"Jungen machen den Älteren Feuer hinterm Hintern"

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Seit dem Rücktritt der "Golden Girls" Alexandra Meissnitzer, Michaela Dorfmeister und Renate Götschl sind die Speed-Erfolge der ÖSV-Damen im überschaubaren Rahmen geblieben.

Auch wenn es bei Titelkämpfen wie in Vancouver 2010 oder der WM in Garmisch 2011 ganz gut geklappt hat.

Da wie dort war Jürgen Kriechbaum als ÖSV-Speedchef und Kurssetzer massiv mitbeteiligt gewesen an den Goldläufen von Andrea Fischbacher in Whistler und Elisabeth Görgl in Garmisch.

Der seit 1993 beim ÖSV arbeitende Pädagoge kehrt nach zwei Jahren als Lehrer in Stams mit diesem Winter als neuer Damenchef zum Verband zurück, und sofort war unter dem 47-jährigen Nachfolger von Herbert Mandl ein frischer Wind zu spüren.

 

Im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur spricht Jürgen Kriechbaum über die Gründe für seine Rückkehr und über die Rolle der Jungen im Team. Zudem verrät der 47-Jährige, warum Mario Scheiber als Trainer installiert wurde und welche Ziele er verfolgt.



Frage: Sie sind seit 1993 beim ÖSV, nun zwei Jahre an der Schule gewesen. Warum haben sie sich entschieden, als ÖSV-Damenchef zurückzukehren?

 Jürgen Kriechbaum: Ich war davor schon 18 Jahre beim ÖSV, musste einfach mal weg in den normalen Schuldienst. Da wird man wieder geerdet. Es war eine super wertvolle Zeit. So ein Angebot als Cheftrainer hat aber natürlich seinen gewissen Reiz. Es war also schnell klar, dass ich es mache.

Frage: Die Damen-Abfahrtsmannschaft wurde um einige junge Läuferinnen aufgestockt. Ist das schon ihre Handschrift?

Kriechbaum: Es ist einer unserer Eckpunkte, den Speedbereich wieder zu stärken. Es hat sich angeboten mit diesen guten Läuferinnen wie Mirjam Puchner, Tamara Siebenhofer, Cornelia Hütter, Stephanie Venier, Tamara Tippler die im Europacup recht gut gefahren sind und auch bei den ÖM vorne dabei waren, aufzustocken. Wir haben den Speedbereich deshalb erweitert, das wird gut funktionieren. Zudem sind auch sehr gute Coaches wie Roland Assinger und Kurt Kothbauer dazugekommen.

Frage: Wer wird davon besonders profitieren?

Kriechbaum: Beide. Die Jungen geben richtig Gas und machen den Älteren Feuer unterm Hintern. Das können die ganz gut vertragen. Und die Jüngeren profitieren von der Routine der Älteren.

Frage: Mit Mario Scheiber haben sie einen prominenten Ex-Rennläufer als Europacup-Trainer installiert. Warum?

Kriechbaum: Das war eine Idee vom Europacup-Chef Thomas Trinker und mir. Nämlich ähnlich wie damals bei Roland Assinger einen Läufer zu finden, der eine Menge Eigen-Erfahrung mitbringt. Mario kenne ich schon als Nachwuchsläufer. Er hat immer alle Dinge mit vollstem Einsatz gemacht. Ich denke, dass das für die Mädchen eine extreme Motivation wird, einen Trainer dieses Namens zu haben.

Frage: Sie folgen Langzeitchef Herbert Mandl, der in elf Jahren Riesen-Erfolge verzeichnete. Wie lauten ihre Ziele?

Kriechbaum: Mein Vertrag geht zunächst einmal auf zwei Jahre. Es gibt kurzfristige Ziele wie Weltcup, Olympia und die folgende WM 2015. Aber das großes Ziel ist eine komplette Mannschaft, da hoffen wir im Speedbereich nun den ersten Schritt zu machen. Wir brauchen die Jüngeren, damit wieder neue Gesichter auftauchen.

Frage: Unter ihnen als Trainer und Kurssetzer haben die ÖSV-Damen Gold bei Olympia und WM geholt. Das geht nun wohl nicht mehr, oder?

Kriechbaum: Kurssetzer bin ich als Cheftrainer natürlich nicht mehr. Aber unsere Trainer können das zumindest genauso gut. Es ist ohnehin ein eher unangenehmer Job, da kann man einige Tage nicht besonders gut schlafen. Man will ja einen charismatischen Kurs setzen, gleichzeitig soll er den eigenen Läufern nicht schaden. Diesen Bogen musst du erst mal finden, das ist schwer und oft daneben gegangen.

Frage: Ihre Ziele im Weltcup?

Kriechbaum: Mein Zugang richtet sich nicht nach Ergebnissen, sondern nach konstanteren, stabileren Leistungen. Das trifft vor allem auf eine Fenninger, Görgl, Hosp, Zettel zu. Wenn darüber hinaus ein Weltcup-Gesamtsieg oder eine vordere Platzierung zustande kommt, wird mich das natürlich freuen.

Frage: Lindsey Vonn und Tina Maze haben eigene Teams und beherrschen die Szene. Wie gehen die ÖSV-Stars Fenninger, Schild usw. das an?

Kriechbaum: Wir versuchen die Betreuung so individuell wie möglich zu machen, aber auch den Teamcharakter zu betonen. Der hat ja auch Vorteile. Und Speed kannst du sowieso kaum alleine trainieren. Bei technischen Disziplinen ist es ähnlich. Individualarbeit wird groß geschrieben, so gut es geht aber innerhalb der Mannschaft.

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