"Kriechen wieder in ihre Löcher"

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ÖSV-Präsident Schröcksnadel zieht WM-Bilanz

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"Der Hirsch springt hoch, der Hirsch springt weit, warum auch nicht, er hat ja Zeit."

Dieser Vierzeiler stammt nicht aus dem Poesiealbum eines kleinen Hirscher-Fans, sondern aus dem Handy von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Absender: Klaus Maria Brandauer. Der Schauspieler entschuldigte mit dem Gedicht sein Fernbleiben beim Herren-Slalom.

Schröcksnadel hatte Brandauer nach dessen WM-Lesung am Dachstein zum finalen Showdown auf der Planai eingeladen. Aber auch ohne das "Enfant terrible" der Bühne war die VIP-Tribüne noch einmal randvoll.

"Zufrieden mit der WM"

Randvoll zufrieden, nämlich bis unter seine Sitour-Haube, war WM-Macher Schröcksnadel, wenngleich er bei seiner großen Bilanz kein Urteil abgeben wollte.

„Das machen die anderen“, so der 71-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Da verrät er auch sein persönliches WM-Highlight, zieht Lehren und nimmt die Kritiker in die Pflicht.

Außerdem blickt Schröcksnadel auch in die Zukunft, in der es schon bald wieder eine Ski-WM in Österreich geben soll.


LAOLA1:
 Herr Präsident, war Schladming also die beste Ski-Weltmeisterschaft aller Zeiten?

Peter Schröcksnadel: Das beurteile nicht ich, sondern die anderen. Die Athletinnen und Athleten, die Zuschauer, die Medien. Dann kriegt man eine Antwort. Wir sind zufrieden mit der Organisation. Es war zum Beispiel immer sauber, das haben wir gemacht, der ÖSV, und nicht die Gemeinde. Aber wir geben kein Urteil ab, das machen die anderen.

LAOLA1: Was war ihr persönliches WM-Highlight?

Schröcksnadel: Die erste Bronzemedaille von Nicole Hosp, über die war ich richtig happy. Die erste Woche war schwierig mit drei vierten Plätzen, gerade bei einer Heim-Weltmeisterschaft. Die zweite Bronzene von Romed Baumann hat mich dann auch richtig gefreut.

LAOLA1: Was schreiben Sie all jenen ins Stammbuch, die zur Halbzeit laut aufgeschrien und das ÖSV-System hinterfragt haben?

Schröcksnadel: Die werden schon wieder in ihre Löcher reinkriechen. Wir nehmen Ratschläge gerne an, sind selbstkritisch und versuchen uns zu verbessern. Aber diese Zurufe von außen zu diesem Zeitpunkt halte ich für völlig verkehrt und schlecht. Was soll das bringen, außer dass man auf sich aufmerksam macht? Das hat der Mannschaft geschadet und nicht genützt.

LAOLA1: Sind Sie denjenigen böse, dass sie sich mit ihren Zwischenrufen nicht zurückgehalten haben?

Schröcksnadel: Wir werden uns alle, die da reingehaut haben, sicher merken. Wir haben jetzt gesehen, wer nicht für Österreich und nicht für die Mannschaft, die an und für sich eine gute ist, ist. Das war einfach nicht in Ordnung.

LAOLA1: Werden Sie das Angebot von Hermann Maier, seine Vorschläge nach der WM zu diskutieren, annehmen?

Schröcksnadel: Das Angebot nehme ich an, wenn er sich persönlich mit mir in Verbindung setzt. Aber nicht über den Herrn Delle-Karth, sicher nicht … Und es ist doch meistens so, dass viel geredet wird, aber wenn es dann konkret wird, fehlt die Zeit. Wenn man Bereitschaft signalisiert etwas zu tun, dann muss man sich auch mit den Konsequenzen beschäftigen. Weil dann bist du plötzlich nicht mehr Rennfahrer sondern Funktionär und derjenige, der kritisiert wird. Dann muss man das, was man sagt, auch verantworten.

LAOLA1: Also bitte: Was sagen Sie dazu, dass „Team Österreich II“ dem ÖSV-Team mit vier Mal Gold die Show gestohlen hat?

Schröcksnadel (lacht): In Amerika sind wir die Nummer eins, weil da zählt nicht die Anzahl der Goldmedaillen sondern nur die Gesamtzahl der Medaillen. Dass wir heute so zählen, liegt daran, dass wir früher nicht viel mehr als zwei, drei Medaillen gewonnen haben, aber die waren meistens Gold. Jetzt zählen wir anders, damit wir vorne sind.

