Hirscher-Sensation, Feuz patzt

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"Bisher war ich im Super-G immer ein Hosenscheißer"

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Der Kampf um die große Herren-Kristallkugel hat am zweiten Tag des Saisonfinales in Schladming eine dramatische und für Österreich erfreuliche Wende erfahren.

Während Leader Beat Feuz im Super-G ausfiel und damit seinen ersten "Matchball" vergab, wurde Verfolger Marcel Hirscher in seinem erst vierten Super-G sensationell Dritter. Damit hat Hirscher, der in den beiden abschließenden Technik-Bewerben Favorit ist, nur noch 75 Zähler Rückstand auf Feuz. Der Norweger Aksel Lund Svindal wurde trotz eines "Nullers" knapp Sieger im SG-Weltcup.

Gunst der Stunde genutzt

Sensationsmann des Tages war aber Hirscher. Nach Platz zwei von Feuz in der Abfahrt hatten viele den Technikspezialisten aus Salzburg schon fast abgeschrieben. An einem prächtigen Sonnentag nutze Hirscher aber die Gunst der Stunde perfekt.

Auf dem vom US-Coach drehend und fast schon riesentorlaufartig gesetzten Kurs wurde er sogar bester Österreicher. Nur sechs Hundertstel hinter Sieger Christoph Innerhofer (ITA) und vier hinter dem zweitplatzierten Franzosen Alexis Pinturault fuhr Hirscher erstmals in einer Speed-Disziplin auf das Podest.

Dabei hatte selbst ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel dem jungen Salzburger von einem Start abgeraten. Dass die Entscheidung richtig war, zeichnete sich schon unmittelbar nach der Fahrt des bereits mit Nummer zwei gestarteten Österreichers ab.

Nur Weltmeister Innerhofer und der ebenfalls früh (5) fahrende Pinturault platzierten sich noch knapp vor ihm, während alle Spezialisten mit höheren Nummern keine Chance hatten.

"Bisher immer Hosenscheißer"

Ihren Höhepunkt erreicht die Dramatik, als Feuz mit Nummer 19 ins Rennen ging,. Der Schweizer lag aber schon ganz oben zurück und fiel dann bei einem Linksschwung nach einem Innenskifehler sogar aus. Das wendete das Blatt komplett und wieder zugunsten Hirschers.

Der Salzburg war entsprechend begeistert. Vor allem aber über sein Rennen. "Bisher war ich im Super-G immer ein Hosenscheißer, hab's mir nie zugetraut. Ich habe ja keine Erfahrung", erzählte er.

"Aber das heute war technisch, ich hatte nichts zu beweisen. Es war zudem hart und unten steil, da kann ich deutlich mehr herausholen, als wenn es geradeaus geht", sagte er. "Und die Stadion-Atmosphäre war einfach geil."

"Spannend, egal was kommt"

Dass er alle Spezialisten hinter sich gelassen hatte, war für Hirscher "unreal". Ob er nun Favorit im Kugelkampf sei, verneinte der Salzburger prompt. "Nicht unbedingt. Ich trau' dem Beat am Samstag im Riesentorlauf alles zu. Ein Ausfall von mir und schon schaut wieder alles ganz anders aus", sagte er fast deckungsgleich das, wovor am Vortag Feuz gewarnt hatte.

Hirscher ist sonnenklar: "Ich habe heute voll attackiert und dieser Schiene muss ich treubleiben. Es wird spannend, egal was kommt."

"Und schon bin ich dagelegen"

Feuz nahm sein Malheur gefasst hin. "Es war ein unerwarteter Innenskifehler und schon bin ich dagelegen. Schade, denn ich fühlte mich besser als in der Abfahrt", sagte der Schweizer.

Natürlich sei er enttäuscht, "denn ein weiteres gutes Rennen hätte mir eine gute Ausgangslage verschafft", bedauerte der 25-Jährige, der am Vortag als Abfahrtszweiter 135 Zähler zwischen sich und Hirscher gelegt hatte.

"Ich habe aber immer gesagt, dass Marcel schnell Super-G fahren kann", gab sich Feuz als fairer Verlierer. "Heute hat alles perfekt für ihn gepasst und er hat das gut gelöst. Jetzt sind die Vorteile sicher bei ihm und ich bin im Hintertreffen. Ich kann nur noch versuchen, im Riesentorlauf Punkte zu holen."

Svindal jubelte trotz Patzer über Kristall

Der Kampf um die Super-G-Kugel brachte am Ende eine knappe Entscheidung. Svindal machte als 16. keine Punkte, aber Verfolger Didier Cuche patzte als Neunter ebenfalls und verpasste die Kugel letztlich um 13 Punkte.

Cuche verbeugte sich vor den Fans und verabschiedet sich nach 21 Siegen von den Fans. Der vierfache Abfahrts-Weltcupsieger tritt zurück, wird aber am Samstag noch im Riesentorlauf starten.

Svindal freute sich natürlich, in der Gesamtwertung ist er nach dem "Nuller" aber endgültig aus dem Rennen. "Ich hatte Glück, dass auch Didier heute nicht besonders gut gefahren ist", gab der Norsker nach seiner insgesamt siebenten Kugel zu.

Lob für Hirscher

Das gesamte Feld lobte Hirschers Leistung. "Gewaltig. Er hat seine Nummer perfekt ausgenutzt. Gestern sprach alles für Feuz, heute hat sich wieder alles gedreht", sagte etwa Teamkollege Benjamin Raich, der ex aequo mit Hannes Reichelt Platz fünf belegte.

Sieger Innerhofer ließ eine verpatzte Saison noch gut ausklingen. Auch der Südtiroler hatte Komplimente für Hirscher und Co. "Ein Wahnsinn. Heute haben die Slalomfahrer die Abfahrer abgehängt. Das wird noch extrem spannend."

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