Svindal: So tickt der neue Abfahrts-Weltmeister

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Vor Beginn der Ski-WM in Schladming war er einer der aussichtsreichsten Kandidaten für den Titel WM-Superstar: Aksel Lund Svindal.

Und der Norweger lieferte in der ersten Woche auch gleich richtig ab, gewann erst Bronze im Super-G und dann Gold in der Abfahrt.

Damit hat der 30-Jährige seit 2005 bei jeder Weltmeisterschaft mindestens eine Medaille geholt und darf sich dank dieser Serie auch Hoffnungen machen, bis zum Karriereende vielleicht mit Lasse Kjus oder Kjetil Andre Aamodt gleichzuziehen.

LAOLA1 hat sich auf die Fährte des "Super-Elchs" geheftet und versucht, etwas mehr über den besten Allrounder der Gegenwart zu erfahren.

 

DER MEDAILLENSAMMLER

Svindal hat bereits in jungen Jahren in Edelmetall investiert. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2002 in Tarvis gewann er insgesamt vier Medaillen, darunter Gold in der Kombination.
 
Schon drei Jahre später schrieb der Erbe von Kjetil-Andre Aamodt und Lasse Kjus, die damals beide noch aktiv waren, bei den „Großen“ an: Kombi-Silber in Bormio 2005. Im schwedischen Aare legte er 2007 Gold in Abfahrt und Riesentorlauf nach.
 
Seinen dritten WM-Titel holte Svindal dann bei den nächsten Weltmeisterschaften in Val d'Isere in der erstmals bei einem Großereignis ausgetragenen Super-Kombi, den er zwei Jahre später in Garmisch verteidigte. Dazu holte er 2009 auch noch Abfahrts-Bronze.
 
In Schladming erweiterte Svindal seine Medaillen-Sammlung um Super-G-Bronze und Abfahrts-Gold und baute seine WM-Serie aus. Dazu trat er bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver die Heimreise mit einem kompletten Medaillensatz an.
 

DER RENNFAHRER

Seit mehr als elf Jahren ist der Norweger schon im Weltcup unterwegs. In seinen ersten sechs Rennen – Svindal fuhr anfangs nur die technischen Disziplinen - konnte er sich vier Mal nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren und schied zwei Mal im ersten Lauf aus.
 
Dass der einstige Junioren-Weltmeister das Zeug zum „Speed-King“ hat, stellte Svindal gleich in seinem ersten Super-G in Gröden unter Beweis, den er als Sechster beendete.
 
Heute hält der sympathische Wahl-Österreicher bei 20 Weltcup-Siegen (darunter Kitzbühel, Beaver Creek und Gröden), konnte zwei Mal den Gesamt-Weltcup und insgesamt sieben kleinen Kristallkugeln gewinnen.
 
Was noch fehlt: Siege in Bormio und Wengen und die Abfahrts-Kugel. Da hat er im Moment drei Punkte Rückstand auf den Italiener Dominik Paris.
 

DER MUSTERPROFI

Kaum ein Athlet im Ski-Zirkus ist gleichzeitig so smart und so sympathisch wie der Elch mit dem Gold-Gen.

Im Business-Talk mit Head-CEO Johan Eliasch hat er ebenso alles unter Kontrolle wie in der Traverse von Kitzbühel. Den Fragen-Slalom auf Sieger-Pressekonferenzen absolviert er stets souverän.

Wer denkt, dass er den 30-Jährigen mit Fragen nach Doping im Skisport oder dem Wettskandal im Fußball zu einem verbalen Einfädler zwingen kann, irrt gewaltig.

Svindal lebt die Rolle des Aushängeschilds und Vorbilds mit jeder Faser, Skandale sind ihm seit jeher fremd.
 

DAS KRAFTPAKET

Svindal bringt zwar 100 Kilogramm auf die Waage, sein Körperfettanteil liegt aber nur bei rund sieben Prozent.

Robert Trenkwalder, ehemals Abfahrts-Trainer beim ÖSV und heute für die Skifahrer mit dem Red-Bull-Logo am Helm verantwortlich, gerät ins Schwärmen, wenn er an den Trainingseifer seines Schützlings denkt.

Svindal liefert nämlich nicht nur auf der Piste, sondern auch im Fitness-Center Höchstleistungen ab. Nach seinem schweren Sturz in Beaver Creek in der Saison 2007/2008 verlor er rund 20 Kilogramm Muskelmasse, die er sich danach mühsam wieder antrainierte.

Heute ist er einer der fittesten Athleten im Weltcup.
 

DER LIEBHABER

Die Gerüchte, dass zwischen Svindal und Julia Mancuso etwas läuft, gab es schon lange im „Porno-Zirkus“.

Vor dem Weltcup-Auftakt 2010 in Sölden stellte das US-Girl ein Foto in seinen Blog, das sie und den Norweger eng umschlungen und vertraut am Strand zeigt. Wenig später machte das Ski-Traumpaar die Liaison dann auch offiziell.