LAOLA1: Im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurde viel über den großen Druck für das ÖSV-Team gesprochen. Was nehmen Sie diesbezüglich von Schladming mit?

Schröcksnadel: Dass unsere Athleten zum Beispiel am Tag vor dem Rennen keine Interviews mehr geben. Da werden wir in Zukunft Stopp sagen. Als Rennläufer brauchst du vor dem Rennen Ruhe, um dich vorzubereiten. Die können sich ja überhaupt nicht mehr auf ihren eigentlichen Job konzentrieren. Wollen Sie wissen, was wir machen?

LAOLA1: Lassen Sie hören.

Schröcksnadel: Es wird keine Presse mehr gelesen, das Verbot wird für Trainer und Athleten gelten. Das ist die einzige Konsequenz, die funktioniert. Jedes Wort, das irgendwo steht, geht in den Kopf hinein. Wie soll man da schlafen und am nächsten Tag Leistung bringen?

LAOLA1: Reagieren Sie da nicht ein bisschen dünnhäutig?

Schröcksnadel: Das hat nichts mit dünnhäutig zu tun. Mir geht es einzig und alleine darum, die Athleten zu schützen. Warum können nicht am Tag vor dem Rennen die Trainer und Funktionäre Rede und Antwort stehen? Die müssen das aushalten und sollen den Kopf hinhalten. Weil wenn die Rennläufer nicht gut fahren, müssen sie auch den Kopf hinhalten.

LAOLA1: Sie haben nach der Kritik an der Eröffnungsfeier einen Lederhosen-Appell losgelassen, der für viele Diskussionen gesorgt hat. Wie sehen Sie es mit etwas Abstand?

Schröcksnadel: Ich bleibe dabei, auf die Pseudo-Intellektuellen höre ich nicht. In Amerika regt sich keiner auf, wenn die Indianer hergezeigt werden, in Australien präsentieren sie die Aborigines. Wir sind eben Oper, Lipizzaner, Mozart, Schuhplattler, das ist Österreich. Wer sich dafür schämt und kritisiert, soll das Land verlassen, weil dann haben sie hier keinen Platz. Ich stehe jedenfalls nicht für alternative Kunststücke.

LAOLA1: Bürgermeister Winter ist überzeugt, dass die zweite Ski-WM nicht die letzte in Schladming gewesen ist. Wie stehen Sie dazu?

Schröcksnadel: Also jetzt einmal für viele, viele Jahre nicht. Es ist einfach so, dass wir maximal alle zehn, vielleicht sogar nur 14 Jahre eine Weltmeisterschaft nach Österreich bekommen. Die nächste geht vielleicht nach Tirol oder Salzburg, die übernächste auch in ein anderes Bundesland, da vergehen also sicher 20, 30 Jahre. Alles andere ist nicht realistisch, aber dafür hat man ja das Nightrace.

LAOLA1: Es soll schon einige Interessenten für die nächste Heim-Weltmeisterschaft geben. Was können Sie dazu sagen?

Schröcksnadel: Es gibt noch keine offizielle Bewerbung im Verband. Aber Saalbach und St. Anton haben Interesse bekundet, was mich persönlich sehr freut. Weil es zeigt, dass Land und Gemeinde genau wissen, was so eine Weltmeisterschaft wert ist und es zeigt, dass die Investitionen, die man macht, kein rausgeschmissenes Geld sind. Oder warum wollen all die Orte, die schon eine Weltmeisterschaft hatten, gleich wieder eine?

LAOLA1: Nach diesem Höhepunkt für den Österreichischen Ski-Verband bleibt die Frage nach ihrer Zukunft. Wie lange bleiben Sie noch ÖSV-Präsident?

Schröcksnadel: Darüber diskutiere ich jetzt nicht. Aber wenn man mich weghaben will, ist das null Problem.

LAOLA1: Auf die Alpine folgt die Nordische Ski-WM, da bleibt für Urlaub keine Zeit, oder?

Schröcksnadel: Am liebsten würde ich jetzt irgendwo an den Strand fahren. Kann ich aber nicht, weil ich muss nach Val di Fiemme zu den Kombinierern und Springern. Da ist sicher auch etwas drin. Vier Medaillen sind unser Ziel.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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