Hirscher carvt zu Silber - Ligety überlegen zu Gold

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Marcel Hirscher hat mit Silber im Riesentorlauf die fünfte WM-Medaille für Österreich in Schladming gewonnen.

Der 23-jährige Team-Weltmeister aus Salzburg riskierte am Freitag bei einer unfassbaren Ski-Show vor 35.000 Zuschauern alles und fand am Ende nur in Ted Ligety seinen Meister.

Der US-Titelverteidiger gewann klar vor Hirscher und dem Südtiroler Manfred Mölgg und ist als nunmehr dreifacher Schladming-Weltmeister der König dieser WM 2013.

Dass es in der neunten von elf WM-Entscheidungen von Beginn an nur um Silber und Bronze ging, machte Ligety schon im ersten Durchgang klar.

Ligety dominiert auf ÖSV-Kurs

Obwohl ÖSV-Coach Andreas Puelacher einen stark drehenden, engen und vermeintlichen "Anti-Ligety-Kurs" gesetzt hatte, deklassierte der 28-jährige US-Titelverteidiger dank seiner einzigartigen Technik schon da das etwas überraschend von Aksel Lund Svindal angeführte Feld um 1,30 Sekunden und mehr.

Hirscher lag nur eine weitere Hundertstel zurück auf Platz drei und war damit wie erwartet Österreichs größte Medaillenhoffnung, obwohl er zunächst keine optimale Skiabstimmung erwischt hatte und mit Kopfschmerzen fuhr, weil er sich am Vortag eine höchst schmerzhafte Nackenwirbelverletzung zugezogen hatte.

Mit Benjamin Raich (7.), Marcel Mathis (9.) und Philipp Schörghofer (11.) lagen wegen der großen Rückstände auch die übrigen ÖSV-Starter in Schlagdistanz mit einer Medaille.

Aber auch der sonst so coole Hirscher ballte im Ziel die Fäuste und atmete tief durch. "Das bedeutet mir irrsinnig viel", gestand der junge Salzburger nach seiner ersten Einzelmedaille bei einer WM.

"Es ist einfach schön, wenn man die Erwartungen erfüllen kann. Sowohl die eigenen als auch die der Fans", freute sich Hirscher über Platz zwei vor den 35.000 Fans, die ein finales Super-Wochenende in Schladming einläuteten.

Hirscher im Slalom Favorit

Am Sonntag wird beim Herrenslalom das mächtige Planai-Zielstadion wohl aus allen Nähten platzen, wenn Hirscher als Goldfavorit an den Start geht.

Bis dahin sollen auch seine Probleme mit dem dritten Nackenwirbel verschwunden sein, die er sich im Training zugezogen hat. "Normal bleibst bei so etwas liegen", gestand Hirscher, der vor dem Rennen nur wenige Stunden Schlaf gefunden hatte.

"Deswegen war es heute mitunter das schwerste Rennen, das ich jemals gefahren bin. Das Kopfweh war ziemlich stark. Aber jetzt ist alles egal mit dieser Silbermedaille. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich nach meiner Fahrt vorne bin. Jetzt bin ich extrem glücklich", sagte Hirscher.

Bis zum Slalom, so Hirscher, werde er dank seiner Physiotherapeuten wieder fit sein. "Es ist jetzt schon wieder deutlich besser. Und Slalom-Training ist eh wie Therapie."

Kein weiterer ÖSV-Fahrer in Medaillen-Nähe

Schörghofer (8.), Raich (9.) und Mathis (13.) verpassten letztlich sogar die abendliche Medaillenzeremonie der Top-Sechs. "Im zweiten Durchgang war es lässig und richtig cool, hier in den Zielhang einzutauchen, obwohl ich unten wieder Zeit liegen gelassen habe", sagte Schörghofer.

Raich gab zu: "Natürlich ist das enttäuschend, denn ich habe mir schon einiges erhofft." Dem erst 21-jährige Mathis war bewusst: "Jetzt heißt es weiter trainieren und das nächste Mal besser machen."

Ligety hingegen war "einfach nur überwältigt." "Es ist ein cooles Feeling, dass mir das jetzt gelungen ist", sagte der Schräglagen-Akrobat aus Park City wie immer staubtrocken. Hirschers Bestzeit sei am Start nicht zu "überhören" gewesen. "Als Marcel unten war, waren oben alle verrückt. Aber ich wusste, dass ich mir bei meinem Vorsprung von 1,31 Sekunden einiges erlauben kann."

Nur Schörghofer verbesserte sich im zweiten, vom Italien-Trainer Jacques Theolier deutlich flüssiger gesetzten Kurs auf Rang acht, Raich fiel hingegen auf Platz neun zurück.

Also lag es wie erwartet an Hirscher, die Medaille zu holen. Der coole 23-jährige lieferte, was von ihm gefordert wurde.

Mit nunmehr perfekten Ski attackierte der Atomic-Pilot hemmungslos und wurde dank Laufbestzeit schließlich vor Mölgg mit Silber belohnt, weil auch Abfahrts-Weltmeister Svindal die Puste ausging.

Ligety in Durchgang zwei souverän

Mehr wäre an diesem Tag nur schwer möglich gewesen. Denn Ligety ließ nichts mehr anbrennen, kontrollierte das Geschehen mit einem "Sicherheitslauf" und machte sich mit der nur sechstschnellsten Zeit und 0,81 Vorsprung auf Hirscher zum ersten US-Amerikaner, der bei einer WM drei Goldmedaillen gewonnen hat.

Die Gefahr eines Ausfalls war nie gegeben. Ligety, der im Weltcup vier von fünf Saisonrennen gewonnen hat, ist seit Jänner 2009 in Riesentorläufen fehlerlos.

Und 45 Jahre nach Jean-Claude Killy (gewann 1968 vier Goldene) der erst fünfte Fahrer mit zumindest drei Goldenen bei einer WM. Als erster seit Rudi Nierlich (1989/1991) verteidigte Ligety zudem den RTL-Titel erfolgreich.

Ligety ist der WM-Superstar

Nach dem Überraschungs-Coup im Super-G und dem Sieg in der Super-Kombination avancierte Ligety damit als erster US-RTL-Weltmeister seit Steve Mahre 1982 auch zum Super-Star dieser WM 2013. Diese drei Disziplinen hat noch keiner vor ihm bei einer WM gewonnen.

Und drei Goldene kann außer ihm in Schladming niemand mehr holen, auch bei den Damen nicht. Ligety ist schon vor dem Slalom am Sonntag, in dem er durchaus auch Chancen hat, der "Mister WM 2013".

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