Der norwegische Boulevard war begeistert und ist es bis heute. Da kann es schon einmal vorkommen, dass auf die zwei Turteltauben vor ihrem Liebesnest auf Hawaii Paparazzi warten.

„Es kam auch schon mal vor, dass wir verfolgt wurden, das war seltsam. Die Bilder sind dann auf der Titelseite eines norwegischen Magazins gelandet, das einen fünfseitigen Bericht abgedruckt hat“, beschreibt Mancuso die Situation.

Während der Saison sieht man sich nur selten, da Damen und Herren außer in Sölden, Zagreb, bei City-Events und beim Weltcup-Finale nicht am selben Ort fahren.
 

DER FAMILIENMENSCH

Vater Björn drückte am Samstag auf der VIP-Tribüne die Daumen, schrie und hüpfte, als der Filius über die Ziellinie fuhr und der Einser aufleuchtete.

„Ich konnte gar nicht hinesehen, habe am ganzen Körper gezittert“, so der Senior.

„Er ist nervöser als ich, aber ich verstehe das. Ich bin selbst nervös, wenn ich anderen zusehe, denn Skifahren ist der aufregendste Sport“, so Svindal, der sich auf der Pressekonferenz nach dem Rennen bei seinem Vater für die Unterstützung von Kindesbeinen an bedankte.

„Ohne ihn hätte ich nicht Skifahrer werden können, er hat immer an mich geglaubt und es mir ermöglicht, dass ich heute hier sitze.“

Auch nach dem Tod von Aksels Mutter Lund konnte das Ski-Talent jenem Hobby nachgehen, das heute sein Beruf ist.

DER NETZWERKER

Svindal ist ein Profi auf allen Ebenen, also auch im World Wide Web. Auf seiner eigenen Homepage bloggt er regelmäßig und gibt Einblicke in seinen Alltag, die man andernorts nicht zu Gesicht bekommt.

Nach Super-G-Bronze stellte er zum Beispiel ein Foto mit Weltmeister Ted Ligety und dem Schweizer Didier Cuche online, der in die Medaille des 30-Jährigen beißen will.

Wie im Gesamt-Weltcup hat Svindal auch im facebook-Duell mit Marcel Hirscher noch Nachholbedarf.

Der Salzburger hat rund 30.000 mehr Fans auf seiner Seite, die zuletzt für große Aufregung sorgte. Beide Rennläufer sind auch auf twitter vertreten.
 

DER EXTREMSPORTLER

Freeriden ist die große Leidenschaft des Norwegers, am liebsten daheim auf den Lofoten.

Da trifft es sich gut, dass er seine Liebe zu unverspurten Tiefschneehängen mit Freundin Julia, die einst auch beim Verbier Xtreme auf Anhieb in die Freeride-Weltklasse fuhr, teilt.

Demnächst bringt Svindal sogar ein eigenes Freeride-Video auf den Markt mit einem Best-of seiner Trips der letzten Jahre.

Maximal für einen kurzen Highlight-Clip reichen bislang die selbstgedrehten Surf-Movies von Hawaii. Aber wenn er sich im Sommer bei Mancusos einquartiert, gehören Wellenreiten und Stand-Up-Paddling mittlerweile zum täglichen Programm.
 

DER GESCHÄFTSMANN

So sympathisch der 30-Jährige rüberkommt, so knallhart ist er bei Verhandlungen.

Svindal braucht keinen Manager, er verhandelt die meisten Verträge selbst und lässt die Deals dann nur von einem Anwalt prüfen und zum Abschluss bringen.

Bei Head trat er die Nachfolge von Hermann Maier an – aber erst nachdem er sich persönlich davon überzeugt hatte, dass ihn Milliardär Johan Eliasch auch wirklich will.

Nach einigen Jahren mit verschiedenen Brillen-Sponsoren unterschrieb er bei Oakley, das vom Alpin-Sport lange nichts wissen wollte.

Allerdings nicht des Geldes wegen, sondern weil er der Überzeugung ist, dass es das beste Produkt für die Marke Aksel Svindal ist.

DER "ÖSTERREICHER"

Nein, wir wollen Svindal jetzt nicht einbürgern, um endlich wieder einen Abfahrts-Weltmeister aus Österreich zu haben. Aber der Elch lebt während der Winter-Monate seit vielen Jahren in Österreich.

Erst hatte er eine Wohnung in Radstadt und damit in unmittelbarer Nähe zu seiner ehemaligen Ski-Firma Atomic. Mit dem Wechsel zu Head zog es ihn gen Westen, genauer gesagt nach Innsbruck.

Dort haben neben seinem Landsmann und Trainingspartner Kjetil Jansrud auch noch einige andere europäische Rennläufer ihre Home-Base aufgeschlagen.

Von Innsbruck hat es Svindal auch nicht weit nach Salzburg, wo sein Sponsor Red Bull beheimatet ist. Nach langem Kampf mit dem norwegischen Verband setzte sich Svindal am Ende durch.

Außerdem ist er ein großer Fan der Ski-Rennen in Österreich. „Nirgends sonst ist die Stimmung so gut, sind die Rennen so perfekt organisiert.“

 


Stephan Schwabl

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