"Werde nie wieder vergessen, was da passiert ist"

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Sie bleiben das "First Couple" des Skisports - Anna Fenninger und Marcel Hirscher.

Das Salzburger Duo wiederholt den Coup der Saison 2013/14 und steht am Saisonende wieder gemeinsam am Siegerpodest.

Was sie danach zu sagen haben:

Interview mit Anna Fenninger:

Frage: Sie haben gesagt, wenn Sie es nicht selbst wären, müssten Sie den Hut vor sich ziehen. Beschreiben Sie Ihre Gefühle?

Fenninger: "Jeder Tag war ein Auf und Ab von den Gefühlen. Gestern war nur Slalom, ich war noch im Rennen um die Kugel und habe gewusst, es ist nicht viel passiert, aber trotzdem habe ich so einen Ballast gespürt und kurz die Nerven verloren, dass ich geweint habe. Ich habe gespürt, dass so viel Druck da ist und ich das los werden muss. Das war in den vergangenen Wochen ständig so. Ich habe mich nach gewissen Rennen nicht richtig freuen können, weil ich wusste, es geht weiter. Und nach gewissen Rennen ist mir so viel runtergefallen. Es war extrem unterschiedlich und extrem viel zu verarbeiten. Ich habe mir immer gedacht, ich weiß nicht mehr, wie es weitergeht, ich halte es nicht mehr aus. Jetzt ist es vorbei."

Frage: Als Sie dann im Zielraum im Schnee lagen, ist da die ganze Last von Ihnen runtergefallen?

Fenninger: "Ja, ich habe nicht geglaubt, dass das passiert, ehrlich gesagt. Ich habe so einen Druck verspürt vor dem zweiten Lauf. Ich war extrem nervös, ich habe auch unterm Fahren gemerkt, dass ich nervös bin. Ich wollte das eigentlich nicht zulassen. Ich wollte kämpfen dafür. Ich wusste nicht, was jetzt passiert, wenn ich über die Ziellinie fahre. Eigentlich war ich nur fertig mit den Nerven. Ich habe gesehen, dass Grün ist. Als ich zu Boden gefallen bin, habe ich einfach einmal nachgedacht, was bedeutet das jetzt. Mir ist dann gekommen, ich habe die kleine Kugel, ich habe die große Kugel. Ich habe es geschafft, es ist vorbei. Irgendwie habe ich geglaubt, es ist so ein Gefühl, wo dann was wegfällt. Es war schon da, aber ich habe gelaubt, dass noch viel mehr wegfällt."

Frage: Der Gesamtweltcup wurde mit der letzten Läuferin im letzten Rennen der Saison entschieden, was empfanden Sie?

Fenninger: "Ich glaube, das werde ich nie wieder vergessen, was da passiert ist. So knapp wie die Entscheidung war. Ich habe Tina (Maze/Anm.) vor mir wegfahren sehen, habe gesehen, dass sie normal gefahren ist. Ich wusste dann, jetzt konzentrier' dich auf dich selbst, das ist das Wichtigste. Dass sie dann auch so einen Riesentorlauf abliefert, ist eine extreme Leistung. Ich wusste es nicht, aber habe es geahnt. Ich wusste, ich muss alles geben. Ich wollte das Rennen auch unbedingt gewinnen, weil ich wusste, ich habe es in meiner eigenen Hand und will es selber schaffen und nicht durch einen Fehler von wem anders."

Frage: Sie sind erst die dritte Österreicherin, die mehr als einmal den Gesamtweltcup gewonnen hat. Was bedeutet Ihnen das?

