Gredler betont: "Habe nie gedopt"

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Als erster Sportler, den der ehemalige ÖSV-Betreuer Walter Mayer dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft Wien zufolge mit illegalen Doping-Mitteln versorgt haben soll, ist am Mittwochnachmittag im Doping-Prozess gegen Mayer der Ex-Biathlet Ludwig Gredler vernommen worden.

Der zweifache Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften und fünffache Teilnehmer an Olympischen Winterspielen versicherte, er habe "in meiner ganzen 20 Jahre langen Karriere" nie gedopt und damit auch niemals von Mayer etwas Verbotenes übergeben bekommen.

Von Razzia überrascht

Der 2008 vom aktiven Sport zurückgetretene Gredler, der inzwischen beim Österreichischen Skiverband (ÖSV) als Biathlon-Trainer tätig ist, erzählte sinngemäß, er sei aus allen Wolken gefallen, als während der Olympischen Winterspiele in Turin 2006 bei einer Razzia im österreichischen Mannschaftsquartier verdächtige Substanzen wie Blutbeutel und Hämoglobinmessgeräte sichergestellt wurden.

"Ich hätt' mir nie gedacht, dass jemand von uns ein Zeug mitgehabt hätte, etwas Verbotenes."

Perner bestätigte Fund

Er habe mit seinem damaligen Zimmerkollegen Daniel Mesotitsch während der Razzia noch "gescherzt", bis der damalige Trainer Alfred Eder sie ersucht hätte, ruhig zu sein, weil im Zimmer seines Mannschaftskollegen Wolfgang Perner etwas gefunden worden sei, gab Gredler zu Protokoll.

"Ich hab' das gar nicht geglaubt bis nach Mitternacht." Perner, 2002 in Salt Lake City Olympia-Dritter im Sprint, habe ihm auf eine entsprechende Frage mit folgendem Satz geantwortet: "Ja, sie haben was gefunden."

Spitzenleistungen ohne Doping möglich

Als Staatsanwältin Nina Weinberger dem 43-Jährigen das Buch des ehemaligen Sportmanagers und rechtskräftig abgeurteilten "Doping-Sünders" Stefan Matschiner vorhielt, demzufolge Spitzensport ohne Doping unmöglich sei und verbotene leistungssteigernde Praktiken zum Tagesablauf eines erfolgreichen Profisportlers genau so gehören sollen wie das Frühstücken, betonte Gredler: "Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Ich selber habe nie etwas Verbotenes gemacht in diese Richtung."

Mit modernen Trainingsmethoden wären "sportliche Spitzenleistungen bis zur Weltspitze" sehr wohl ohne Doping möglich, erklärte der Tiroler.

"Ich bin ein ehrlicher Mensch"

Die Frage der Staatsanwältin, ob er als aktiver ÖSV-Trainer im Zeugenstand unter Wahrheitspflicht zugeben würde, wenn er je gedopt hätte, bejahte Gredler: "Ich bin ein ehrlicher Mensch."

Walter Mayer habe er zuletzt "2006 oder 2007 auf der Rollerstrecke in Ramsau" gesehen.

Unterstützung für "Ramsau-Gruppe"

Dieser hätte mit seinem Trainingsplänen nie etwas zu tun gehabt.

Mayer habe - was den Biathlon betrifft - aber seines Wissens die "Ramsau-Gruppe" mit "Perner und Wolfgang Rottmann trainingsplanmäßig unterstützt", so Gredler.

Diese beiden Biathleten waren 2007 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf Lebenszeit von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden, weil man sie in Bezug auf die Vorgänge in Turin als des gemeinschaftlichen Gebrauchs von Dopingmittel bzw. verbotenen Methoden als überführt erachtete.

Zeugin belastet Mayer

Vor der Zeugenbefragung Gredlers hatte die ehemalige Lebensgefährtin des mitangeklagten Dachdeckers und Bodybuilders Karl Heinz R. Mayer belastet.

Die 45-jährige Frau, die R. im Jahr 2008 einer anderen Frau wegen verlassen hatte, bestätigte dessen Angaben, denen zufolge bei ihnen zu Hause EPO im Kühlschrank gelagert worden sei: "Ich hab' gewusst, dass was da ist und immer wieder was fehlt. Es sind Leute gekommen, und es war weniger da."

Auch hätten "Heinz und Mayer ganz offen über Doping geredet".

Zwei Mayer-"Besuche"

Einer dieser Abnehmer sei Walter Mayer gewesen, berichtete die Zeugin unter Wahrheitspflicht.

Ende 2005 oder Anfang 2006 (und damit unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Turin, Anm.) sei er ihres Wissens zweimal vorbeigekommen und habe etwas mitgenommen.

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