Vonn bei LAOLA1: "Ich kann noch schneller fahren!"

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Würde Lindsey Vonn an der Börse gehandelt werden, sie würde einen Halbzeitbericht der Superlative abliefern. Und die Anleger zu Freudensprüngen verleiten.

Seit der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen hält die US-Amerikanerin bei 50 Weltcup-Erfolgen.

Ihren Eintrag in die Ski-Geschichtsbücher hatte die 27-Jährige, die in der Nacht auf Montag in Innsbruck Star-Gast einer Super-Bowl-Party war, schon davor sicher, aber durch den Jubiläumserfolg sind einige neue Kapitel hinzu gekommen.

Ein Beispiel: Zwischen dem ersten und dem 50. Erfolg lagen nur sieben Jahre und 62 Tage, Annemarie Moser-Pröll und Vreni Schneider, die in der All-Time-Siegerliste noch vor Vonn liegen, brauchten deutlich länger.

Die Beste aller Zeiten

Wenn die Weltcup-Führende Abfahrt und Super-G weiter in dieser Tonart dominiert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie die 62 Siege von Moser-Pröll geknackt hat.

Neben Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ist es das große Ziel: „Ich möchte die Beste aller Zeiten sein“, stellt Vonn im großen LAOLA1-Interview klar.

Außerdem spricht sie darüber, woher sie ihre Motivation nimmt, warum das Fahren mit Männer-Skiern nur ein Zwischenschritt ist und wann sie einen Schlussstrich zieht.


LAOLA1: Lindsey, du bist Olympiasiegerin und Weltmeisterin, hast insgesamt 12 große und kleine Kristallkugeln gewonnen und hältst jetzt bei 50 Weltcup-Siegen. Herz, was will man mehr?

Lindsey Vonn: Ich hätte niemals gedacht, dass ich all das einmal erreichen kann. 50 Weltcup-Siege sind ein Wahnsinn, meine Karriere ist bis zu diesem Punkt viel besser verlaufen, als ich jemals zu träumen gewagt habe. Ich gebe sehr viel für den Skisport, um erfolgreich zu sein.

LAOLA1: Wie schwer fällt es dir angesichts all dieser Erfolge, etwaige Höhepunkte herauszupicken?

Vonn: Ganz oben steht sicher die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Vancouver in der Abfahrt. Aber gleich danach kommen die drei Gesamt-Weltcupsiege, die für mich auch sehr großen Stellenwert haben. Denn es zeigt, dass ich eine komplette Skifahrerin bin, was mir immer sehr wichtig war und ist.

LAOLA1: In Garmisch hast du nach dem 50. Sieg auch die eine oder andere Träne verdrückt.

Vonn: 50 Siege sind eine so unglaubliche Zahl. It’s unbelievable! Ich bin jetzt fast 12 Jahre im Weltcup dabei, du weißt einfach nicht, was kommt. Verletzungen passieren so schnell, vor allem wenn du alle Disziplinen fährst. Aber da muss ich auf Holz klopfen, dass mir schlimme Stürze und schwere Verletzungen bis jetzt erspart geblieben sind.

LAOLA1: Woher nimmt man die Motivation, wenn man eigentlich alles erreicht hat?

Vonn: Ich will noch mehr gewinnen! Mir bedeuten Rekorde und Bestmarken sehr viel. Sie sind der Grund, warum ich Rennen fahre. Und ich weiß, dass ich noch schneller fahren kann.

LAOLA1: Das wird deine Konkurrentinnen aber nicht freuen, wenn sie das lesen?

Vonn: Ich probiere immer wie die Männer zu fahren. Sie sind viel schneller als wir. Deshalb schnalle ich auch Männerski an. Aber das ist nur ein Element auf meinem Weg. Wenn ich meine Karriere einmal beende, dann will ich sagen können, dass ich diese Lücke geschlossen habe. In den Speed-Disziplinen bin ich schon auf einem guten Weg, dafür wartet in Slalom und Riesentorlauf noch viel Arbeit.

