Goldrausch und Katerstimmung

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Das war die Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen

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Perfekter hätten die alpinen Ski-Weltmeisterschaften am 8. Februar 2011 in Garmisch-Partenkirchen für Österreich nicht beginnen können.

Bei der Eröffnungsfeier für die "Festspiele im Schnee" am Abend zuvor hatte Elisabeth Görgl die WM-Hymne "You're the Hero" gesungen, nur wenige Stunden später raste die Steirerin auf der Kandahar-Eispiste zum Titel im Super-G, womit ein wahrer Goldrausch für die ÖSV-Damen begann.

Bei den rot-weiß-roten Herren hingegen herrschte über weite Zeit Katerstimmung.

Märchenhafter WM-Beginn

Nach den verletzungsbedingten Ausfällen der Speed-Spezialisten Hans Grugger, Mario Scheiber und Georg Streitberger, erwischte es zwei Tage vor WM-Beginn auch Technikspezialist Marcel Hirscher mit Kahnbeinbruch im linken Fuß.

"Erwartungen sind Käse", versuchte Cheftrainer Mathias Berthold Druck von seinem Team zu nehmen, bei entsprechender Leistung würden sich Medaillen von selbst ergeben.

Das traf im ersten WM-Bewerb auch zu. Einen Tag nachdem Görgl Super-G Gold gewonnen und aus Sicht von Damen-Cheftrainer Herbert Mandl für einen "märchenhaften" Beginn gesorgt hatte, legte Hannes Reichelt in dieser Disziplin beim Sieg des Südtirolers Christof Innerhofer mit Silber nach.

Und ÖSV-Sportdirektor Hans Pum stellte fest: "Meine Forderung war, dass wir Olympia übertreffen. Und das haben wir bereits geschafft." 2010 in Whistler waren die Herren ohne Medaille geblieben.

Fenninger schafft Sensation

Eine Grippe-Erkrankung der damals noch unverheirateten Lokalmatadorin Maria Riesch, die von den Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung infolge eines Trainingssturzes noch angeschlagene US-Amerikanerin Lindsey Vonn sowie die Kritiken an der eisigen und schlagigen Kandahar beherrschten bis zum nächsten WM-Bewerb die Schlagzeilen.

Nach der Super-Kombination hatte Österreich ein weiteres Gold auf der Habenseite.

Anna Fenninger war nach Rang vier in der Kombi-Abfahrt im Slalom auf eins nach vor gefahren, hatte für eine Sensation gesorgt und in der Pressekonferenz mit den Worten "Ich bin ich" angemerkt, dass sie Fragen über andere "ankotzen".

Die Salzburgerin blieb ihrer Linie bis heute treu. Geschadet hat es ihr nicht, sie absolviert eine erfolgreiche Weltcup-Saison und zählt zu den Lieblingen der Fans.

Ausnahmezustand um Görgl

Der Kanadier Erik Guay, der Schweizer Didier Cuche und Innerhofer verhinderten eine Abfahrtsmedaille für das ÖSV-Quartett, Romed Baumann landete an vierter Stelle.

Womit zehn Jahre ohne Speed-Gold bei Weltmeisterschaften oder Olympia besiegelt waren.

Unglaubliches leistete dafür Görgl, die mit ihrem Sieg in der Abfahrt vor Vonn und Riesch für das vierte Speed-Double einer Dame in der WM-Geschichte gesorgt hatte.

"Das ist der Wahnsinn", jubelte Görgl. "Ausnahmezustand", erkannte Mandl. "Ich bin sehr, sehr stolz auf die Hasen", lobte Speed-Coach Jürgen Kriechbaum.

Knapp an Medaille vorbei

Zum Auftakt der zweiten Woche musste sich Benjamin Raich in der Super-Kombination mit Platz vier begnügen.

Und hätte der Pitztaler erahnt, was noch auf ihn zukommen wird, wäre der Ärger des stets so fairen und besonnenen Sportsmannes über die knapp verpasste Medaille wohl größer ausgefallen.

Gold ging an den Norweger Aksel Lund Svindal, der zweitplatzierte Innerhofer machte seinen Medaillensatz komplett.

Kreuzbandriss bei Raich

Vonn verzichtete auf ein weiteres Antreten, Berthold schloss bei Hirscher eine "Wunderheilung" aus und ein ÖSV-Sextett rüstete für den Teambewerb.

Das hinter Frankreich eingefahrene Silber schmeckte allerdings bitter, denn Raich hatte sich bei seinen Ausfall einen Riss des linken vorderen Kreuzbandes, einen Knorpelabbruch des äußeren Schienbeinkopfes und einen Teileinriss des äußeren Meniskus zugezogen.

Während fast alle unter Schock standen, befeuerte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel die Materialdiskussion. "Benni wird sicher weiter fahren, aber mit so einem Material sicher nicht."

Verletzungspech und Blech

Einen Tag später folgte die nächste Hiobsbotschaft: Reichelt zog sich bei einem Sturz im Training eine Gelenksprellung im linken Knie zu und fiel für den Riesentorlauf aus.

Bei sechs Verletzten in einem Monat und zweimal "Blech" bei der WM lautete die Devise für die verbleibenden zwei Rennen, dem Pech davon fahren zu wollen.

Doch zuerst waren die Damen wieder an der Reihe und erstmals gingen die Österreicherinnen leer aus. Die Slowenin Tina Maze gewann Gold im Riesentorlauf, Marlies Schild wurde Achte.

Doppelsieg im Damen-Slalom

Bei den Herren war ohne Hirscher, Raich und Reichelt der Salzburger Philipp Schörghofer der einzige im ÖSV-Team, der realistische Medaillenchancen in dieser Disziplin hatte.

Mit Bronze hielt er dem Druck stand und strich Balsam auf die Wunden. Den Titel heimste Ted Ligety aus den USA ein.

Den goldenen Schlusspunkt für Österreich setzte am Samstag im Slalom Marlies Schild, die unter Tränen hoffte, dass es "Benni jetzt auch wieder besser" geht.

Er habe ihr Mut zugesprochen. Teamkollegin Kathrin Zettel freute sich über Silber. Zum WM-Ausklang haderte Mario Matt mit Platz vier, der Franzose Jean-Baptiste Grange hatte das letzte Gold eingeheimst.

"WM mit deutscher Gründlichkeit"

Österreich gewann die Medaillenwertung mit vier Gold, drei Silber und einmal Bronze vor Frankreich (2/1/1) und Italien (1/2/3).

Gastgeber Deutschland musste sich mit zwei dritten Plätzen begnügen.

"Es war eine hervorragende WM mit deutscher Gründlichkeit", bilanzierte FIS-Präsident Gian Franco Kasper.

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