Rolland: Gold macht Olympia-Umfaller vergessen

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Die französische Ski-Revolution geht in Schladming munter weiter!

Nach Silber und Bronze für Gauthier de Tessieres und David Poisson komplettierte am Sonntag Marion Rolland den Medaillensatz der „Grande Nation“ mit Abfahrts-Gold.

Die Sonne im Zielstadion strahlte mit der glücklichen Sensations-Siegerin um die Wette.

Aber war der Triumph der 30-Jährigen wirklich eine Sensation? Sie selbst sagt: „Nein, denn ich fühle mich sehr gut auf diesem Hang. Das war keine Überraschung.“ Wir meinen: Jein.

"Schön wieder hier zu sein!"

Ausgerechnet bei der Weltmeisterschaft schaffte Roland das, was ihr in 51 Weltcup-Rennen nie gelungen ist, einen Sieg.

Erst einmal gelang ihr bisher der Sprung aufs Stockerl und das war, richtig, im Vorjahr beim Weltcup-Finale in Schladming.

„Ich habe mich gefreut, wieder nach Schladming zurückzukehren und hier eine Weltmeisterschaft zu fahren. Am Start habe ich noch zu mir gesagt: Bring es einfach runter!“

Große Ziele, viele Träume

Gesagt, getan – mit einer sauberen Fahrt fing Rolland die bereits wie die sichere Siegerin aussehnde Italienerin Nadia Fanchini noch ab und erfüllte sich einen Kindheitstraum.

„Es ist unglaublich! Ich wollte seit meiner Kindheit Weltmeisterin werden. Nur wenn du dir große Ziele setzt, erreichst du deine Träume.“

Ihr Auftritt im Super-G fiel noch in die Kategorie Albtraum, die Vorjahres-Dritte enttäuschte mit Rang 22. Wie das gesamte französische Team. Sogar eine „Krisensitzung“ wurde einberufen.

„Die Trainer sind hart mit uns ins Gericht gegangen, haben gesagt, dass wir nicht Alles gegeben haben. Das hat mich für die Abfahrt extrem motiviert.“

Zähler zurückgestellt

Die Kritik beschäftigte Rolland noch länger. „Ich habe viel darüber nachgedacht, aber irgendwann muss man so ein Rennen abschließen“, stellte sie den Zähler im Kopf von 22 zurück auf Null und ging frei im Kopf und selbstbewusst in die Abfahrt.

Das war in der Vergangenheit nicht immer so. „Es gab Zeiten, da habe ich nicht recht an mich geglaubt, ein Problem mit meinem Selbstbewusstsein gehabt.“

Peinlicher Umfaller

Kein Wunder bei ihrer Vorgeschichte: Noch vor drei Jahren lachte die Welt über die neue Abfahrts-Weltmeisterin.

Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver erlebte die Speed-Spezialistin den wohl bittersten Moment ihrer Sportlerkarriere. Ihr Auftritt in der Abfahrt dauerte nur knapp drei Sekunden.

Was war passiert? Rolland stieg nach drei Startschüben auf den rechten Skistock, geriet aus dem Gleichgewicht und legte sich „patschert“ und wie in Zeitlupe in den Schnee.

Von dort stand sie dann auch länger nicht mehr auf. Bei YouTube ist das Video vom Kurz-Auftritt ein Hit mit fast 70.000 Views. „Es war der harmloseste Sturz des Rennens, aber er hatte die schlimmsten Konsequenzen“, teilte der Verband damals mit.

Diagnose: Kreuzbandriss im linken Knie, wie schon 2008 nach einem richtigen Sturz.

Erfolgsgeheimnis gefunden

Auch ihre männlichen Teamkollegen De Tessieres und Poisson hatten in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen.

„Wir haben alle schwere Zeiten hinter uns, aber wir sind gereift und wissen jetzt, was es braucht, um erfolgreich zu sein.“

Es klingt fast wie eine Kampfansage aus dem Lager der Nummer 1 im Medaillenspiegel.

 

Stephan Schwabl

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