Hirschers Servicemann: "Es ist ein beinharter Job"

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Edi Unterberger ist einer von Marcel Hirschers ganz besonderen Hintermännern.

Als Servicemann ist er für das wohl wichtigste Gut eines Skifahrers, das Material, zuständig. Zudem gilt er im Ski-Zirkus als eine Legende. Schließlich genoss er vor Jahren bereits das Vertrauen von Hermann Maier und war für dessen "Rakten" verantwortlich.

"Es ist ein beinharter Job, vor allem im Winter", berichtet Unterberger gegenüber LAOLA1 vom hohen Zeitaufwand, den sein Beruf mit sich bringt.

So wie früher, als man einfach vor dem Rennen ein Paar Ski gewachselt hat, ist es nicht mehr. "Was heute möglich ist, lässt sich mit früher nicht vergleichen. Was in den letzten Jahren weitergegangen ist, ist echt heftig."

Wie sein Vergleich zwischen Hirscher und Maier ausfällt, warum Vater Ferdinand Hirscher einen riesigen Anteil an den Erfolgen besitzt und er im Sommer überlegt hat, das Handtuch zu werfen, verrät Edi Unterbeger im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Wie kann man sich Ihre Arbeit im Team Hirscher vorstellen?

Edi Unterberger: Im Winter komme ich nicht zur Video-Analyse, da ich mit Arbeit an den vielen Paar Ski eingedeckt bin. Das ist eher im Sommer der Fall. Im Winter kommen laufend neue Ski nach, die muss ich herrichten. Da es so viel Aufwand ist, habe ich seit dieser Saison sogar einen Mitarbeiter, der mir dabei hilft. So wie jetzt bei der WM ist es viel Aufwand, da geht es echt Schlag auf Schlag. Marcel fährt die Kombi, nebenbei trainiert er Slalom und Riesentorlauf. Der Teambewerb kam auch noch dazu. Vom Zeitaufwand und der Arbeit her ist es schon hart.

LAOLA1: Wie sieht ein Renntag aus Ihrer Sicht aus?

Unterberger: Bei Teambewerb (Beginn 14:15 Uhr, Anm.) begann die Arbeit um 8 Uhr in der Früh. Im Zielbereich mussten wir uns organisieren, wo wir einen Skiraum bekommen. Am Vormittag waren noch Trainingsläufe geplant, bei denen Ski durchgetestet wurden. Dann richten wir laufend die Ski her. Um 13 Uhr waren wir fertig, um 14 Uhr war Start. Bei jeder Runde wurde telefoniert. Ferdinand (Hirscher, Anm.) sitzt zu Hause vor dem Fernseher und teilt uns seine Eindrücke mit. Das ist dann immer alles recht stressig, weil zwischen den Durchgängen nicht viel Zeit bleibt. Das Rennen war dann so um 16 Uhr aus, bis man wegkommt vergeht auch einiges an Zeit. Am Abend muss ich in den Skiraum und Slalom- und Riesentorlauf-Ski für die nächsten Tage vorbereiten. Wir haben außerdem neue Ski bekommen, die nachgeschickt wurden. Die müssen wir auch herrichten.

LAOLA1: Wer hat am Renntag das letzte Wort bezüglich Material?

Unterberger: Ferdinand mischt immer ordentlich im Hintergrund mit. Das ist eine gemeinsame Entscheidung. Schlussendlich sagt Marcel aber, was er fahren will. Wir machen es immer so, dass wir vor dem Rennen noch Ski testen. Das Material, das alle für das beste halten, wird noch einmal durchprobiert und für das Rennen fertig gemacht. Marcel hat seine Eindrücke und sagt dann, was er braucht.

LAOLA1: Marcel betont immer wieder, wie gut sein Material ist und wie wichtig dieses für seinen Erfolg ist. Was macht sein Material so gut?

Unterberger: Für jeden Läufer ist das Material sehr wichtig. Dadurch, dass Marcel in der Firma sehr wichtig ist, bekommt er immer alles sofort zur Verfügung gestellt. Wenn er einen Wunsch hat, wird dieser meistens gleich umgesetzt. Da hat er einige Möglichkeiten. Für ihn ist das sicherlich ein riesiger Vorteil.

Edi Unterberger lobt Hirscher-Vater Ferdinand in höchsten Tönen

LAOLA1: Marcel gilt wie Hermann Maier einst als Material-Freak. Sie waren bzw. sind bei beiden im Team, wer war bzw. ist der größere "Tüftler"?

Unterberger: Die Möglichkeiten haben sich verändert. Eigentlich ist es heutzutage normal, dass fast jeder Athlet viel testet und tüftelt. Schuh, Bindungsplatte, Taillierung usw. müssen auf die verschiedenen Schneearten abgestimmt werden. Das hat sich in den letzten Jahren intensiv verändert. Hermann war in dieser Hinsicht der Vorbote, der sich selbst richtig damit befasst hat. Andere haben einfach irgendeinen Schuh genommen. Hermann hat sich Gedanken über Winkel, Aggressivität und vieles andere gemacht. Er war der erste, der das Thema Material intensiv bearbeitet hat. Zu seiner Zeit hat das gerade angefangen. Bei ihm haben dann alle gesehen, dass er brutal viel mit dem Material macht. Was heute möglich ist, lässt sich mit früher nicht vergleichen. Es wird an vielen Kleinigkeiten herumfeilt. Tüftler sind sowieso beide, und beide sind sehr gut.

LAOLA1: Sie haben als Servicemann große Erfolge gefeiert und feiern sie immer noch. Gibt es eigentlich manchmal Anfragen von anderen Firmen bzw. Athleten?