LAOLA1: Du bist in Abfahrt und Super-G die Nummer 1 bei den Frauen. Aber wieviel fehlt noch auf die Herren der Schöpfung?

Vonn: Ich habe im Sommer viel mit den Männern trainiert, war im November in Vail mit dem kanadischen Team und den Norwegern unterwegs. Da war ich nicht so weit zurück. Und das Training mit den Männern war sicher auch ein Grund, warum ich in Lake Louise so weit vorne war.

LAOLA1: Gibt es Skifahrer, die dich ganz besonders inspirieren?

Vonn: Da gibt es viele. Die Art und Weise, wie Didier Cuche seine Rennen gewinnt, wie taktisch und klug er fährt, da kann ich mir viel abschauen. Hermann Maier hat eine Welt-Karriere hingelegt, er ist einer der wenigen Skifahrer, die man auch in den USA kennt.

LAOLA1: Cuche ist Rekordsieger auf der Streif, der „Herminator“ war am Hahnenkamm-Wochenende ebenfalls sehr erfolgreich. Träumst du eigentlich noch von einer Damen-Abfahrt in Kitzbühel?

Vonn: Träumen ja, aber ich glaube nicht, dass sich dieser Traum erfüllen wird. Aber wir haben auch so sehr schöne Strecken, die eine Herausforderung sind. Schade fand ich aber, dass wir in Beaver Creek nicht auf der Herren-Piste gefahren sind.

LAOLA1: Du hast das Karriereende angesprochen: Zuletzt hast du mit deiner Ankündigung aufhorchen lassen, dass erst nach den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang Schluss ist?

Vonn: Meine Planung läuft einmal bis zu den Weltmeisterschaften 2015 in Vail. Die sind vor meiner Haustür und ein absoluter Höhepunkt für mich. Danach schauen wir weiter. Wenn ich mich gut fühle und gesund bin, kann mich mir auch vorstellen, dass ich noch bis zu den Spielen 2018 dranhänge. Aber danach ist definitiv Schluss!

LAOLA1: Bleibt dennoch Zeit genug, den All-Time-Siegrekord von Annemarie Moser-Pröll zu knacken. Wie wichtig wäre es dir, die erfolgreichste Weltcup-Läuferin aller Zeiten zu werden?

Vonn: Das ist sicher noch ein großer Traum von mir, das habe ich Annemarie in Flachau auch gesagt. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich ständig daran denke. Ich möchte einfach in jedem Rennen mein Bestes geben, probiere zu gewinnen und wenn mir das gelingt, bin ich schon zufrieden. Auch wenn es nicht immer mit dem Sieg klappt.

LAOLA1: Mit der erst 16-jährigen Mikaela Shiffrin testet bereits eine Nachfolgerin, ob ihre Skischuhe in deine Fußstapfen passen?

Vonn (lacht): Mikaela ist ein Wunderkind, ihr gehört die Zukunft im US-Ski-Team. Mit ihrem dritten Platz in Lienz hat sie der Welt gezeigt, was sie drauf hat. Ich habe ihr gleich am ersten Tag gesagt, dass sie mich, wenn sie etwas braucht oder ich ihr mit Tipps helfen kann, jederzeit fragen kann.

LAOLA1: Erinnerst du dich noch, wie das bei dir war, als du mit 16 Jahren dein Weltcup-Debüt in Aspen gegeben hast?

Vonn: Als ich 16 Jahre alt war hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich eigentlich machen möchte. Ich war so jung und dumm, bei mir hat es viele Jahre gedauert, bis ich dieses Selbstvertrauen aufgebaut habe, bis ich wusste, was ich eigentlich will. Die ersten Jahre im Weltcup waren nicht einfach, ich war als junge Läuferin nicht so cool wie Mikaela.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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