"Ich bin ich von einem Top-Resultat überzeugt"

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Sieben Weltmeisterschaften, 23 Starts. Diese unglaubliche Bilanz weist Benjamin Raich auf.

Noch, denn am Sonntag startet der Pitztaler in seine sage und schreibe achte alpine Ski-WM, nach St. Anton 2001 sogar seine zweite in der Heimat.

In der Super-Kombination ist der inzwischen 34-Jährige Österreichs heißestes Eisen. In Aare 2007 holte er sich in dieser Disziplin die Silbermedaille.

Zwei Jahre zuvor, in Bormio 2005, gar die Goldene. Damals allerdings in der klassischen Kombination mit zwei Slalom-Durchgängen.

In Garmisch-Patenkirchen wurde der dreifache Weltmeister undankbarer Vierter. In Schladming, auf einer seiner Lieblingsstrecken, soll nun wieder eine Medaille her.

Mit LAOLA1 spricht der Tiroler unter anderem über seine Liebe zur Planai, seine Medaillenchancen, den Zeitpunkt seines Rücktrittes und Marlies Schild.

Benjamin Raich über...

... Slalom-WM-Ticket und die Reaktion auf die Nominierung:

Es war klar, dass Reinfried Herbst um seinen Startplatz kämpfte und seine Leistungen hervorhob. Letztendlich war es eine Trainer-Entscheidung. Wir haben in diesem Winter beide keinen Podestplatz vorzuweisen. Daher konnte ich aus meiner Sicht nicht groß aufmucken.

 

... die besondere Liebe zu Schladming:

Ich habe hier meinen ersten Sieg gefeiert, habe vier Mal den Slalom gewonnen. Ich war hier großteils sehr stark unterwegs, habe aber auch beim einen oder anderen Rennen gehadert. Aber alles in allem ist Schladming natürlich ein ganz besonderer Ort. Ich freue mich, dass ich hier bei der WM jetzt drei Chancen bekomme, um meine Liebe zu diesem Hang unter Beweis zu stellen. Ich bin Ehrenmitglied beim Skiclub Schladming und wirklich gerne hier.

 

... seine Medaillenchancen:

Ich will darüber gar nicht zu viel nachdenken, aber ich glaube schon, dass ich eine Medaille gewinnen kann. Es wird einige geben, die mir das nicht zutrauen. Aber das ist mir egal. Ich habe schon in meinen Jugendjahren, spätestens bei Hias Leitner gelernt, nicht vorher zu rechnen und zu überlegen, was möglich ist. Denn diese Rechnungen gehen meist nicht auf. In der Super-Kombi bin ich von einem Top-Resultat überzeugt. Da war ich in Wengen Vierter und ganz knapp am Podest dran. Daher weiß ich, dass für mich bei der WM etwas drinnen ist. Und das nicht nur in der Super-Kombi.

 

... das berühmte Kribbeln vor dem Start bei seiner 8. WM:

Es wäre negativ, würde ich das Kribbeln nicht spüren. Wenn man abstumpft, dann kann man keine Leistung bringen. So gesehen bin ich froh, dass das Kribbeln da ist. Ich freue mich seit langer Zeit auf dieses Heim-Event und bei mir hat sich bereits das WM-Feeling eingestellt.

2007: Sieg auf der Planai

 

... die Entwicklung der Weltmeisterschaften:

Es hat diesbezüglich eine große Entwicklung gegeben, speziell zu meiner ersten WM-Teilnahme 1999 in Vail, wo natürlich alles viel ruhiger abgelaufen ist. Andererseits wäre es da auch heute noch um einiges relaxter. Das liegt daran, dass das in Amerika ist und nicht in Österreich, wo der Skisport zu Hause ist. Zwei Jahre später in St. Anton war der Rummel sicher nicht kleiner. Der Unterschied zu Schladming ist wahrscheinlich das ganze Drumherum, die Extra-Locations und die Bauten für die WM sind hier wahrscheinlich noch einmal um einiges größer als in St. Anton. Die 60.000 Zuschauer beim Slalom in St. Anton möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Ich habe bisher jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass es immer vom Veranstalter abhängt, was sich abspielt. Und da ist es nun einmal so, dass eine WM in Österreich immer etwas Großes darstellt.

 

... Bedingungen auf der Planai:

Ich liebe es, Nacht-Slaloms zu fahren. Da ist die gesamte Stimmung eine andere, dazu ist die Sicht meistens besser. Die Piste ist sehr eisig und sehr gut präpariert. Dazu ist der Hang sehr schwierig. Das sollte mir liegen. Wir haben in den letzten Jahren hier sehr selten derart gute und schwierige Bedingungen vorgefunden. Die Bedingungen sind ähnlich wie zuletzt in Kitzbühel.

