"Panik bricht noch nicht aus"

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Sumann: "Mit guten Leistungen vorne festbeißen"

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In Ruhpolding will sich das ÖSV-Team für das mäßige Abschneiden bei der WM 2012 revanchieren.

Mittwoch Abend starteten bereits Lisa Hauser, Christina Rieder, Romana Schrempf und Iris Schwabl in der Staffel und erreichten mit Platz elf (0+4) das beste ÖSV-Ergebnis in der Geschichte.

Am Donnerstag (18.15 Uhr) geht es mit der Herren-Staffel weiter, die nach fünf Strafrunden in Oberhof einiges gutzumachen hat.

Blick nach vorn

"Oberhof war insgesamt sehr durchwachsen", stellte ÖSV-Trainer Remo Krug fest und gab die Devise für die kommenden Bewerbe aus: "In der Staffel wollen wir das Resultat von Oberhof vergessen machen und damit auch den fünften Platz im Nationencup absichern."

Für den Sprint am Samstag hofft er, dass sich auch Julian Eberhard und Christoph Sumann mit einem guten Ergebnis für den Massenstart am Sonntag qualifizieren.

Hoffen auf besseres Wetter

Nach seiner Trainingspause kehrt Österreichs erfolgreichster Biathlet - Christoph Sumann - in das Weltcupteam zurück.             

Der 36-Jährige, der Ruhpolding zu seinen Lieblingsstrecken zählt, belegt momentan Rang 36 im Gesamtweltcup.

Im LAOLA1-Interview spricht er über seine Ziele, die WM und verbesserungswürdige Schießleistungen.

LAOLA1: Du bist nun zurück im Weltcup-Team, welche Stimmung herrscht dort nach der schlechten Staffelleistung und den eher mäßigen Ergebnissen von Oberhof ?

Christroph Sumann: Die Stimmung ist ganz gut. Bei so vielen Rennen im Jahr kann es nicht immer nur positive Sache geben, damit können die Sportler umgehen. Es hat sicherlich einige Analysen gegeben, aber im Grunde muss man so ein Wochenende, das nicht so funktioniert hat, relativ schnell abhaken. Morgen steht das nächste Rennen auf dem Programm, da gibt es nicht viel Zeit, um zu trauern. Wir müssen nach vorne schauen.

LAOLA1: Seit dem guten Saisonstart ist ein Abwärtstrend zu beobachten, wie erklärst du dir das?

Sumann: Die gesamte letzte Saison haben wir besser geschossen und sind schlechter gelaufen als in der aktuellen Saison. Heuer können wir läuferisch ganz vorne mithalten, aber die Schussleistungen passen momentan nicht. Speziell in Oberhof bei sehr schwierigen Bedingungen hat man gesehen, wenn man nicht sauber am Schießplatz arbeitet, ist man gleich weg von der Spitze. Wir müssen auch im Wettkampf das tun, was wir im Training immer alle machen: Gut schießen. Läuferisch passt es, da sind wir alle in Schlagdistanz.

LAOLA1: Du hast gesagt, dass die Schießleistungen im letzten Jahr besser waren. Was hat sich denn im Schießtraining speziell verändert, kann man das auch am neuen Trainer festmachen?

Sumann: Das ist schwer zu sagen, ein anderer Trainer hat natürlich ein anderes System. Jeder Trainer arbeitet anders, im Konditionstraining wie auch am Schießplatz. Vielleicht ist es auch durch die höhere Belastung, die wir durch unsere schnelleren Laufzeiten haben, dass es dadurch einfach schwieriger wird. Vielleicht sind es auch die schwierigen Bedingungen, mit denen wir uns besser auseinander setzen sollten. Es ist schwer zu sagen. Es fehlt ein bisschen das Glück, die Abgeklärtheit, aber das wird sich hoffentlich in den nächsten Rennen wieder ändern.

LAOLA1: Du hast mal angeben, dass Ruhpolding zu den Top 3 deiner Lieblingsstrecken gehört.

Sumann: Das stimmt, ja.

LAOLA1: Warum bist du so gerne dort? Deine Ergebnisse sind ja bis auf einen Podiumsplatz (Dritter im Massenstart 2007, Anm.) eher durchwachsen...

Sumann: Es gibt Strecken, wo man sich einfach wohlfühlt. Da gehört Ruhpolding definitiv dazu, es passt einfach. Es ist immer sehr gute Stimmung da. Obwohl meine Ergebnisse nicht die besten waren - speziell im letzten Jahr bei der WM, die eine totale Niete für mich war - komme ich immer wieder gerne her, weil mir die Strecke einfach entgegenkommt. Letztes Jahr war ich nicht im Stande, bessere Leistungen zu bringen, weil ich körperlich total am Semmerl war. Heuer schaut die Sache schon wieder anders aus.

LAOLA1: Was macht die Strecke aus?

Sumann: Es sind keine ewig langen Anstiege und es gibt immer wieder lange Abfahrten, um sich wieder auszuruhen. Das kommt meinem Laufstil sehr entgegen.

