"Fetzenblau" in Wengen

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Am Lauberhorn wartet das Kitzbühel der Schweizer

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In Wengen steht am Samstag (LIVE ab 12:20 Uhr im LAOLA1-Ticker) die Mutter aller Abfahrts-Klassiker im alpinen Weltcup auf dem Programm.

4,5 Kilometer Länge, mehr als zweieinhalb Minuten Fahrzeit, Streckenabschnitte wie Hundschopf, Brüggli-S, Minschkante oder Ziel-S sowie das atemberaubende Panorama bilden eine in der Ski-Welt einzigartige Mischung.

Titelverteidiger auf dem Lauberhorn ist mit Klaus Kröll ein Österreicher.

Die skiverrückten Schweizer wünschen sich an ihrem sportlichen Nationalfeiertag einen Sieg des 37-jährigen Didier Cuche, der sein Heimrennen noch nie gewonnen hat.

Feeling im Ziel: "Fetzenblau"

Kröll war im Vorfeld von Wengen ein vielgefragter Mann. Die Frage, ob er als Gewinner 2011 besonders gerne und siegessicher in die Schweiz gekommen ist, war die meistgestellte.

Krölls Antwort lautete: "Für das Rennen am Samstag bringt mir das gar nichts."

"Fetzenblau" lautet das erste Wort, das Kröll in den Sinn kommt, wenn er an Wengen denkt. So fühlen sich nämlich alle Athleten, wenn sie die längste Abfahrt hinter sich gebracht haben.

Kröll hat Kristallkugel im Visier

Bei Kröll sind die Ansprüche deutlich gestiegen. So machte der 31-Jährige kein Geheimnis daraus, dass ihn der dritte Platz zuletzt in Bormio "richtig angezipft" hat.

"Weil mein Ziel ganz klar der Gewinn des Abfahrts-Weltcups ist, und dafür werde ich Rennen gewinnen müssen", meinte Kröll, der die Kristallkugel als Krönung im März in seiner steirischen Heimat in Schladming entgegennehmen möchte.

Der "Bulle von Öblarn" ("Diesen Spitznamen werde ich wohl nicht mehr los") befürchtet, dass die Favoriten wie er mit ihren späteren Startnummern einen entscheidenden Nachteil haben könnten.

Viel Konkurrenz für Titelverteidiger

"Dennoch denke ich, dass ich auch heuer wieder zu den Sieganwärtern gehöre", stellte Kröll klar.

Als schärfste Konkurrenten sieht Kröll Cuche, Aksel Lund Svindal, Beat Feuz, Adrien Theaux, Hannes Reichelt ("Wenn er Glück mit der Startnummer hat") und Bode Miller, den Führenden im Abfahrts-Weltcup.

Dass die Österreicher noch ohne Abfahrtssieg in dieser Saison sind, relativierte Kröll: "Es sind ja erst drei Abfahrten gewesen, die Saison ist noch lang. Und die richtig großen Geschichten kommen erst."

In einer Woche wartet auf Kröll und Co. dann die Abfahrt in Kitzbühel.

Reichelt fühlt sich am Lauberhorn wohl

Reichelt war bisher im ÖSV-Team die positive Überraschung der Abfahrtssaison, der Salzburger steht knapp vor dem Vordringen in die besten 15 der Weltrangliste.

Obwohl es Reichelt von 2009 bis 2011 jeweils nicht in die ÖSV-Mannschaft in Wengen geschafft hatte, knallte er am Donnerstag auf dem Lauberhorn eine Trainingsbestzeit hin.

"Es hat jedes Mal wehgetan, wenn sie mich nicht nach Wengen mitgenommen haben. Wengen taugt mir, wie kann einem eine Abfahrt bei so einem Ambiente nicht taugen. Heuer läuft es so gut, dass ich zum Glück überall mitfahren darf", sagte Reichelt.

"Wengen ist einfach ein Klassiker"

Der Salzburger glaubt an seine Chance, sieht sich aber gegenüber den langjährigen Spitzen-Abfahrern im Nachteil.

"Ich habe das Zeug für einen Spitzenplatz, da muss aber alles passen. Ich habe bezüglich Abfahrtskilometer einen großen Rückstand, da ist die Gefahr natürlich größer, dass ich bei einer Schlüsselstelle einen Blödsinn mache."

Romed Baumann stellte sich auf einen echten Kraftakt ein. "Nach zweieinhalb Minuten auch noch das Ziel-S, da wird's dann schon schwierig", erzählte der Tiroler, der das Flair in Wengen ebenfalls einzigartig findet.

"Eine Stelle wie das Brüggli-S wäre in der heutigen Zeit auf keiner anderen Abfahrt der Welt ein Thema. Der Hundschopf, das Panorama, die Eisenbahnbrücke, Wengen ist einfach ein Klassiker."

Und so soll es auch bleiben. "Solange die Formel 1 in Monaco fährt, wird es auch das Lauberhorn geben", meinte Viktor Gertsch, der OK-Präsident der Lauberhornrennen.

Scheiber noch nicht ganz der Alte

In Geduld übt sich Mario Scheiber, der sich nach seiner neuerlichen Verletzungspause wieder Richtung Spitze zurückarbeiten will.

"Ich darf nicht zu viel wollen und muss geduldig bleiben. Schritt für Schritt, Lauf für Lauf geht es wieder dorthin, wo ich schon war."

Der Osttiroler spürt, dass er noch nicht ganz der Alte ist. "Ich traue mich manchmal nicht voll durchzuziehen. Da fehlt das letzte Selbstvertrauen. Wenn du vorne bist, denkst du nicht viel nach und bist schnell. Wenn du die Form suchst, dann bedeutet das mehr Arbeit."

Schweiz drückt Cuche die Daumen

Für die Schweizer ist die Abfahrt am Samstag das Sportereignis des Jahres, 2011 zog kein anderes Event mehr Eidgenossen vor die TV-Geräte.

Mehr als 30.000 Zuschauer nehmen die mühsame Anreise in Kauf, um live dabei zu sein. Alleine 10.000 Fans werden das Rennen beim Sprung über den Hundschopf verfolgen.

Die meisten davon drücken ganz besonders für Cuche die Daumen, der sich aber ein wenig den Druck nehmen möchte: "Man kann es nicht erzwingen. Ich habe andere Abfahrten auch noch nicht gewonnen."

Cuche-Servicemann Chris Krause ist nach der Geburt seines Sohnes Stefan auf jeden Fall wieder rechtzeitig zurück in Wengen gewesen.

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