Janka: "Solange die Finanzen der FIS stimmen, ..."

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Carlo Janka war in der letzten Saison nur selten vorne dabei.

Nicht einmal zu einem Stockerlplatz reichte es für den Schweizer Olympiasieger, Weltmeister und Gesamt-Weltcupsieger.

Angst, dass es in dieser Tonart weitergeht, hat der 26-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 nicht. Er weiß aber, dass es im Jahr 1 nach Didier Cuche für das gesamte Schweizer Team nicht leicht wird.

Kein Problem war übrigens das nachfolgende Interview. Der als wortkarg und unnahbar bekannte "Iceman" taut im Laufe des Gesprächs auf und nimmt ganz cool die hohen Herren der FIS ins Visier.

LAOLA1: Herr Janka, wie geht es Ihnen wenige Tage vor dem Saisonstart?

Carlo Janka: Danke, es ist alles im grünen Bereich. Die Vorbereitung war aus meiner Sicht ganz okay. Ich konnte alles mitmachen, hatte keine Einschränkungen. Wenn es so bleibt, kann die Saison kommen.

LAOLA1: Es heißt, dass Sie noch Probleme mit dem neuen Skischuh haben?

Janka: Wir haben bei der Abstimmung sicher noch einiges an Arbeit, ja, aber das ist logisch. Einerseits haben wir neues Material, andererseits hat Atomic einige Dinge verändert - da kann nicht alles rund laufen. Beim neuen Schuh haben wir sicher noch einige Hausaufgaben zu machen, damit das ganze Set-Up so funktioniert, wie ich mir das vorstelle.

LAOLA1: In Sölden feiert das neue Material TV-Premiere. Worauf müssen sich die Ski-Fans einstellen?

Janka: Es wird davon abhängen, wie Kurssetzung und Pistenverhältnisse sind. Wenn es hart ist und der Kurs nicht allzu eng, dann haben wir kein Problem. Aber bei weichen Verhältnissen und enger Kurssetzung werden die Bilder nicht besonders schön sein.

LAOLA1: Der Schweizer „Blick“ plagt nach dem Rücktritt von Didier Cuche bereits die Angst vor einem harten Winter. Brauchen Sie und ihre Teamkollegen wirklich ein „Ski-Wunder“?

Janka: Dass Didier nicht mehr da ist, ist sicher eine große Veränderung für uns alle. Er war im Speed-Bereich über Jahre konstant, immer vorne dabei. Wir müssen einfach schauen, dass wir Didier so gut wie möglich ersetzen können. Aber die Lücke lässt sich nur dann schließen, wenn wir alle zusammenhalten.

LAOLA1: Schaut man sich den Gesamt-Weltcup der letzten Saison an, so sind Sie nur auf Rang 24 zu finden. Wo geht es in diesem Winter hin?

Janka (lächelt gequält): Zumindest habe ich keinen Druck nach der letzten Saison. Ich denke, dass wir alle froh sind, wenn wir schon zu Saisonbeginn ein paar gute Ergebnisse einfahren können. Dann wird es für die ganze Mannschaft einfacher.

LAOLA1: Wie sehen Sie das Standing des Skisports im Allgemeinen?

Janka: Wir müssen sicher aufpassen, dass der Skisport auch in Zukunft attraktiv bleibt. Die FIS muss jetzt aufwachen und endlich Neuerungen bringen. Ansätze gibt es ja zur Genüge, aber irgendwann muss man auch den nächsten Schritt machen. Sonst wird der Skisport nicht überleben!

LAOLA1: Haben Sie einen Vorschlag, wo man den Hebel ansetzen könnte?

Janka: Den Ski-Firmen geht es von Jahr zu Jahr schlechter. Warum bindet man sie also zum Beispiel nicht mehr ein? Man könnte zum Beispiel Firmen-Teams machen, ähnlich wie in der Formel 1. Oder man räumt bei den Disziplinen ein bisschen auf, weil der Kalender sowieso überfüllt ist.

LAOLA1: Zahlreiche Experten meinen, dass man auch die verschiedenen Renn-Modi modernisieren müsste?

Janka: Eine Anpassung würde sicher nicht schaden. Kürzer, mit weniger Wartezeit zwischen den beiden Durchgängen. Vielleicht gestaltet man es wie das Formel-1-Qualifying, wo immer ein paar Läufer wegfallen und am Ende hat man einen Sieger.

LAOLA1: Das sind interessante Ansätze. Warum werden Sie nicht gehört?

Janka: Solange die Finanzen bei der FIS stimmen, wird da in naher Zukunft nicht viel passieren. Leider! Ich würde es begrüßen, wenn man auf das hört, was wir Athleten zu sagen haben. In der NHL entscheiden die Spieler, wann die Saison beginnt. Aber das ist in einer Mannschaftssportart einfacher als bei einem Einzelsport.

LAOLA1: Apropos Mannschaftssport: Ihr Lieblings-Team Manchester United scheint sich gut vom City-Schock der letzten Saison erholt zu haben. Und Sie?

Janka (lacht): Ja, es schaut ganz gut aus. Chelsea ist zwar im Moment vorne, aber das Ziel ist natürlich der Meistertitel.

LAOLA1: Vielleicht klappt es ja mit Toren von Super-Sprinter Usain Bolt?

Janka: Das wäre sicher interessant. Die Schnelligkeit ist vorhanden, man könnte ihn also gut steil schicken.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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