"Dann würden auch wieder sehr viele schimpfen"

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Die Ski-Herren betreten an diesem Wochenende Neuland. In Krasnaja Poljana, dem Ski-Ort der Olympischen Winterspiele 2014, finden erstmals Weltcup-Rennen statt.

ÖSV-Cheftrainer Mathias Berthold spricht im Interview mit der APA über die Olympia-Abfahrt, das Wetter im Skigebiet des westlichen Kaukasus-Ausläufers, seinen Gesamteindruck von den Olympiapisten und dem Schauplatz der künftigen Winterspiele:

Frage: Wie gefällt Ihnen die Abfahrt?

Berthold: "Cool, super cooles Gelände. Von der Kurssetzung her könnte man sicher das eine oder andere noch ein bisschen anders machen. Wenn man das noch ein bisschen anders gestalten würde, denke ich, ist das eine hammermäßige Abfahrt."

Frage: Ist es notwendig, in die Abfahrt so viele Tore reinzusetzen?

Berthold: "Man hätte oben links und rechts etwas mehr Platz, man könnte weniger Tore, aber trotzdem hin und her setzen, um das Tempo zu kontrollieren. Und speziell nach der Mitte ist noch ein langes Stück runter, wo ziemlich viele Kurven drinnen sind. Da ist es extrem breit, da könnte man auch vielleicht zwei Tore rausnehmen und ein bisserl mehr hin und her setzen, dass die Kurven länger werden."

Frage: Bode Miller ist der Meinung, dass zu viele Tore drinnen sind. Früher einmal hätte der Abfahrer noch riskieren müssen, um zu gewinnen. Was sagen Sie dazu?

Berthold: "Hier musst du schon riskieren, um zu gewinnen. Hannes (Reichelt/Anm.) hat das oben im Training probiert und halt ein Tor verpasst. Riskieren musst du nach wie vor. Aber man muss unterscheiden zwischen riskieren und stürzen und sich verletzen oder riskieren und dann einfach ein Tor nicht mehr erwischen oder einen Fehler machen, der sich nicht so gravierend auswirkt, dass man gleich ein halbes Jahr ausfällt. Aber die Athleten sind da natürlich nicht ganz objektiv, was das angeht. Jeder kennt seine Stärken und so mochte er dann die Abfahrt haben."

Frage: Miller meint, dass diese Abfahrt für einen Abfahrer auch bewältigbar ist, wenn man ihm mehr Geschwindigkeit aufnehmen lässt. Didier Cuche hat etwas Ähnliches gesagt und gemeint, man müsse halt die Sprünge dementsprechend bauen und nicht wie Schanzen. Geht dieser angesprochene Sprung, der Lake Jump, zu weit?

Berthold: "Der ist eigentlich richtig schön. Klar springt man 60, 70 Meter, und mit dem Schneefall, den wir bekommen, werden es keine 80 werden. Unsere Jungs sagen, 'Wow, ein supergeiler Sprung'. Alle lieben den Sprung und den unteren Streckenteil. Das ist halt auch wieder eine subjektive Meinung. Hier sind 80 Athleten am Start. Egal welche Abfahrt, du wirst immer geteilte Meinungen haben."

Frage: Ist dieses Wetter mit Schneefall und Nebel ein Vorgeschmack auf das, was einem hier in zwei Jahren bei Olympia blühen könnte?

Berthold: "Das kann sein. Ich habe am Mittwoch beim Rauffahren mit den Trainern gesagt, da werden wir noch ein paar Mal hochfahren und andere Sorgen haben als heute, wo es so schön ist. Der Berg ist im oberen Teil extrem dem Wetter ausgesetzt. Weil kein Wald ist, ist es für die Athleten noch einmal schwieriger, weil sie keinen Anhaltspunkt links und rechts haben. Es ist einfach alles weiß, es stehen nur ein paar Felsen. Der Februar ist hier ein Niederschlagsmonat, die Spiele sind um diese Zeit."

Frage: Die extrem eisigen Verhältnisse sind eine Folge des vielen Neuschnees und der deshalb notwendigen Wasserpräparierung...

Berthold: "...ja, da musst du mit Wasser präparieren. Sie haben sich eine Wahnsinnsarbeit angetan. Eine Abfahrt von oben bis unten mit Wasser durchzupräparieren, das ist ein immenser Arbeitsaufwand. Das macht fast kein anderer Veranstalter außer Kitzbühel vielleicht. Deshalb darf man nicht schimpfen, sie haben ihr Möglichstes getan. So eisig ist es auch wegen der kalten Temperaturen geworden. Wenn man nicht mit Wasser reingegangen wäre und oben wäre es sehr weich, würden auch wieder sehr viele schimpfen."

Frage: Ist die Abfahrt ein Fall für Ihre Rennläufer?

Berthold: "Ich sehe niemanden, der gröbere Probleme damit hat. Hannes (Reichelt/Anm.) liegt sie gut, dem taugt sie natürlich extrem gut. Die, die am Anfang ein paar Probleme darauf hatten, werden sich darauf einschießen, und das passt dann schon."

Frage: Es sind die einzigen Rennen in Krasnaja Poljana vor den Spielen. Wie wichtig ist es, dass man da viel Videomaterial mitnimmt?

Berthold: "Es ist wichtig, dass du viel Material hast, aber ich gehe schon davon aus, dass wir noch öfters zum Training da sein werden."

Frage: Was ist Ihr Gesamteindruck von den Olympiapisten?

Berthold: "Eigentlich sehr positiv. Der Super-G ist sicher schön, der Slalomhang ist schön, der Riesentorlaufhang ist vom Gelände her ein bisserl auf der einfachen Seite. Aber es hängt davon ab, wie die Streckenpräparierung dann ist, ob es schwer oder einfach ist. Ich finde es richtig toll hier."

Frage: Wie wohl fühlen Sie sich abseits der Pisten?

Berthold: "Die Skiräume sind tadellos. Im Hotel sind wir die Ersten in den Zimmern (neu eröffnet/Anm.), die Bettwäsche ist neu, die Handtücher sind neu und trocknen nicht richtig. Aber sie bemühen sich und sind freundlich. Die Sicherheitskontrollen sind nur bedingt mehr als anders wo. In den Skiraum und zum Lift musst du durch Sicherheitskontrollen gehen und dann fragt dich vielleicht noch der eine oder andere auf dem Weg. Aber wenn ich an Olympia in Salt Lake City denke, das war völlig überzogen, was die aufgeführt haben. Im Verhältnis ist es hier kommod. Natürlich wird es bei Olympia noch einmal strenger werden, aber da sind wir eh oben im Olympischen Dorf, wo alles stattfindet."

 

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