Maier: "Auf der Streif gewinnt kein Jungspund!"

Aufmacherbild
 

Hermann Maier hat sich auf seine Art auf den ganz normalen Kitzbühel-Wahnsinn vorbereitet: mit einer Ski-Tour.

In der Salzburger Gegend ist er gewesen, verrät der sechsmalige Streif-Sieger, aber wo genau bleibt sein Geheimnis.

"Gute Touren verrät man nicht", lacht Maier, der meist alleine seine Spuren in den Tiefschnee zieht. "Die anderen müssen unter der Woche arbeiten."

Super-G vor Ort, Abfahrt daheim

Viel Arbeit wartet auf den 39-Jährigen am Hahnenkamm. Hände müssen geschüttelt, Sponsoren wollen beglückt, Autogramme sollen geschrieben werden.

Bis Freitag bleibt der "Herminator" in Kitzbühel, die Abfahrt schaut er sich lieber im Fernsehen an. "Da sieht man mehr!"

Was außer dem Super-G noch am Programm steht, warum ihn der Party-Marathon nicht aus den Skischuhen haut und welche Gemeinsamkeiten er mit Marcel Hirscher hat, verrät der Flachauer hier.

Hermann Maier spricht bei LAOLA1 über …

… seine Gefühlswelt bei der Rückkehr nach Kitzbühel: „Es war schon immer besonders, aber heute ist es auch angenehm. Zu meiner aktiven Zeit ist alles sehr schnell gegangen. Am Samstag war noch Wengen, am Montag war man schon in Kitzbühel und dann hat es sich bis zum Ausnahmezustand am Freitag gesteigert.“

… seine Hahnenkamm-Eindrücke als „Ski-Pensionist“: „Ich bin jetzt das dritte Jahr als Zuschauer da, und diese Seite ist fast anstrengender. Als Läufer war alles viel geregelter, jetzt spielt es sich vor allem am Abend ziemlich ab. Das ist auch eine Art von Belastung!“

… seinen Kitz-Fahrplan: „Ich bleibe bis Freitag hier, habe noch den einen oder anderen Termin. Ob ich auch die eine oder andere Party besuche, ist noch offen. Das habe ich eigentlich in den letzten zwei Jahren gemacht, da kennt man alle Feiern, hat man alles gesehen. Wenn mir eine gefällt, bleibe ich länger, sonst gehe ich zur nächsten Party. Aber die Unterschiede sind nicht besonders groß: Irgendwo wird eine Weißwurst abgeschält, woanders wird Champagner verspritzt. Das ist keine Herausforderung.“

… den Mythos Streif: „Einen Mythos legt jeder anders aus. Der große Unterschied zu anderen Abfahrten ist der, dass der Rettungshubschrauber deutlich öfter startet. Es braucht höchste Konzentration und man muss bereit sein für außergewöhnliche Dinge, um hier runter erfolgreich zu sein. Bei anderen Rennen kann man es vielleicht gemütlich angehen, in Kitzbühel geht das nicht.“

… die schweren Stürze der letzten Jahre: „Für die Läufer ist es ein unangenehmes Gefühl. Bei meinem ersten Sieg ist auch einer vom Hubschrauber abgeholt worden. 2008 bin ich am Start zurückgehalten worden, weil einer abgeflogen ist. Das kommt schon sehr oft vor, dass man einen Sieg feiert, wenn ein anderer im Krankenhaus landet. Aber das ist leider Gottes auch der Leistungssport, mit dem muss man fertig werden. Das ist die große Kunst und Schwierigkeit.“

… Tipps für die jungen ÖSV-Abfahrer: „Fahrt so, wie ihr euch das selber zutraut, mehr ist nicht ratsam. Das ist in Kitzbühel das Wichtigste. Alles was zu viel ist, geht ins Gefährliche hier. Denn auf der Streif gibt es einige Stellen, an denen Karrieren zu Ende gegangen sind.“

… seinen Siegertipp: „Wenn die Verhältnisse so bleiben, dann steht ein erfahrener Mann ganz oben. Sofern die Verhältnisse so bleiben wie am Mittwoch, kommen vielleicht zwei oder drei Läufer in Frage. Sollten sie sich ändern und einfacher werden, wird der Kreis der Sieganwärter aber sicher größer."

… ein Ende der Schweizer Dominanz: „Unsere Arrivierten müssen ihre Erfahrung umsetzen, das ist das Um und Auf. Ein Jungspund, der bei normalen Verhältnissen noch nie runtergefahren ist, wird hier nie gewinnen beim ersten Mal. Die Burschen sind auf einem guten Weg, ein Klaus Kröll und ein Hannes Reichelt können Cuche und Feuz sicher biegen. Und einem Mario Scheiber liegt Kitzbühel auch sehr gut.“

Marcel Hirscher, den „neuen“ Maier: „Es fällt schon auf, dass es gewisse Ähnlichkeiten gibt. So ist zum Beispiel unverkennbar, dass er aus der gleichen Gegend kommt. Wenn man ihn reden hört, ist das sehr, sehr ähnlich. Auch die Art und Weise der Herangehensweise kommt mir bekannt vor. Für Österreich ist es wichtig, dass es so einen Läufer gibt.“

… seine Pläne für die Zukunft: „Alle Projekte von mir sind relativ groß, es ist auch einiges in Planung. Aber das ist noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Ich habe so viele Ideen, dass ich einige abschmettern muss. Es muss im Rahmen bleiben und etwas sein, das ich ganz gut kann. Aber auch nicht zu gut, weil dann wird es schnell wieder langweilig.“

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen