Aufmacherbild

Die Gewinner und Verlierer aus Lillehammer

Es war ein seltenes Vergnügen, das den Wintersport-Fans in Lillehammer zuteilwurde.

Im Olympia-Städtchen von 1994 trafen sich sämtliche nordische FIS-Sparten. Langläufer, Kombinierer und Skispringer waren bereits in Kuusamo gemeinsam, diesmal gesellten sich die Skisprung-Damen hinzu.

LAOLA1 war live dabei und fasst die Gewinner und Verlierer des Weltcup-Wochenendes in Norwegen zusammen. 

DIE TOPS 

Deutsche Kombinierer

Es ist schon sagenhaft, was die Mannen von Hermann Weinbuch - seit 1996 in Amt und Würden - auf die Schanzen und Loipen zaubern. Gewann zum Auftakt noch Johannes Rydzek, schlug in Norwegen die Stunde von Olympia- und Gesamtweltcup-Sieger Eric Frenzel. In Gelb befindet sich mit Fabian Riessle ein weiterer DSV-Athlet.

 

Mikko Kokslien

Der bislang einzige, der unseren Nachbarn in die Suppe spucken konnte, war Mikko Kokslien. Der 29-Jährige lag am Sonntag vor dem Langlauf zwar nur an 38. Position, sein Rückstand hielt sich mit 1:38 Minuten jedoch in Grenzen. Platz um Platz machte er gut, schließlich spurtete er Riessle im Kampf um den Tagessieg nieder und bescherte den Fans einen Heimsieg. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass ihn im Sommer ein Virus lahmlegte und er dadurch deutlich verspätet ins Training einstieg.

 

Iraschko-Stolz sprang aufs Podest

ÖSV-Skisprung-Damen

Was für ein Auftakt! Aus heimischer Sicht verlief das Wochenende richtig gut. Daniela Iraschko-Stolz fehlten nur 1,1 Punkte zum Sieg, die Steirerin landete hinter der slowenischen Premierensiegerin Spela Rogelj auf Rang zwei. Jacqueline Seifriedsberger durfte bei ihrem Comeback nach überstandenem Kreuzbandriss über Position sieben jubeln und Quereinsteigerin Eva Pinkelnig sammelte als 15. auf Anhieb Punkte. Einzig Küken Chiara Hölzl (Platz 22) war "überhaupt nicht zufrieden".

 

Michael Hayböck

Auf den Oberösterreicher ist einfach Verlass. In sämtlichen fünf Saisonbewerben landete der 23-Jährige in den Top-10, in Lillehammer wurde er mit seinen ersten beiden Saison-Podestplätzen belohnt und landete jeweils auf Rang drei. "Ich klopfe einen nach dem anderen runter und es funktioniert", erscheint sein Erfolgsgeheimnis auf den ersten Blick simpel. Hayböck hat im letzten Jahr hart an sich gearbeitet und wird dafür belohnt. Im Weltcup ist er als Gesamt-Fünfter bester Österreicher.

 

Gregor Schlierenzauer

Was wurde der 24-Jährige nicht kritisiert. Er sei in der Krise und für die Misere im ÖSV - vor Lillehammer gab es seit Jänner keinen Weltcupsieg - ebenso verantwortlich wie für das Aus von Ex-Cheftrainer Alexander Pointner. Der Tiroler blieb ruhig, richtete den Fokus aufs Wesentliche und wurde dafür belohnt. Am Samstag hatte er im ersten Durchgang das Glück des Tüchtigen und legte im zweiten eine "Schlieri-Bombe" nach. Das Resultat: Weltcupsieg Nummer 53 und Kritiker, die plötzlich verstummten.

 

DIE FLOPS 

Lukas Klapfer

Beim Steirer läuft's noch nicht. In Kuusamo wurde er wegen eines Frühstarts im Langlauf disqualifiziert, in Lillehammer durfte er im ersten Bewerb erst gar nicht auf die Loipe. Der Olympia-Bronzene von Sotschi mit der Mannschaft fiel bei der Equipment-Kontrolle durch. Sein Anzug war an der Hüfte einen Tick zu weit. Er war allerdings kein Einzelschicksal, denn auch Youngster Fabian Steindl durfte die 10 km nicht mehr in Angriff nehmen, er hatte eine etwas zu schmale Brust für den von ihm getragenen Anzug. Am Sonntag reihte sich Bernhard Flaschberger mit demselben Problem in diese Liste ein.

 

Bieler sorgte für das beste Ergebnis

ÖSV-Kombi-Team

Nicht nur in puncto Equipment lief es im österreichischen Kombinierer-Team nicht rund, auch aus sportlicher Sicht war Lillehammer nur bedingt eine Reise wert. Christoph Bieler (einmal Elfter) und Bernhard Gruber (einmal Zwölfter) sorgten für die besten Platzierungen. Während sich Bieler freute ("Ein Schritt nach vorne"), ortete Gruber Probleme. "Ich dachte zu Saisonbeginn, ich bin gut in Form. Jetzt geht es aber wieder in die falsche Richtung." Bis zum Heimweltcup in der Ramsau haben der Salzburger und seine Teamkollegen knapp zwei Wochen Zeit, um an der Form zu arbeiten. Zunächst bleiben sie aufgrund mangelnder Trainingsalternativen in Österreich bis Donnerstag in Norwegen.

 

Skisprung-Weltcup der Damen

Der Startschuss ist in Lillehammer gefallen, doch bis zum nächsten Bewerb dauert es eine gefühlte Ewigkeit. Erst am 10. Jänner findet der Weltcup auf der Miyanomori-Schanze in Sapporo seine Fortsetzung. 36 Tage Pause - für die Athletinnen eine Katastrophe. "Es ist zum Verzweifeln", erklärte Daniela Iraschko-Stolz. Hier muss sich die FIS dringend etwas einfallen lassen.

 

Norwegische Dominanz

Vorneweg: Hut ab vor den Leistungen der norwegischen Langlauf-Damen und -Herren. Diese Dominanz ist beeindruckend und das Resultat enorm harter Sommer-Arbeit. Für den Langlauf-Weltcup ist die Vorherrschaft der "Wikinger" allerdings wenig förderlich. Vierfach-Siege bei den Damen und Fünffach-Siege bei den Herren sind nichts Besonderes mehr. Stellt sich nur die Frage, wen - außer den Norwegern - eine nationale Meisterschaft mit internationaler Beteiligung noch vor den Fernseher lockt?

 

Thomas Diethart/Wolfgang Loitzl

So sehr sie sich auch reinhauen, es will derzeit einfach nicht klappen. Die beiden (Ex-)Tourneesieger springen ihrer Bestform weit hinterher und landeten am Sonntag nur auf den Plätzen 47 (Loitzl) und 50 (Diethart). Das Trainerteam um Heinz Kuttin reagierte und verordnete dem Duo eine Pause. Während der Rest der Truppe Mitte der Woche nach Nizhny Tagil in Russland reist, bleiben die beiden noch bis Mittwoch in Lillehammer, um mit der Trainingsgruppe II zu trainieren, ehe sie zuhause Kraft tanken sollen. In Engelberg sollen Loitzl/Diethart dann in den Weltcup zurückkehren.


Aus Lillehammer berichtet Christoph Nister

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»