Unterberger: Anfragen gibt es hin und wieder. Für mich ist aber klar, dass ich ein reiner Atomic-Mann bin und das auch immer bleiben werde.

LAOLA1: Gibt es Momente, zum Beispiel nach einem langen, anstrengenden Tag, wo Sie sich denken - "Hätte ich lieber etwas anderes gemacht"?

Unterberger: Es ist schon heftig. Letztes Jahr habe ich überlegt, dass ich diese Art von Arbeit schon so lange und intensiv mache. Es ist ein beinharter Job, vor allem im Winter. Man muss auf viel verzichten, zum Beispiel auf die Kinder, für die ich wenig Zeit habe. Durch die ganzen Möglichkeiten auf der Material-Seite ist alles viel intensiver geworden. Die Firma baut heuzutage innerhalb von zwei Tagen einen neuen Ski. Der muss eingewachst werden und sofort fertig sein. Man muss stets parat stehen, das ist auf Dauer sehr anstrengend. Letztes Jahr war ich am überlegen, ob ich aufhören soll. Es wurde mit dem zweiten Mann, der mir zur Verfügung gestellt wurde, eine Lösung gefunden.

LAOLA1: Lange werden Sie den Job aber nicht mehr machen, habe ich das richtig verstanden?

Unterberger: Ich habe eigentlich nicht vor, das noch viel länger zu machen. Ich bin seit Jahren der Meinung, dass es für mich Zeit wird, etwas anderes zu tun. Schon im Skirennsport, aber einfach etwas anderes. Bis zu meiner Pensionierung möchte ich aber nicht Servicemann sein. Ich schaue, wie lange Marcel mich braucht. Es ist für die Firma natürlich ein extrem hoher Aufwand, zwei Servicemänner für einen Athleten bereitzustellen. In zwei Jahren läuft bei Marcel der Vertrag aus, dann wird sowieso alles neu verhandelt. Was ich dann mache, weiß ich nicht. Ich glaube aber nicht, dass ich das noch einmal eine Periode angehen werde.

 

Das Gespräch führte Matthias Nemetz

LAOLA1: Es wird immer wieder spekuliert, Marcel habe – vor allem im Riesentorlauf - "Wunder-Ski". Ist da etwas dran?

Unterberger: Atomic hat in der Entwicklung sehr viel gemacht. Marcels Ansprüche sind sehr hoch. Was in den letzten Jahren weitergegangen ist, ist echt heftig. Das ist aber auch mit einem enormen Aufwand des gesamten Teams verbunden. Dir Firma macht es Marcel möglich, innerhalb kürzester Zeit neues Material zur Verfügung zu stellen.

LAOLA1: Liegt das an Marcels Sonderstellung?

Unterberger: Andere Firmen haben auch ihre Möglichkeiten. Für uns ist Marcel einfach ein sehr wichtiger Teil. Benjamin Raich leistet zum Beispiel ebenfalls viel Entwicklungs-Arbeit. Marcel ist eben die Nummer 1, dementsprechend viel fordert er auch. Benni hat zur Entwicklung aber auch viel beigetragen. Unsere Entwicklungs-Abteilung muss man absolut herausheben. Was die für beide Athleten innerhalb kürzester Zeit möglich machen, ist unglaublich.

LAOLA1: Bei der WM wurden nach den Abfahrts-Trainings Set-Up und Schuhe umgestellt. Wessen Idee war das?

Unterberger: Da haben wir alle drei mitgesprochen. Ferdinand hat es nicht gefallen, wie es im Training war. Uns auch nicht, weil der Rückstand relativ groß war. Vom Schuh her haben wir im Training etwas versucht, hatten davor aber schon ein Super-G-Training in Vail, wo wir die Abfahrtsski getestet haben. Dort hatte er einen Schuh, der sehr gut gepasst hat. Den haben wir dann für das Rennen genommen.

LAOLA1: Welchen Anteil hat Vater Ferdinand an Marcels Erfolg?

Unterberger: Er mischt ordentlich mit. Wir telefonieren jeden Tag zwei bis drei Mal. Er hat ja leider Flugangst, sonst wäre er ohnehin hier. Marcel ist mit ihm von klein auf von Rennen zu Rennen gefahren. Jetzt bin ich dabei, wir reden viel und verstehen uns gut. Wenn man eine Meinung mehr hat, ist es mehr Aufwand, aber Ferdinand hat einfach ein gutes Auge. Er hat ein sehr geschultes Trainer-Auge und kennt sich auch am Material-Sektor gut aus. Wenn er nicht mehr da wäre, würde das Ganze nicht so rund laufen.

LAOLA1: Bereiten die angekündigten hohen Temperaturen der nächsten Tagen dem Team Kopf zerbrechen?

Unterberger: Es war in den letzten Tagen immer relativ warm. Der Schnee verändert sich dadurch aber nicht wirklich. So ein richtiger Frühlingsschnee, wie wir ihn aus Österreich kennen, den gibt es hier einfach nicht. Es ist so trocken, dass der Schnee immer aggressiv bleibt. Im Riesentorlauf haben wir ganz gute Anhaltspunkte, wo wir uns kurzfristig orientieren können. Man wird dann sehen, wie es sich entwickelt. Es gibt aber verschiedene Optionen.

LAOLA1: Das klingt sehr zuversichtlich.

Unterberger: Ich sage immer: Wir versuchen das Beste, was rauskommt, wird man sehen. Wenn die Bedingungen so sind, dass wir nicht so schnell sind, dann sind wir eben einmal nicht so schnell. Wenn wir gut sind, sind wir gut. Es hilft eh nichts. Es ist wichtig, dass man alles tut, was man kann. Das werden wir machen.

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