Sieger-Interview: Lindsey Vonn im LAOLA1-Talk

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Lindsey Vonn hat mit ihrem Sieg beim Weltcup-Auftakt in Sölden Geschichte geschrieben.

Als erst fünfte Läuferin der Geschichte feiert die US-Amerikanerin Siege in allen Disziplinen.

Im Frühjahr war sie als Dritte in Spindlermühle bereits einmal knapp dran, meist ging es im RTL aber doch daneben.

Bei LAOLA1 spricht die erste Herausforderin von Maria Höfl-Riesch im Kampf um den Gesamt-Weltcup über die Erfüllung eines Traums, Fragezeichen vor dem Saisonstart, Ausrufezeichen im Sommer und den Status-quo ihrer Freundschaft zur deutschen Konkurrentin.


LAOLA1:
Gratulation zum Sieg in Sölden, ihrem ersten im Riesentorlauf, mit dem Sie wahrscheinlich so gar nicht gerechnet haben?

Lindsey Vonn: Nein ,überhaupt nicht. Ich bin mit nicht wirklich viel Selbstvertrauen an den Start gegangen. Immerhin bin ich nach meinem Sturz letzten Samstag fast eine Woche nicht Ski gefahren. Aber ich habe mir am Freitag gesagt, dass ich die Vergangenheit hinter mir lasse und einfach mein Bestes gebe.

LAOLA1: Sie haben das Rennen mit zwei sensationellen Fahrten im unteren Teil gewonnen. War das ihre Taktik?

Vonn: Ich habe das mit meinen Trainern so besprochen, ja. Der Plan war, im Steilhang möglichst fehlerfrei zu bleiben und dann den ganzen Schwung in das letzte Flachstück mitzunehmen und dort den Ski gehen zu lassen. Ich habe mir den Übergang bei der Besichtigung sehr genau angeschaut. Dann ist alles perfekt aufgegangen.

LAOLA1: Mit dem Sieg sind Sie auch die erste Führende der Saison im Gesamt-Weltcup. Was bedeutet das für Sie?

Vonn: In einer Saison ohne Großereignis dreht sich alles um die Weltcup-Kugeln. In der letzten Saison hat es lange gedauert, bis ich in Fahrt gekommen bin. Heuer habe ich zum Glück einen besseren Start erwischt.

LAOLA1: Wen haben Sie sonst noch auf der Rechnung für die große Kristall-Kugel?

Vonn: Die Liste der Kandidatinnen für den Gesamt-Weltcup ist lang. Da ist Maria, die Titelverteidigerin. Tina Maza ist gegen Ende der letzten Saison sehr stark gefahren, sie muss man sicher auf der Rechnung haben. Lizz Görgl ist eine großartige Rennfahrerin. Dann haben wir noch eine Anja Pärson, Nicole Hosp hat auch alle Möglichkeiten. Es wird richtig hart!

LAOLA1: Dafür haben Sie es sich im Sommer gut gehen lassen?

Vonn: Naja, der Sommer war eigentlich sehr kurz. Ich habe ein bisschen Urlaub gemacht, war mit meiner Schwester in Miami. Aber jetzt war ich schon froh, dass die Saison endlich losging. Und zum Glück habe ich gleich im ersten Rennen gesehen, dass mich mein Gefühl nicht getäuscht hat: Ich bin bereit für den Winter! Dafür war ich im Olympia-Stützpunkt in San Diego

LAOLA1: … und zum Relaxen auch bei Bode Miller auf seinem Boot?

Vonn (lacht): Nein, nicht wirklich. Wir haben uns nicht getroffen. Obwohl sein Boot nur 15 Minuten von mir entfernt im Hafen lag, aber wir waren zu unterschiedlichen Zeiten dort. Aber es war auch so unglaublich, Sonnenschein jeden Tag, 30 Grad, einfach perfekt.

LAOLA1: Und wahrscheinlich will man im Sommer sowieso auch seine Ruhe von den Teamkolleginnen und Konkurrentinnen haben?

Vonn: Ja, mir tut es sehr gut, wenn ich von all dem weg bin. In San Diego trainieren nur Athleten, die nichts mit Skifahren oder Schnee zu tun haben. Das hilft, weil der Kopf braucht eine Pause von dem ganzen Zirkus.

LAOLA1: Haben Sie in der Vorbereitung neue Reize gesetzt, etwas anders gemacht?

Vonn: Das Programm beim Skifahren und auch beim Konditionstraining war ähnlich wie im letzten Jahr. Aber ich habe etwas mehr Leichathletik-Elemente in mein Training eingebaut und ich bin statt drei diesmal vier Wochen in Neuseeland geblieben. Ein paar kleine Adaptionen, aber im Großen und Ganzen war es ein Sommer wie immer.

LAOLA1: Ein Thema des Sommers war auch das Ende ihrer Freundschaft zu Maria Riesch. Wie sehr nerven Sie Fragen zu diesem Thema eigentlich schon?

Vonn: Ich verstehe schon, dass diese Fragen immer wieder gestellt werden. Maria und ich haben uns in Neuseeland getroffen, alles diskutiert und die Entscheidung getroffen, dass wir in der Öffentlichkeit nicht mehr über unsere Freundschaft sprechen. Wir sind der Meinung, dass es für den Skisport besser ist, wenn wir über unsere Resultate sprechen als über dieses Drama.

LAOLA1: Aber der Popularität des Skisports hat die Auseinandersetzung nicht geschadet, nach dem Motto: „Only bad news are good news!“?

Vonn: Die Journalisten machen ihren Job, so funktionieren eben die Medien. Aber ich versuche mich jetzt eben auf meinen Job zu konzentrieren, das ist Skifahren. Und ich will ein positiver Mensch sein, ein guter Typ und ein Vorbild. Das ist alles, was ich machen kann!

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

LAOLA1: Was genau ist bei ihrem Sturz im Training passiert?

Vonn: Ich bin beim Training am Rennhang gestürzt, bin voll auf die Hüfte geknallt und konnte fünf Tage nicht trainieren. Ich wusste nicht einmal, ob ich überhaupt starten kann. Man versucht in so einer Situation zwar positiv zu bleiben und weiter daran zu glauben, aber das ist gar nicht so einfach.

LAOLA1: Eine Woche später sind Sie die erst fünfte Rennläuferin, die Siege in allen Disziplinen feiern kann?

Vonn: Es ist unglaublich! Damit habe ich mein Saisonziel erreicht. Ich habe viel Riesentorlauf trainiert, aber ich hätte nie gedacht, dass ich schon in Sölden ganz oben stehe. Das ist einfach unglaublich. Alle fünf Disziplinen zu gewinnen, war immer ein Traum, jetzt ist er in Erfüllung gegangen. Es fühlt sich einfach nur gut an, dass die ganze harte Arbeit belohnt wird.

Läuferinnen mit Siegen in allen Disziplinen:

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