Fenninger: "Das weiß ich gerade nicht. Für mich war es letztes Jahr schon so, dass ich nicht geglaubt habe, dass ich schon so weit bin, dass ich den Gesamtweltcup gewinnen kann. Dann habe ich ihn gewonnen. Mit der Vorstellung, die Tina heuer über den gesamten Winter geleistet hat, vor allem bis Jänner, hätte ich nicht gelaubt, dass es noch einmal möglich ist. Zumindest in der Saison. Dass es sich jetzt ausgegangen ist, war eh ein Schauspiel. Dass es überhaupt möglich war, bedeutet mir extrem viel. Das heißt, dass die komplette Saison perfekt war. Ich bin Zweite in der Abfahrt, Zweite im Super-G, Erste im Riesentorlauf. Das sind meine Hauptdisziplinen. Viel mehr geht einfach nicht. Lindsey (Vonn/Anm.) war überragend, wie schon so oft. Da das Maximum rauszuholen ist schon eine große Leistung gewesen."

Interview mit Marcel Hirscher:

Frage: Was haben Sie gefühlt, als Sie den historischen Pokal in die Hände bekommen haben?

Hirscher: "Man versucht in den drei Minuten, die die Hymne dauert, alles Revue passieren zu lassen, von Kindheit an, die prägnantesten Schritte und Menschen, die einem geholfen haben auf dem Weg. Das sind doch unzählige, danke by the way. Man versucht, das zu realisieren und herzuholen, das ist sehr wichtig, um zu verstehen, was passiert ist. Es fällt trotzdem schwer zu realisieren. Unglaublich. Ich muss mir jetzt Gedenken machen: was ist next?"

Frage: Sie haben einen Zettel mit vielen Namen und einem 'Danke' hergezeigt. Wer stand da drauf?

Hirscher: "Alles Leute, dir mir auf meinem Weg geholfen haben. Jetzt würden mir noch 20, 30, 50 Leute einfallen. Ich habe das Bedürfnis gehabt. Ich habe mir gedacht, bist deppert, wie viele Leute mir schon geholfen haben, dass ich da deppert Skifahren kann. Am besten vorstellbar ist, wenn der Edi (Servicemann/Anm.) einen schlechten Tag hat, kann ich auch heimgehen."

Frage: Sie sagten, Sie müssen sich Gedanken machen. Wie geht es also weiter?

Hirscher: "Es ist zäh, was soll jetzt besser werden? Man kann sich einmal die Frage stellen."

Frage: Wäre die Abfahrt ein Ziel?

Hirscher: "Das wäre ein Vollprojekt. Du verlässt komplett deine Komfort... bzw. die -Stage, wo du dein Leben lang hingearbeitet hast. Dann hätte ich mich auch entscheiden können, Abfahrer zu werden. Ich würde euch das gerne verraten, aber ich weiß es selbst nicht."

Frage: Cheftrainer Andreas Puelacher hat erzählt, er habe bei seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr zu Ihnen gesagt, er wolle Sie wieder lachen sehen. Erklären Sie das?

Hirscher: "Letztes Jahr war sicherlich teilweise für mich ein Punkt erreicht, wo man sagt, der ist am Zahnfleisch. Ob der das heuer durchhält? So war es auch. Letztes Jahr sind mir die Aufgaben fast über den Kopf hinausgewachsen. Ich habe alles gegeben und schlussendlich auch gehandelt, aber sicher nicht mit einem grazilen Balanceakt. Ganz im Gegenteil. Mit meinen Ressourcen und Möglichkeiten, die mir damals zur Verfügung gestanden sind. Ich glaube, menschlich bin ich heute um einiges reifer und weiter. Für mich wird es immer leichter. Das ist das, was der Andi mit dem vermitteln und erklären will. Heuer hat es wenige Situationen gegeben. Kitzbühel und Schladming ist eigentlich nicht packbar, das weicht so weit ab von einer normalen Rennvorbereitung ab. Wie wenn der Fußballer, auch wenn es ein Spalier gibt, quer durch die 80.000 über die Wurstbude in die Kabine obegreilt (runtermuss/Anm.). Das funktioniert nicht. Und nebenbei noch eine Halbe trinken soll."

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