stecher: Ich war gesund und habe gut trainiert, daran scheitert es bestimmt nicht.

LAOLA1: Siehst du dich als angeschossenes Tier, das in dieser Situation besonders gefährlich ist?

Stecher: (lacht) Ich bin kein angeschossenes Tier, ich bin Mario Stecher. Wenn man mir die Rute ins Fenster stellt oder mich reizt, bin ich danach meistens noch ein bisschen besser. Ich bin davon überzeugt, dass es diesmal genauso sein wird.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.
 

Das Interview führte Christoph Nister


Was Cheftrainer Christoph Eugen zu den Vorwürfen sagt - am Samstag bei LAOLA1.at.

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