 

... Material für die WM-Einsätze:

Ich werde im Slalom mit jenen Ski an den Start gehen, mit dem ich in Kitzbühel im zweiten Durchgang Laufbestzeit erzielt habe. Dieses Modell hat sich sehr bewährt.

 

... Schladming als möglicherweise letzte WM:

Ich schaue weder weit nach hinten, noch schaue ich sehr lange nach vorne. Ich weiß nicht, ob ich in Vail 2015 noch dabei bin. Das ist für mich kein Thema, mit dem ich mich beschäftige. Aber es ist sicher so, dass in meiner sportlichen Laufbahn bereits mehr hinter mir liegt als vor mir. Ich habe nach wie vor großen Spaß am Skifahren. Ich kann auch - aus meiner Sicht – nach wie vor mitmischen. Natürlich waren die Ergebnisse in diesem Winter nicht so, wie ich mir das selber erhofft habe oder viele von mir erwarten, aber das zeigt mir auch, dass der Rennsport kein Wunschkonzert ist. Natürlich ist es das Ziel, auf das Podest zu fahren und Rennen zu gewinnen, aber es gibt auch viele gute Skifahrer, die schaffen das in ihrer gesamten Karriere nicht, oder nicht sehr oft.

 

... den richtigen Zeitpunkt des Rücktritts:

Das ist schwierig und vielleicht ein wenig eine Glückssache. Man weiß ja vorher nie, was man noch leisten kann. Natürlich ist es nett, wie Stephan Eberharter mit einem Kitzbühel-Sieg aufzuhören. Aber ich glaube, dass man sich das nicht aussuchen kann.

 

... Teamsport Skifahren:

Ich bin ein Einzelsportler, der ohne das Team nicht auskommt. Wenn man das mit einem Fußball-Klub vergleicht, dann sind das zwar Team-Sportler, aber über das Jahr gesehen sicher weniger zusammen als wir. Natürlich, wenn wir auf der Piste sind, und ich finde etwas heraus, dann werde ich das sicher nicht jedem meiner Kollegen sagen. Das macht keiner. Das ist auch nicht notwendig. Da macht jeder seine eigene Sache und man muss trotzdem als Team funktionieren. Wenn man in der Früh gemeinsam beim Frühstück sitzt und einen Kollegen nicht sehen kann, dann wirst du ein Problem haben, Topleistungen zu bringen. Es ist wichtig, dass man innerhalb des Teams gut miteinander auskommt. Es kann natürlich Reibereien geben, aber man muss sich danach immer wieder in die Augen sehen können.

WM 2011: Undankbarer vierter Platz

... den Team-Bewerb:

Den werde ich nicht fahren. Möglich, dass das mit meiner Verletzung bei der WM in Garmisch (Anm.: Kreuzbandriss) zu tun hat. Der Bewerb war bei mir jedenfalls nie ein Thema. Sollte ich eingeladen werden, dann werde ich sagen, dass ich nicht antreten möchte.

 

... körperliche Verschleiß-Erscheinungen:

Körperlich geht es mir besser denn je. Ich habe in meiner Anfangszeit immer wieder Probleme gehabt. Zum Beispiel mit dem Rücken. Ich habe keine großen Verletzungen gehabt, immer wieder kleine Wehwehchen. Auch wenn es mit dem Rücken oft schlimm war, habe ich das doch immer im Griff gehabt. So gut wie derzeit ist es mir noch nie gegangen. Ich kann im Training alle Programme durchziehen. Daran merkt man am ehesten, wie gut man beisammen ist. Ich musste in diesem Winter nicht eine einzige Trainings-Einheit auslassen. Es funktioniert alles sehr gut und das ist ein Mitgrund, dass mir der Job aktuell so viel Spaß macht.

 

... den Gesundheitszustand von Freundin Marlies Schild:

Sie ist jetzt schon mehrmals Ski gefahren, hat auch bereits etliche Einheiten zwischen den Kippstangen hinter sich. Es geht ihr gut, aber was wirklich Sache ist, weiß ich gar nicht genau. Ich frage sie auch bewusst nicht, ob sie zufrieden ist, so wie es läuft und wie sie fährt. Das finde ich einen Stress, der unnötig ist. Sie wird das zum gegebenen Zeitpunkt mit ihrem Betreuerteam entscheiden. Da mische ich mich nicht ein und sie hat mich diesbezüglich bisher nicht um Ratschläge gebeten.

 

Peter Rietzler

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