LAOLA1: Was erwartest du dir von dem Wochenende in Ruhpolding, mit welchen Zielen fährst du hin? Siehst du es vielleicht auch ein wenig als Revanche für die verpatzte WM im letzten Jahr?

Sumann Auf jeden Fall, ich will mich natürlich rehabilitieren. Für mich ist es wichtig, dass ich jetzt die Trainingsleistungen umsetzen kann und die extremen Auf und Abs, die es bei mir im Dezember gegeben hat, zu beenden und Konstanz reinzubekommen. Es war vom Schießen und vom Laufer her bisher eher nicht zufriedenstellend. Jetzt will ich auf jeden Fall gesund bleiben und mich mit guten Leistungen vorne festbeißen. Es ist ja nicht mehr lang bis zur WM (7. bis 17. Februar in Nove Mesto, Anm.), die Zeit drängt. Speziell in den drei letzten Wettkämpfen vor der WM muss man sich gut präsentieren, um im WM-Team zu stehen.

LAOLA1: Fühlt man sich gekränkt, wenn man eine planmäßige Weltcup-Pause einlegt und alle von einem Rauswurf aus dem Team sprechen?

Sumann: Ich habe das relativ entspannt gesehen. Es war eine Falschmeldung, dass ich aufgrund von Leistungen aus dem Team eliminiert wurde. Mein Plan war schon im Mai, dass ich Oberhof aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre auslassen möchte und das habe ich heuer durchgezogen. Das wollte ich im letzten Jahr schon und bin dann wieder in Oberhof am Start gestanden mit sehr mäßigen Ergebnissen. Ich wollte die Zeit zum Training und zur Vorbereitung auf Ruhpolding und Antholz nutzen.

LAOLA1: Fühlst du dich jetzt bestätigt, nachdem die Bedingungen mit Nebel und Regen in Oberhof wieder so schlecht waren?

Sumann: Die Strecke selbst hat sich relativ gut präsentiert, aber nachdem wie jedes Jahr ein richtig schönes Tief über Oberhof gezogen ist, war ich nicht beleidigt, dass ich nicht oben war.

LAOLA1: Welche Vorteile ziehst du aus der Wettkampfpause?

Sumann: Ich habe die Zeit genutzt, um bei perfekten Bedinungen zu trainieren. Ich habe gezielt an meiner Laufform getüftelt, einige Einheiten am Schießstand absolviert und am Wochenende noch einmal zwei Testwettkämpfe gemacht. Ich denke, ich hab die Zeit sehr, sehr gut genutzt.

LAOLA1: Bereust du manchmal deinen Rücktritt vom Rücktritt oder überwiegt der Spaß?

Sumann: Die Motivation ist da, das Sommertraining hat sehr viel Spaß gemacht und Biathlon macht auch nach wie vor sehr viel Spaß. Wenn einige Wettkämpfe nicht so verlaufen, wie man sich das vorstellt, kommt schon hin und wieder die Frage auf: Wieso tue ich mir das noch an, warum habe ich den Stress nochmal auf mich genommen? Aber das sind Momente, die verstreichen wieder. Ich habe Ziele und bis jetzt habe ich das noch nicht bereut.

LAOLA1: Welche konkreten Ziele hast du noch?

Sumann: Definitiv konstanter werden und schauen, dass ich meine Leistungen bringe und dazu die WM, die vor der Tür steht.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Henriette Werner

LAOLA1: Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Sumann: Im Grunde genommen bin ich bisher nicht sehr zufrieden. Ich habe mir doch einiges mehr erwartet durch den guten Auftakt (Platz drei im Sprint von Östersund, Anm.). Vor allem mit den Auf und Abs bin ich sehr unzufrieden. Gute Rennen wechseln mit sehr schlechten Rennen. Es ist ärgerlich, dass ich die Trainingsleistungen nicht hundertprozentig im Wettkampf umsetzen kann. Ich weiß, dass ich nicht mehr in der Lage bin, ständig Bestzeiten zu setzen. Aber der Rückstand soll konstant bleiben. So konstant, dass man sich mit einem guten Schießergebnis trotzdem noch weit vorne platzieren kann.

LAOLA1: Hat man mit fast 37 Jahren Befürchtungen, aufs Abstellgleis zu geraten, wenn junge Athleten, wie jetzt die Eberhard-Brüder, aus dem IBU-Cup nach oben drängen und auch ein Daniel Mesotitsch zurzeit nur im IBU-Cup startet? Oder spornt das nochmal so richtig an?

Sumann: Ein bisschen Druck von hinten kann nur positiv sein, weil man sich dann mehr reinhängen muss. Aber aufs Abstellgleis… wenn ich merke, dass ich es nicht mehr drauf habe, die Qualifikationen nicht mehr schaffe oder nicht mehr mitgenommen werde, dann ist es Zeit zu gehen. Aber das ist momentan noch nicht der Fall. Ich weiß, dass ich mehr drauf habe, als ich bisher gezeigt habe. Die Panik bricht noch nicht aus.

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