Lindsey Vonn holt 50. Weltcup-Sieg

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"50? Nein, das ist nicht wahr?" Immer wieder blickte Lindsey Vonn auf die Vidiwall, denn es standen noch über 30 Läuferinnen oben.

Doch als die Topgruppe im Ziel und keine Konkurrentin an ihre Bestzeit in der Samstag-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen herangekommen war, wurde das Lächeln im Gesicht der US-Amerikanerin immer befreiter, und erste Tränen begannen zu kullern.

Mit dem 50. alpinen Ski-Weltcuperfolg ihrer Karriere liegt Vonn nur noch 12 hinter der Allzeit-Bestmarke von Annemarie Moser-Pröll.

Die auf der eisigen und schlagigen Kandahar zweitplatzierte Schweizerin Nadja Kamer hatte 0,41 Sekunden Rückstand, die drittgereihte Liechtensteinerin Tina Weirather 0,79.

Mit Rang vier musste sich die deutsche Lokalmatadorin Maria Höfl-Riesch begnügen (0,99), Weltmeisterin Elisabeth Görgl rettete als Sechste (1,25) einen Top-Ten-Platz für das österreichische Speed-Team.

Tränen zum Jubiläum

Tränen flossen über die Wangen von Vonn, als sie bei der Eiseskälte von minus 20 Grad im Zielraum die ersten Interviews gab.

"Ich kann es nicht glauben. 50 ist ein Wahnsinn, ich habe niemals gedacht, dass ich so viel in meinem Leben erreichen werde", sagte die 27-Jährige.

Mit Fortdauer des Rennens wurde sie immer schneller und machte nach großem Rückstand bei der ersten Zwischenzeit insgesamt eine Sekunde auf Kamer gut. "Ich habe alles gegeben. Im unteren Teil war ich gut und es hat gereicht."

Punkte-Polster ausgebaut

Mit dem 25. Abfahrtserfolg ihrer Karriere ist sie nun alleinige Zweite hinter Moser-Pröll (36), im Ranking der meisten Weltcupsiege ist sie Dritte hinter Moser-Pröll (62) und der Schweizerin Vreni Schneider (55).

Der vierte Gesamtweltcupsieg wird Vonn kaum noch zu nehmen sein, 1.350 Punkte hat sie auf dem Konto, die Slowenin Tina Maze ist mit 868 die erste Verfolgerin. In der Disziplinwertung lautet die Reihung Vonn (530) vor Weirather (300) und Görgl (275).

Görgl nicht zufrieden

Görgl verpasste die Kurve in der Passage "Hölle", der ihr eine bessere Platzierung kostete. "Ich habe ziemlich engagiert attackiert und habe dann einfach einen Fehler gemacht, deshalb bin ich nicht ganz vorne dabei", meinte die Steirerin, die Vonns Leistung mit "Wahnsinn" betitelte.

Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass sie etwas viel besser mache als alle anderen. "Aber trotzdem, ich kann sie nicht kopieren. Ich kann nicht ihre Ski fahren, ich habe nicht ihren Körper, nicht ihre Größe. Ich muss mit meinen Möglichkeiten das Maximum rausholen. Das sind sicher nicht so die Voraussetzungen wie bei ihr, aber ich kann trotzdem Rennen gewinnen, das habe ich schon bewiesen."

Feier im Wohnwagen

Dass Vonn die historische Marke von Moser-Pröll erreichen wird können, das kann sich auch Görgl "vorstellen". Auch Vonns Red-Bull-Betreuer Robert Trenkwalder glaubt, dass diese Marke das Ziel für die Zukunft sein wird.

Vorsorglich stand er schon mit zwei Flaschen Champagner für seinen Schützling und einer Flasche Birnenschnaps für die Trainer im Rucksack im Ziel. Später bekam Vonn auch noch fünf Flaschen Champagner von Pressechef Gerd Rubenbauer, trotzdem wollte sie nur in Ruhe mit ihrer Schwester und den Trainern in ihrem Wohnwagen feiern.

Von den weiteren Österreicherinnen konnten sich Anna Fenninger (13./+2,01) und Andrea Fischbacher (22./2,71) ihre Rückstände nicht erklären.

Kamer mit Super-Ski

"Ich habe mir bei der Fahrt oben gedacht, dass ich schnell bin, aber anscheinend war dem nicht so. Mir ist es nicht so schlecht vorgekommen. Ich frage mich auch, warum alle oben so viel Rückstand auf Kamer haben. Sie muss einen Bombenski gehabt haben", sagte Fenninger.

Fischbacher rätselte ebenso: "Ich hätte mich nicht so schlecht gefühlt, aber der Rückstand ist ein Wahnsinn. Ich muss jetzt analysieren gehen." Stefanie Moser landete nach einem beherzten Rennen auf Platz 17.

Kamer bedankte sich bei ihrem Servicemann und schrieb die gute Leistung ihrer Gleit-Fähigkeit und dem "brutal schnellen" Ski zu. Hocherfreut nach dem dritten Podestplatz in dieser Saison war auch Weirather: "Heute war es wirklich Wahnsinn, dass ich schnell war, weil mir so unruhige Strecken wie hier in Garmisch eigentlich nicht liegen."

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